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Freitag, 18. Oktober 2019

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Von Hurghada nach Hamata PDF Drucken E-Mail

Ägypten auf eigene Faust

inhalt_generalVon Heinz Käsinger

Wer es zu langweilig findet, eine Woche oder gar 14 Tage in einem Hotel mit einer Tauchbasis zu verbringen, der kann die Rotmeerküste auch auf eigene Faust erkunden und mehrere Hotels besuchen. – Von Ägyptens hohem Norden bis hinunter in den Süden kurz vor der Grenze zum Sudan. Das Angebot an tollen Hotels und Tauchplätzen ist jedenfalls groß.

Ramadan, schon wieder Ramadan. Bereits das letzte Mal als wir in Ägypten waren, war Fastenmonat, alle ein bisschen gestresst und genervt. Und dann auch noch die Landung in Hurghada, kurz vor Sonnenuntergang. Der Hunger der Gläubigen hat ihren Höhepunkt erreicht, jeder will so schnell wie möglich heim an die Fleischtöpfe, der ganze Flughafen brodelt und wimmelt.

Der ganze Flughafen? Nein. Am Schalter des ägyptischen Transport- und Ferienunternehmens Travco herrscht entspannte Ruhe. Ein Mitarbeiter hat uns am Gate abgepasst und sofort dort hin gebracht, wo wir in wenigen Minuten unsere Visamärkchen im Pass haben. Ein Auto samt Fahrer wird uns in den kommenden Tagen auch durchs Land fahren – immer pünktlich, zuverlässig, freundlich und entspannt. Es ist schon stockfinster, als wir Richtung Süden über die dicht befahrene Küstenstraße rollen. Ziel für diesen Abend ist das Hotel „Coral Garden“ im Süden Safagas gelegen. Autofahrten in der Nacht sind in Ägypten so eine Sache. Und, tatsächlich, es kommen jede Menge unbeleuchtete Autos entgegen. Viele davon sogar auf der falschen Straßenseite, sodass unser Fahrer zu manchem Ausweichmanöver gezwungen wird.
Das „Coral Garden“ empfängt uns wohl bewacht und wohl beleuchtet. Der ägyptische Staat ist sehr auf die Sicherheit seiner Gäste bedacht, deshalb ist Wachpersonal in den Hotels Pflicht, ebenso wie Metalldetektoren, wie sie auch am Flughafen stehen. ATLANTIS hält das eher für eine Marketingmaßnahme. Notwendig ist es jedenfalls nicht. orca_coral garden1Lutz Schreckenbach, Betreiber der im Hotel ansässigen Orca-Tauchbasis, ficht das sowieso nicht an. „Das ‚Coral Garden’ ist ein Hotel für Taucher, andere Gäste kommen kaum hier her“, weiß er. Es geht familiär zu an dieser schönen Bucht, wo man nach dem Tauchgang auch bei stechender Sonne am Strand liegen kann, ohne sich einen Hitzekoller zu holen: Die Hotelleitung hat statt der sonst üblichen Sonnenschirme zur Bucht hin offene Strohhütten aufgestellt, eine sehr wirksame Idee. In der Regel hat Lutz 20 komplette Ausrüstungen in der Basis. Bei Bedarf holt er sich von Orca in Safaga aber auch mehr. Das Gasmanagement mit dem Füllen der Flaschen mit Pressluft oder Nitrox läuft sowieso über Safaga. Getaucht wird vorwiegend am Hausriff in der Bucht, wo viele verschiedene Tauchgänge möglich sind. Gleich am Strand beginnt ein tolles Riff, wo sich Muränen, Rochen und viele verschiedene Rifffische beobachten lassen. feuer2Weiter draußen sieht man Schildkröten und ab und zu einen Weißspitzenhai. Trotzdem zieht es manche Tauchgäste auch zu anderen Spots in der Umgebung. Wie an diesem Küstenstrich üblich, werden die Ausflüge per Minibus gemacht, Lutz wird jedoch ab diesem Herbst auch ein Boot zur Verfügung haben.
