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„Die Unbesiegbare“ wird erforscht

invincibleDas Wrack eines der bedeutendsten Kriegsschiffe des 18. Jahrhunderts wird erforscht. In den kommenden Tagen startet die größte Unter-Wasser-Ausgrabung seit der Bergung der „Mary Rose“ im Jahr 1982.

Die „Invincible“ („Die Unbesiegbare“) sank 1758 im Solent, der Meerenge, die die britische Hauptinsel von der Insel Wight im Ärmelkanal trennt. Das Kriegsschiff befand sich auf dem Weg nach Portsmouth, das nur noch drei Meilen entfernt war, als die Havarie eintrat. Elf Jahre zuvor hatten die Franzosen das Schiff gekapert.

Die „Invincible“ war ein Kriegsschiff der Kategorie drei mit 74 Kanonen. Trotz der schweren Bewaffnung war das Schiff länger und schmaler und somit schneller als jedes vergleichbare Schiff: Eine revolutionäre Konstruktion für die damalige Zeit und für ein Schiff dieser Feuerkraft.

Das Kriegsschiff ist der sogenannte missing link zwischen der „Mary Rose“, welche das Flaggschiff Heinrichs des VIII war und der 1765 vom Stapel gelaufenen „Victory“, die später in der Schlacht von Trafalgar eine wichtige Rolle spielte.

Das Forschungsvorhaben wird zwei Millionen Britische Pfund (rund 2,4 Millionen Euro) kosten. Finanziert wird diese Summe von Bußgeldern, die britische Banken wegen diverser Vergehen bezahlen mussten.

Grafik: British Museum

 
Fourni: eine Goldmine für die Archäologie

fourni-1(Foto links: Dr. Koutsouflakis untersucht die Fundstelle eines Wracks vor Fourni)

Die Griechische Insel Fourni liegt nur wenige Kilometer vor der türkischen Küste in den geschichtsträchtigen Gewässern der Ägäis. Kein antiker griechischer Dichter berichtet über sie, kein Sänger preist ihre Schönheit. Und in der reichen Geschichte der Griechen spielte sie nie eine Rolle. Nun aber haben Archäologen vor der Küste des Eilands den wohl am dichtesten bestückten Schiffsfriedhof in der gesamten Ägäis gefunden. Fischer und Schwammtaucher entdeckten die zerstörten Rümpfe von 23 teils antiken Schiffen und eine intensivere Suche der herbeigerufenen Archäologen förderten weitere 22 Wracks zutage. Da erst knapp die Hälfte von Fournis Küste erforscht ist, dürften noch Dutzende unentdeckte Wracks hier ruhen.

Das älteste bislang vor Fourni gefundene Wrack datiert auf die Jahre zwischen 525 und 480 vor unserer Zeitrechnung. Es ist reich beladen mit Amphoren. Peter Campbell von der Universität Southampton, Vizedirektor des Archäologenteams, spricht von Fourni als einem „meditarranen Bermudadreieck“. In der Tat sind die Gewässer um Fourni seemännisch nicht einfach zu meistern. Die Lage zwischen den beiden Inseln Iscaria im Westen und Samos im Osten – dazu die Nähe zum türkischen Festland – stellte die Schiffsbesatzungen immer wieder vor Probleme. Strömungen traten auf und tückische Scherwinde, die besonders für die schwerfälligen Rahsegler schwierig zu meistern waren. Darüber hinaus war Samos ein gefürchtetes Piratennest. Und trotzdem: Auf den Handelsrouten zwischen dem Schwarzen Meer, Griechenland, Zypern, Syrien und Ägypten kamen die antiken Skipper, im wahrsten Sinne des Wortes, um den Mini-Archipel Iscaria – Fourni – Samos einfach nicht herum. Und die so entstehende Verkehrsdichte machte vor allem das Navigieren schwierig, was wiederum eine große Zahl an Havarien zur Folge hatte. Campbell betont: „Wenn ich von Bermudadreieck rede, so meine ich das natürlich nicht in dem Sinne, dass Schiffe durch unerklärliche Umstände oder gar Mysterien gesunken sind. Die seemännischen Probleme waren durch einen halbwegs erfahrenen Kapitän durchaus lösbar. Es war wirklich die schiere Masse von Schiffen, die immer wieder Unfälle hervorrief.“ In der Tat verbrachten viele Schiffe hier auch die Nacht und wurden durch Wind und Strömung vom Anker gerissen, wenn das Ankermanöver nicht korrekt ausgeführt worden war.

fourni-2(Foto rechts: Das älteste gefundene Wrack war reich mit Amphoren beladen ) Das Forschungsprojekt begann vor gut einem Jahr. Ein paar Fischer zeigten dem Unterwasserarchäologen und Mitarbeiter der Unterwasser-Altertumsbehörden George Koutsouflakis eine handskizzierte Karte mit der Lage unbekannter Wracks. Erkundungsabstiege folgten. Koutsouflakis bezeichnet den Schiffsfriedhof heute als „archäologische Goldmine.“ Neben den bereits erwähnten Amphoren stießen die Archäologen auch auf die riesigen Steine der Steinanker. Laut Dr. Koutsouflakis die größten, die man jemals in der Ägäis gefunden hat. Dr. Campbell ergänzt: „Es war auch eine kleine Öllampe unter den Funden, die perfekt in eine hohle Hand passt. Da kann man sich geradezu vorstellen, wie damit nächtens jemand an Deck herumgewandert ist.“ Für beide Forscher grenzt es an ein kleines Wunder, dass gerade dieses kleine, fragile Teil mehr als 2000 Jahre unbeschadet überstanden hat.

Doch die gefundenen Wracks stammen nicht nur aus der Antike. Vielmehr reicht die Spanne von der hellenistischen Zeit über die Herrschaft Alexander des Großen und dem späten Rom bis ins frühe 19. Jahrhundert. Ein Schiff aus dem späten Römischen Reich hatte beispielsweise Tischwaren wie Bestecke und Teller geladen, denen durch ihre Machart Spanien und Nordafrika als Produktionsorte zugeordnet werden konnten.

Fotos: Griechische Altertumsbehörde

 
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