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Sonntag, 20. Oktober 2019

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Malta, Gozo und Comino: Liebe auf den zweiten Blick PDF Drucken E-Mail

Von Arnd Rödiger

aroe_malta_aufmacher_Auf kaum einem Eiland liegen die kulturellen Sehenswürdigkeiten so nah beieinander wie auf Malta. Und kaum ein Ziel im Mittelmeer hat unter Wasser so viel zu bieten wie der Inselstaat vor der afrikanischen Küste. ATLANTIS hat sich umgesehen.

Im Mittelmeer gibt es gewiss Inseln, die lieblicher, idyllischer, grüner und ruhiger sind und die mehr attraktive Sandstrände haben als Malta. Inseln jedoch, die auf so beengtem Raum ein solch großes Angebot an historischen Sehenswürdigkeiten aus fünf Jahrtausenden beherbergen, sind kaum noch einmal zu finden. Fast alle Völker des Altertums haben hier Spuren hinterlassen: die Menschen der Steinzeit, die Phoenizier, die Punier. Ebenso die Griechen, Römer, Normannen und später mit Beginn der Neuzeit schließlich die Türken, Briten, Franzosen, Italiener und in bescheidenem Maße auch die Deutschen. Trotz der wechselvollen Geschichte, trotz der unterschiedlichsten Einflüsse von außen, haben die maltesischen Inseln und ihre Bewohner ihren unverwechselbaren Charakter bis heute bewahrt. Zeugnis dafür ist nicht zuletzt die Sprache auf der Grundlage eines altsemitischen Dialekts. Mit einigen Englischkenntnissen wird sich der Besucher jedoch mühelos verständigen können, denn Englisch ist zweite Amtssprache.