Überhaupt tut sich vieles rund ums Hotel. Einige hundert Meter weiter südlich entsteht eine neue Hotelanlage, die ist fast fertig und wird einen Stern mehr haben, als das „Coral Garden“. Ausgelegt wird es für Familien, der Pool steht schon und ein Wellnessbereich wird entstehen. Besitzer Mohamed Elezaby, dem auch das bestehende Hotel gehört, ist schon ganz aufgeregt. Er wird im Rahmen der Neueröffnung auch Kamel- und Quad-Touren durch die Wüste anbieten und gestresste Eltern können ihren Nachwuchs im Kinderclub abgeben. Pünktlich frühmorgens holt uns der Travco-Fahrer wieder ab. Safaga – Marsa Alam ist zwar keine weite Strecke, trotzdem wollen wir früh los, um noch etwas vom Tag zu haben. Die aufgehende Sonne taucht die schroffen Berge der Östlichen Wüste in ein warmes, goldenes Licht. Ägyptens Staatsgebiet besteht zu 90 Prozent aus Wüste und die Bevölkerung teilt das riesige Gebiet einfach in eines, was westlich (Westliche Wüste) und östlich (Östliche Wüste) des Nils liegt. Wer die korrekten Begriffe Libysche- und Arabische Wüste verwendet, erntet nur fragende Blicke.
aufmacher Übrigens: An der Rotmeerküste kann man sich als Individualreisender frei bewegen. Wer aber mit einem eigenen Wagen nach Luxor oder Kairo will, muss dies in einem bewachten Konvoi tun. Wir halten in El Quseir, einer 5000 Jahre alten Hafenstadt. Die Stadt wurde in pharaonischer Zeit im Alten Reich unter dem Namen Thagos gegründet. Zwischen hier und Luxor verläuft eine Karawanenstraße, auf der landwirtschaftliche Produkte aus dem Niltal und Phosphate aus den Bergwerken in der Östlichen Wüste transportiert wurden. In Thagos/El Quseir verlud man die Güter auf Schiffe. Handel trieb man vor allem „mit dem Lande Punt“, womit man wahrscheinlich Äthiopien und Somalia am Horn von Afrika meinte, Indien und dem Jemen. Überhaupt wird, wer aufmerksam durch die pittoresken Gassen schlendert, viele jemenitische Einflüsse auf El Quseirs Architektur finden. Dominant thront das osmanische Fort aus dem 16. Jahrhundert über der Stadt, die zwischenzeitlich ihre Bedeutung verloren hatte, in muslimischer Zeit jedoch als Verschiffungshafen für Mekkapilger wieder entdeckt wurde. Schade, dass so wenig Tauchtouristen aus den umliegenden Hotels diese uralte Stadt besuchen. Kontrastprogramm: Nur wenige Kilometer südlich von El Quseir hat eine arabische Investorengruppe einen modernen Kunsthafen aus Boden und Riff gestampft.
Port Ghaleb erinnert ein bisschen an eine sardinische Marina, eine holländische Handelsniederlassung und eine malerische orientalische Stadt, die Mixtur macht den Reiz aus. Hier starten viele Tauchkreuzfahrten zur Südtour, zum St. Johns Riff oder nach Zabargad. Wir allerdings bleiben auf dem Festland, im Port Ghaleb unmittelbar benachbarten Hotel „Three Corners“ empfangen uns Sandra und Kurt von der dort beheimateten Extradivers-Basis.extradivers_3lorners3 „Wenn ihr Euch beeilt, könnt Ihr noch mit nach Abu Dabab, Seekuh gucken.“ Das muss man uns nicht zwei Mal sagen und 15 Minuten später sitzen wir im Kleinbus. Die Seekuh haben wir in der Bucht von Abu Dabab nicht entdeckt, dafür aber zahlreiche Schildkröten, eine Gruppe Kalmare und einen Rochen – auch schön. Außer Abu Dabab fährt Kurt rund 25 Plätze in der Umgebung an. Dazu gehören auch so Glanzlichter wie das Dolphin House, zu dem es zwei Mal in der Woche geht. Natürlich steht auch das Elphinstone Riff auf der Menükarte. Wer die erforderliche Qualifikation zum Tauchen nicht hat, kann diese bei Kurt und Sandra nach SSI- und Padi-Standard erwerben, als Spezialkurse werden Tief-, Boots-, Wracktauchen und mehr angeboten. Außerdem stehen vier Dräger-Rebreather zur Verfügung. Etwas weiter nördlich steht bei El Quseir das „Radisson“. extradivers_radisson2Die angeschlossene Basis der Extradivers betreiben Nino Faranda und seine Frau Martina. „Wir sind das erste ISO-zertifizierte Tauchcenter in Ägypten“, erklärt Nino stolz. Der Stolz ist berechtigt. Wer die Zertifizierung schaffen will, bei dem müssen nicht nur die Grundlagen stimmen, das heißt die Geräte, Armaturen usw. in topgepflegtem Zustand sein, die Zertifizierung umfasst auch so wichtige (aber oft nebensächlich erachtete) Dinge wie Erreichbarkeiten (Mobiltelefone auch für die Guides) und Transportwesen. Die Basis kann bis zu 100 Tauchgäste voll ausrüsten. Ausbildung gibt es bis zum Tauchlehrer, dazu die üblichen Spezialkurse wie Nitrox, Scooter, Tieftauchen, Nachttauchen usw. Als Besonderheit bieten Nino und Martina auch den Spezialkurs Grottentauchen an, denn in ihrem Tauchplatz-Portfolio befinden sich auch einige Tauchplätze, die dafür geeignet sind. Fotobegeisterte können Kameras ausleihen, dazu stehen fünf Olympus µ700 im wasserdichten Gehäuse zur Verfügung. Und Fotokurse nach SSI-Standard bietet man auch an.
