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Atombombe gefunden?

karte

(Karte: Naval Museum, British Columbia)

Vor 66 Jahren ging dem amerikanischen Militär eine Atombombe verloren. Und das kam so: Ein B-36 Bomber flog, von Alaska kommend, im Jahr 1950 die Westküste des nordamerikanischen Kontinents Richtung Süden entlang. Mit an Bord: Eine ausgewachsene Atombombe der Bauart Fatboy, also genau das Modell, das fünf Jahre früher die japanische Metropole Hiroshima in Schutt und Asche gelegt hatte. Über kanadischem Hoheitsgebiet, bei der Insel Haida Gwaii (British Columbia), machte die B-36 technische Probleme, und die Piloten stiegen aus. Vorher aber beförderten sie die Atombombe über Bord, damit diese beim Absturz nicht explodiere. Das Wrack des Fliegers wurde gefunden, die Bombe nicht. Es kann sein, dass ein kanadischer Berufstaucher diesen Job den Amerikanern nun abgenommen hat.

Sean Smyrichinsky tauchte gerade nach Seegurken, als er ein großes, metallenes Etwas entdeckte, das ihn ein bisschen an eine fliegende Untertasse erinnerte. Er meldete den Fund. Das kanadische Verteidigungsministerium glaubt nun, dass es sich bei dem Gegenstand um eine von den Amerikanern 1950 verlorene Atombombe handeln könnte. Außerdem glaubt das Ministerium, dass die Bombe kein aktives nukleares Material enthält, also keine Gefahr für die Bevölkerung besteht. Trotzdem hat man geeignete Kriegsschiffe in das Gebiet der Haida Gwaii-Insel geschickt, um den Fund zu identifizieren. Smyrichinsky: „Ich war schon am Aufstieg, als ich praktisch über das Ding stolperte. Es war größer als ein Kingsize-Bett. Oben flach wie eine Tischplatte und mit einem runden Unterteil. In der Mitte hat es ein Loch, genau wie ein Bagel.“ Da der Fundort weit ab liegt, dauerte es ein paar Tage, bis Smyrichinsky in die Stadt kam und jemanden fragen konnte, was für ein Ding das da draußen sein könnte. Zuerst wusste keiner Bescheid, aber dann meldete sich ein Oldtimer bei ihm und sagte: „Hey, Sean, ich glaube, Du hast diese Atombombe gefunden, die unsere Nachbarn 1950 verloren haben.“

Zahlreiche Atombomben gingen verloren

Es klingt wie ein Thriller, aber im kalten Krieg ging nicht nur diese Bombe verloren. 1968 zum Beispiel stürzte ein B-52 Bomber vor Nord-Grönland ab. Die an Bord befindliche Atombombe wurde in Stücke zerrissen, glücklicherweise ohne Folgen. Einige Teile fanden später Spezial-U-boote, den nuklearen Teil der Bombe fand man jedoch bis heute nicht. Zwei Jahre vorher stürzte ebenfalls ein B-52 Bomber ins Meer bei Palomares, Spanien. Vier Atombomben waren an Bord. Drei fand man rasch, die vierte jedoch erst zwei Monate später. Die Dunkelziffer der verlorenen Atombomben dürfte relativ hoch sein. Egal, welches Land sie verliert, stets wird ein großes Geheimnis darum gemacht. Denn man will die Öffentlichkeit nicht beunruhigen (und ruhig halten), man will keine Waffentechnologie preisgeben und man will verhindern, dass womöglich Unbefugte danach suchen und die brisanten Bomben finden. Die Geschichte der B-36 mit der Registrierungsnummer 075, die sich auf dem Weg zur Carswell Airforce Base in Texas befand, gehört zu den großen Rätseln der Luftfahrt und fesselt Historiker noch heute. Das Flugzeug war auf einer geheimen Mission unterwegs und simulierte einen Atomschlag mit einer scharfen Mark IV Atombombe. In der Gegend der Haida Gwaii-Inseln vor der kanadischen Westküste gab es einen Triebwerksbrand und die Besatzung beschloss, auszusteigen und mit dem Fallschirm abzuspringen. Vorher wollte der Kapitän die Bombe jedoch über dem offenen Meer abwerfen, weil diese beim Crash explodieren könnte. Dann steuerte er die B-36 über Land, wo die Crew absprang. Der Flugkapitän selbst nahm anschließend Kurs auf das offene Meer, stellte den Autopiloten ein und sprang dann als letzter Mann von Bord. Von 17 Besatzungsmitgliedern kamen bei dem Manöver fünf ums Leben.