Malta ist freilich nicht nur ein Synonym für lebendig gebliebene Geschichte, die drei Inseln des Archipels haben sich in den vergangenen Jahren auch zu einem beliebten Ferienziel für Aktivurlauber entwickelt. Der Archipel bietet günstigste Bedingungen für alle Wassersportarten, allen voran für das Tauchen. Das gilt nicht nur für die Hauptsaison sondern für alle Jahreszeiten. Dank der geographischen Lage im südlichen Mittelmeer (Malta liegt südlicher als Tunis), fällt die Wassertemperatur auch in den Wintermonaten kaum unter 14 Grad Celsius. uw-rozi-005-6_Die felsige Beschaffenheit der Küstenlinien garantiert darüber hinaus meist gute bis sehr gute Sichtverhältnisse. Sie reichen (außer in Hafenbecken) normalerweise von 20 bis 30 Meter. Die submarinen Landschaften, geprägt insbesondere durch Steilwände, Felskamine, verzweigte Höhlen- und Tunnelsysteme, sind wie geschaffen für abwechslungsreiche Tauchfahrten. Doch sollten auch die flachen Felsenriffe und tiefer gelegenen Sandflächen nicht unbeachtet bleiben, die vielerorts unweit des Ufers entfernt liegen und mit einer abwechslungsreichen, intensiv bunten Kleinfauna und -flora aufwarten. Unterhalb der Überhänge, in Felsnischen, entdeckt man gerade dort verschiedenfarbige Schwämme, Moostierchenkolonien, violette Kalkalgen, gelbe Krustenanemonen und Nelkenkorallen, Röhrenwürmer und Schraubensabellen. Dazwischen turnen und kriechen Schlangensterne, Haarsterne, Seesterne, Seeigel, Nacktschnecken, Einsiedlerkrebse, Krabben, Garnelen und immer wieder einmal Langusten umher. Wie im gesamten östlichen Mittelmeer fehlen freilich die großen violetten und gelben Gorgonienfächer und Begegnungen mit Großfischen sind auch selten. An anderen typischen Mittelmeerfischen hat es erfreulicherweise keinen Mangel. Dazu zählen Brassen, Goldstriemen, Streifenbarben, Meerjunker, Grundeln, Skorpionsfische und in zunehmenden Maße auch wieder Zackenbarsche. Wiederholt werden inzwischen selbst Papageifische, Drückerfische und Kaninchenfische gesichtet. Im Frühjahr kehrt auch der Petersfisch aus der Tiefe in seichteres Wasser empor. Begegnungen mit dem Oktopus oder einer Sepia kann fast bei jedem Tauchgang garantiert werden.Noch vor wenigen Jahren galt Malta als eine Art Geheimtipp unter Tauchern. Inzwischen hat der Tauchtourismus jedoch einen bedeutenden Anteil am Wirtschaftswachstum des Inselstaats. Fast vier Dutzend Tauchschulen bieten mittlerweile dem tauchenden Urlauber ihre Dienste an. Einige sind auch in den Wintermonaten geöffnet. Die meisten sind Mitglieder der PDSA (Professional Diving Schools Association), einer Organisation, die unter behördlicher Aufsicht auf einen hohen Sicherheitsstandard und guten Service der angeschlossenen Tauchbasen Wert legt. Selbstverständlich sind vor dem ersten Tauchgang die erforderlichen Befähigungsnachweise, sprich ein Tauchbrevet, das Logbuch und das ärztliche Attest vorzulegen.  NormaleTauchkurse sowie Spezialkurse (Nitrox etc.) gehören gleichfalls zum Angebot der Tauchschulen.Die Zahl lohnenswerter Tauchplätze rund um Malta und die beiden anderen Inseln ist nicht genau zu benennen. Die beliebtesten auf der Hauptinsel sind, weil dort auch der Einstieg relativ einfach vom Ufer erfolgt, die Riffe, Steilabfälle und kleinen Höhlen rund um Cirkewwa sowie bei Wied-Iz-Zurrieq, Ghar Laps, Mhentaleb und der Anchor Bay. azur window-gozo-muss_Bootsfahrten werden rund um L’Ahrax unternommen und zu den St.Paul’s Islands und dem Qawra Reef .
Nicht vergessen darf man natürlich die Wracks bzw. Wrackreste, die immer wieder Abwechslung ins Tauchprogramm bringen. Dabei rangiert Malta, was das Angebot betrifft, eindeutig vor den beiden Schwesterinseln. An erster Stelle sind da die Reste der „HMS Maori“ zu nennen, die in der St. Elmo Bay unterhalb der St. Gregoy Bastion in etwa 15 Meter Tiefe liegt, ein ehemaliger britischer Zerstörer, der im Frühjahr 1942 Opfer eines Luftangriffs wurde. Das gleiche Schicksal erlitten der italienische Fracht-Dampfer „Odile“ in der Kalkara Creek im Grand Harbour von Valetta und der Leichter „Coralita“ vor Manoel Island.
Interessanter für Sporttaucher, weil besser erhalten und in klarerem Wasser gelegen, dürften die Wracks neueren Datums sein, Schiffe, die im Rahmen eines Versenkungs- und Forschungsprogramms auf den Meeresboden geschickt wurden. Dazu gehören die ehemaligen Bugsierboote „Rozi“ und „PT 29“ vor Cirkewwa sowie die „St. Michael“ und „Number 10“ am Zonqor Point bei Marsaskala. Spannend sind auch Tauchabstiege zum Wrack der „Imperial Eagle“, einer ehemaligen Passagierfähre der Gozo Cannel Reederei, nordöstlich des Qawra Points unweit einer fünf Meter hohen Christus-Statue in 42 Meter Tiefe, und besonders zum Wrack der „Um El Faroud“ vor Wied-Iz-Zurrieq, einem 100 Meter langen Tanker in 25 Meter Tiefe, der allerdings bei einem der letzten Winterstürme unsanft auseinander gerissen wurde. Eher selten aufgesucht werden dagegen, weil weit ab und tief gelegen und damit nur sehr erfahrenen Tauchern vorbehalten, die „HMS Stubborn“, ein U-Boot der S-Klasse (um 55 Meter Tiefe) und einige Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg wie