Atlantis Magazin
AdvertisementAdvertisement
Sonntag, 31. Mai 2020

Home arrow Artikel früherer Hefte arrow Titelthema arrow Karibik arrow Martinique
HomeKontaktImpressumHaftungsausschluss
     

Aktuelles Magazin

atl_titel_2020.jpg

Benutzer Login






Passwort vergessen?

Advertisement

Martinique PDF Drucken E-Mail
s17_mur_neWracks und mehr
Von Johann N. Atzenbacher

Die Franzosen behaupten gerne, dass ihre DOMs (Departements d‘Outre-Mer) ein Stück Frankreich jenseits des Atlantik seien. Das aber ist ein ausgemachter Unsinn. Martinique, Guadeloupe und Guyane haben unbestritten mittelamerikanischen Charakter. – Besonders unter Wasser.
Vor der quirligen Karibikstadt St. Pierre im Westen Martiniques liegt ein Wrackfriedhof par excellence. Eine Hand voll Schiffe haben hier am 8. Mai 1902 ihren letzten Liegeplatz angelaufen. „Wir fuhren in die Hölle“, sagte später Jacques Ladrange, der Kapitän des Frachtschiffes „Provenchère“, der zu Hilfe eilte.
Was war geschehen? Seit Wochen schon brodelte es in und vor allem um St. Pierre. In der Stadt deshalb, weil der nahe gelegene Vulkan Mont Pelée ganz offensichtlich kurz vor einem Ausbruch stand, und die Bürger aus der Stadt fliehen wollten. Doch der Gouverneur forderte Truppen an und hielt seine Leute gewaltsam fest. Die Bevölkerung stand kurz davor, bewaffneten Widerstand zu leisten.
Während dessen machte sich vor der Stadt der Vulkan zu einem fulminanten Ausbruch bereit. Mit 450 Meter pro Sekunde raste die Druckwelle auf St. Pierre und ein gutes Dutzend Schiffe zu, die vor der Stadt auf Reede lagen. Vor allem die Schiffe bekamen ihren Teil ab. Von dem Dutzend blieben nur ein paar brennende Schiffskörper an der Oberfläche, andere waren sofort unter Wasser gedrückt worden. St. Pierre erreichte nie wieder die Bedeutung, die der Handel mit Rum und Zuckerrohr eingebracht hatte.
s16_ensDie Wracks sind heute eines der taucherischen Glanzichter Martiniques. Keines all zu weit vom Ufer der Bucht entfernt, trifft man auf die ersten schon in etwa 25 Metern Tiefe.
Wer auf Martinique oder einem anderen Land der französischen DOM taucht, der muss eines wissen: Frankreich ist CMAS-Land. Padi-Jünger dürfen zwar überall tauchen, werden aber schlicht diskrimminiert. Auch wer ein CMAS-Brevet der niedrigen Stufen (Ein- und Zweistern) besitzt, kommt noch lange nicht in den vollen Genuss der taucherischen Glanzlichter der Gegend. Gemäß dem Zuckmayerschen Zitat, dass Darwin schon beim Gefreiten, der Mensch jedoch erst beim Leutnant anfange, wird man zum vollwertigen Taucher eigentlich erst mit erreichen des Dreisternbrevets.
Darüber hinaus gilt in Frankreich und damit auch in Martinique, in Tauchbasen das so genannte Vier-Sterne-Prinzip. Und das heißt: Zwei Einsterntaucher dürfen nie zusammen ein Team bilden. Auch nicht ein zweigesternter Taucher mit einem eingesternten. Zwei Zweisterner dürfen wohl miteinander tauchen, allerdings nur bis zu einem gewissen Tiefenlimit. Der Dreisterntaucher darf einen Einsterner mitnehmen – allerdings nur bis zum vorgeschriebenen Limit. Dieses verlängert sich nach unten, wenn drei- und zweigesternter Taucher oder gar eine Drei-Drei-Equipe nach unten geht. Diese Regelung gilt aber wirklich nur für gewerblich angemeldete und betriebene Tauchbasen. Wer privat taucht, darf machen, was er will.
Martinique hat die meisten Hotels im Süden, aber auch die Westküste der Insel ist reizvoll. Bei Le Carbet gibt es mit dem Marouba Club eine preiswerte Anlage mit Gartenbungalows. Der Strand ist aufgrund der Nähe zum Vulkan schwarz. Gleich daneben liegt ein kleines Juwel. In der Destillerie Neisson wird der vielleicht beste Rum der ganzen Karibik immer noch in Handarbeit hergestellt – althergebracht aus Zuckerrohr und nicht industriell aus Melasse. An eben dieser Westküste liegen die Wracks, während im Süden, um den großen Felsen Le Diamant weitere Tauchgebiete zu finden sind.
Im Internet steht dazu folgende Textpassage: „Die schönsten Tauchplätze waren für uns um den Rocher du Diamant...“

 
< zurück   weiter >
Advertisement
Advertisement
Advertisement
 
 
 

Advertisement

© 2020 Atlantis Magazin