Ein Rätsel der Luftfahrt

Monatelang suchte man das Flugzeugwrack und die Bombe an den Orten, wo sie nach den Berechnungen der Spezialisten und den Angaben der Cockpitbesatzung hätten liegen müssen. Die Bombe, obwohl man deren Abwurfort relativ präzise eingrenzen konnte, wurde nie gefunden. Das Wrack fand man erst Jahre später. Es wurde nicht auf der offenen See entdeckt, wo es der Kapitän mit dem Autopiloten hingesteuert haben will, sondern in der genauen Gegenrichtung, einige hundert Kilometer landeinwärts. Was die Gefährlichkeit der Bombe anging, so wiegelte das US-Militär ab: Man behauptete, die Mark IV, Fatboy, (Bild rechts: Die Hiroshima-Bombe Fatboy von Wikipedia), sei zwar mit Blei, TNT und Uran gefüllt, nicht jedoch mit Plutonium, das notwendig sei, um eine Atomexplosion herbeizuführen. Nach dem Fund Smyrichinskys nahm das kanadische Verteidigungsministerium sofort Kontakt mit den Kollegen aus den USA auf und diese bestätigten, dass es sich nach der Beschreibung des Gegenstandes und dem Fundort sehr wohl um die verlorene Mark IV handeln könnte. fatboyEine Gefahr für die Bewohner der Gegend sei nach wie vor nicht gegeben. Dirk Septer ist ein kanadischer Luftfahrthistoriker und der erzählt: „Es war damals in der Tat ein großes Rätsel für alle Beteiligten. Die verschwundene Bombe und ein Wrack, das schließlich an einer ganz anderen Stelle lag, als angenommen. “Es könnte also sein, dass das US-Militär nicht mit offenen Karten gespielt hat, was die tatsächlichen Umstände des Absturzes angingen. Es war der Höhepunkt des Kalten Krieges und die Militärs waren auf allen Seiten geradezu hysterisch. Washington fürchtete, dass sich Russland der vermissten Bombe bemächtigen könnte und so ist es wahrscheinlich, dass man es mit der Wahrheit alles andere als genau nahm. Dirk Septer jedenfalls ist sich ganz sicher: „Nach allem was wir heute über den Absturz von 075 wissen, kann das Ding da draußen alles sein, nur nicht die Bombe.“ H.K.

 
HMSS „Britannic“ soll Taucher anlocken

olympicklasseVor rund 100 Jahren, am 21. November 1916, lief das britische Hospitalschiff „Britannic“ auf eine deutsche Treibmine und sank. Seither liegt das Schwesterschiff der „Titanic“ in rund 130 Metern Tiefe im Kanal zwischen den Ägäisinseln Kea und Makrònissos. Die 1036 Menschen an Bord konnten fast vollständig lebend evakuiert werden, es gab nur 30 Tote und 40 Verletzte. Die Besatzung hat damit eine logistische Meisterleistung vollbracht, da die „Britannic“ innerhalb von nur 58 Minuten sank. Kürzlich trat ein international besetzter Beraterkreis zusammen, der aus Tauchern, Wissenschaftlern, Behördenvertretern und Nachkommen von Opfern bestand. Dieser Personenkreis diskutierte das Ansinnen von Yannis Tsavelakos, dem Betreiber einer örtlichen Tauchbasis. Tsavelakos will um die „Britannic“ herum einen taucherischen Themenpark schaffen, der die „Britannic“ mit anderen Wracks dieses Meeresgebietes verbindet. Zum Beispiel mit dem Wrack der SS „Burdigala“, einem französischen Schiff, das unmittelbar vor der „Britannic“ sank, ebenfalls durch den Treffer einer Treibmine. Experten vermuten, dass es dasselbe deutsche U-Boot war, nämlich U-73, das die Minen ausgebracht hatte.

Die „Britannic“ war ein Schwesterschiff der berühmten „Titanic“, die 1912 im Nordatlantik mit einem Eisberg kollidierte und sank. Entdeckt wurde ihr Wrack 1975 von Jacques Cousteau, der darüber einen Dokumentarfilm machte. Als Hospitalschiff eines Krieges gilt die „Britannic“ als Kriegsschiff und bleibt somit nach internationalem Seerecht Eigentum der Nation, für die sie ihren Dienst tat. Die britische Regierung wiederum verkaufte das Wrack 1996 für 15.000 Pfund an den Schriftsteller und Marinehistoriker Simon Mills. Er ist es also, der nicht zuletzt dem Plan von Yannis Tsavelakos zustimmen muss. Und  Mills hat schon signalisiert: „Zuerst wollte ich, dass die „Britannic“ eine ungestörte Ruhestätte für die Ofer bleibt. Heute bin ich anderer Meinung und glaube, dass es besser ist, wenn wir solche Wracks für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Ich bin mir sicher, dass das unser Bewusstsein verändern wird.“ Die „Britannic“ wurde am 30.November 1911 von der Belfaster Werft Harland & Wolff auf Kiel gelegt und lief am 26. Februar 1914 vom Stapel. Das Schiff war ein nahezu identischer Zwilling der „Titanic“, war aber mit mehr Rettungsbooten ausgerüstet. Da kurz nach dem Stapellauf der Erste Weltkrieg ausgebrach, trat die „Britannic“ nie als das in Dienst, als das sie vorgesehen war, nämlich als Passagierdampfer. Vielmehr wurde sie sofort als Hospitalschiff verwendet.

jessopBesonderheiten: Mit der RMS „Olympic“, der HMS „Titanic“ und der HMHS „Britannic“ gab es insgesamt drei Schwesterschiffe der Olympic-Klasse. Da die RMS „Olympic“ das erste Schiff der Baureihe war, wurde die Klasse nach ihr benannt. Die Namen Olympic und Titanic kamen aus der griechischen Mythologie, folgerichtig sollte das jüngste Schiff der Klasse auch „Gigantic“ heißen. Nach der schweren Kollision der „Olympic“ mit einem anderen Schiff und dem Untergang der „Titanic“ entschied man sich dann aber für den Namen „Britannic“. Auf allen drei dieser Schiffe tat eine Stewardess Dienst, die Violett Jessop hieß. Sie überlebte 1911 die schwere Kollision der als Postschiff eingesetzten „Olympic“ mit dem britischen Marinekreuzer „Hawke“. Sie überlebte 1912 ebenfalls den Untergang der „Titanic“ und auch auf der „Britannic“ war ihr das Glück hold. H.K.

 
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