der so genannte Blenheim Bomber vor Marsaskala (42 Meter).Hervorragende Tauchgründe bieten  natürlich auch Gozo und Comino, die kleineren Schwesterninseln Maltas. Beide Inseln sind weitaus geringer besiedelt, d.h. auf Comino gibt es lediglich eine Hotel- und Bungolowanlage. Gozo ist ländlicher und so verläuft das Leben dort insgesamt wesentlich ruhiger als auf der Hauptinsel. Comino hat allerdings mit der Blauen Lagune ein überaus attraktives Ausflugsziel, das gerade in den Sommermonaten zumindest tagsüber die Touristen in Massen von den anderen Inseln anlockt. Das ruhige und glasklare Wasser ermöglicht hier auch für Anfänger beste Schnorchelmöglichkeiten. Comino bietet etliche Tauchplätze, die zumindest für das Mittelmeer ohne Übertreibung als spektakulär bezeichnet werden können. Zu nennen sind vor allem die verschiedenen Tunnel- und Höhlensysteme wie der Santa Marija Tunnel und die Santa Marija Höhle, der Lantern Point bzw. Lighthouse Reef sowie auch der Cominetto Rock. Diese Tauchplätze sind jedoch alle nur mit dem Boot erreichbar.Besonders beliebt bei Tauchern ist Gozo. Nicht nur weil das Leben dort noch in ruhigeren Bahnen zu verlaufen scheint. Etliche der Tauchplätze sind eine Klasse für sich. So die rund um den Dwerja Point liegenden mit dem Blue Hole, dem Inland Sea, Azur Window, dem Chimney sowie unweit davon entfernt der Fungus Rock. Von Marsalforn aus erreicht man  weitere lohnenswerte Stellen wie die Twin Arches, einen UW-Doppelbogen, und die Billinghurst Cave. An der Südost-Küste liegen schließlich der Fessj Rock und der Mgarr Rock, zwei aus dem Wasser ragende Felsklötze mit unter der Wasserlinie steil abfallenden Wänden. Übrigens: Taucher, die Ihr Quartier auf Malta haben, können beruhigt sein. Die Tauchbasen dort führen auf Wunsch und genügender Teilnehmerzahl auch regelmäßig Ausflüge nach Gozo und Comino durch.  hagar quim tempel_
Malta hat sich zu einem sehr attraktiven Reiseziel nicht nur für Taucher entwickelt. Der Grund dafür ist sicherlich in erster Linie das vielfältige Angebot an Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen. Auch Taucher sollten sich durchaus einmal eine Auszeit zu nehmen, um einiges aus diesem Angebot wahrzunehmen.
An erster Stelle eines jeden touristischen Ausflugsprogramms steht Maltas Hauptstadt Valletta mit den vielen Palästen, Museen und Kirchen wie der St. John’s Co-Cathedral. Vom Upper Barraca Garden hat man einen herrlichen Blick auf den Grand Harbour und die gegenüber liegenden Städte Vittoriosa, Cospicua und Senglea. Als weitere Ausflugziele empfehlen sich die im vierten und dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung auf Malta errichteten Tempelanlagen von Tarxien und des unterirdischen Hypogäums von Hal Saflieni In Paola. Nicht weit von Zurrieq entfernt liegen hoch über dem Meer zwei weitere Tempelkomplexe, die von Hagar Qim und Mjagarr. An der Straße nach Birzebbuggia liegt schließlich die Höhle von Ghar Dalam, die ein wahres Fossilienlager darstellt. Nur einige Kilometer weiter liegt das Fischerdorf Marsaxlokk, wo Maltas größte Fischerflotte beheimatet ist und am Sonntag Morgen reges Marktgetümmel herrscht. Von Wied Iz Zurrieq erreicht man mit dem Fischerboot die Blue Grotto und im  Inselinneren lohnt der Besuch  der Städte  Mosta mit der gewaltigen Rundkirche (drittgrößte Kuppel der Welt), Mdina, der alten Hauptstadt, und Rabat mit den St. Paul’s Katakomben und der St.Paul’s Grotte. Erwähnenswert sind schließlich auch noch der Buskett Garden, der Verdala Palace (einst Sommersitz der Großmeister) und die geheimnisvollen Radspuren des Clapham Junction. cathedral_
Die Hauptstadt Gozos ist Victoria,  auch Rabat genannt. Innerhalb des Gran Castillo erhebt sich eine prächtige Kathedrale. Auf der Anhöhe von Xaghira liegen die bedeutenden megalithischen Tempelanlagen von Ggantija. Unweit davon entfernt gibt es zwei Höhlen (Xerri's und Ninu's Grotto) mit alabasterartigen Tropfsteinformationen sowie die Höhle der Calypso. Darunter breitet sich die Ramla Bay aus. Eine weitere geschützte Bucht ist die von Xlendi, ein beliebter Ferienort. Weiter nördlich erhebt sich das bereits erwähnte Blaue Fenster (Azur Window) aus dem Meer, und dicht daneben liegt der Inlandsea, ein natürliches Meeresbecken, das von schroffen, überhängenden Klippen eingerahmt ist. Schließlich seien noch die Wallfahrtskirche Ta’Pinu  sowie  der Fischerort  Marsalforn erwähnt.
Ein Besuch Cominos empfiehlt sich schließlich, wenn man einmal, unabhängig von den normalen Tauchgängen rund um die Insel, im glasklarem Wasser der Blauen Lagune, schwimmen möchte. Absolute Einsamkeit und Ruhe werden einem heute dort allerdings in der Hauptsaison nicht mehr vergönnt sein.
Wie eingangs erwähnt, sind die maltesischen Inseln nicht unbedingt in die Kategorie der idyllischsten und ruhigsten Urlaubsziele im Mittelmeer einzuordnen. Vor über 20 Jahren war bereits in einem anderen Tauchmagazin einmal zu lesen: „In Malta verliebt man sich erst auf den zweiten Blick.” Doch diese Zuneigung kann schließlich, wie beim Autor, schon mal über 35 Jahre dauern.

 
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