Szenen aus dem Süden, kurz vor  Hamata: Die ohnehin schon heiße Luft erreicht noch einmal zwei Grad Celsius mehr, die Wüste flirrt im Sonnenlicht. Unser Fahrer hat angehalten, denn eine Kamelfamilie kreuzt seelenruhig die Küstenstraße. Wir steigen aus, die Kamele nehmen ein Sandbad in einer Senke neben der Straße. Eines knabbert an einem Tamariskenstrauch. Ein tolles Motiv, die Kameraverschlüsse klacken. Ein paar Kilometer weiter eine weitere Naturszene. Ein Hotel hat vor seinem Eingangsportal einen schönen, saftigen Rasen angelegt. Der Gärtner wässert, schneidet Sträucher, zupft Unkraut. Plötzlich bricht aus dem kärglichen Dickicht gegenüber der Schnellstraße eine Gruppe wilder Esel, in deren Gefolge ein paar Ziegen. Hungrig stürzen sich die Tiere auf das saftige Grün, der Gärtner steht kurz vor einem Herzinfarkt. Dann haben wir das Azur-Hotel „Wadi Lahmi“ erreicht. Das Entsetzen ist groß: Die Tauchbasis ist noch nicht fertig. orca_wadi lahmyDoch der zukünftige Leiter der Basis, die zur Orca-Gruppe gehört, Marcus Lorenz, samt Freundin Fränzi Küng sind schon vor Ort und zuversichtlich: „Nach dem Ramadan ist das nur noch eine Frage weniger Wochen“, meint Marcus. In der Tat steht das Gebäude schon fix und fertig da, nur der Innenausbau ist noch nicht ganz abgeschlossen. Ein Beinbruch ist das mit dem unfertigen Tauchcenter nicht. Die Gäste werden einfach von der benachbarten Orca-Basis im Hotel „Zabargad“ betreut – und das rundum. Monika und Rudi oder einer deren Mitarbeiter holen den Tauchgast im Auto morgens ab und fährt ihn auch wieder zurück. Obwohl dieser Küstenabschnitt des Roten Meeres durch seine prächtigen Saumriffe mit dem intakten Leben glänzt, Monika und Rudi haben noch einen anderen Star: Prinz Ali. extradivers zabargad2textEin Esel, der mit stoischer Ruhe und einer Engelsgeduld die Tauchflaschen und Bleigurte von der Basis hinunter zum Steg karrt. Die Gäste sind ganz vernarrt in den Vierbeiner mit den langen Ohren. Er bekommt Möhren und Obst, Leckereien vom Hotelbuffet und Toastbrot mitgebracht. Und das in solchen Mengen, dass die ägyptischen Angestellten der Basis schon mal neidisch auf ihren Ali werden. Doch den Esel interessiert das wenig, er ist eben – ein echter Prinz. Ob Marcus und Fränzi von der Hotelleitung des „Azur“ auch einen Esel genehmigt bekommen, weiß Marcus noch nicht, sie würden jedenfalls auch gerne einen haben. Denn auch im „Azur“ entsteht gerade ein Steg, der einige hundert Meter von der Basis weg liegt und da würde sich das arbeits- und genügsame Transportmittel geradezu anbieten. Zumal es außerdem äußerst umweltfreundlich arbeitet.
Die Basis im „Wadi Lahmi“ wird 50 Taucher ausrüsten können. Ausbildung wird es nach Padi-Standard bis hinauf zum Divemaster geben, dazu jede Menge Spezialkurse, so beispielsweise Nitrox und Rebreather, Foto und Video und die gesamte übliche Palette. Wie in allen anderen Hotels der Küste auch, wird der Schwerpunkt auf dem Hausrifftauchen liegen, Bootsfahrten, beispielsweise zu den nahe gelegenen Riffen um die Fury Shoals wird es jedoch auch geben – vom nahe gelegenen Hamata aus.
extradivers makadibeach2 Langsam geht unsere Zeit in Ägypten zu Ende und wir machen uns auf den langen Weg zurück nach Hurghada. Letzte Station ist die Makadi Bay, zwischen Hurghada und Safaga gelegen. Dort gibt es eine Menge toller Hotels und jedes hat eine Tauchbasis angeschlossen. Wir wohnen im „Al Nabila“, einem zwar guten Hotel, das es jedoch mit der Animation etwas übertreibt. Wer aber 20, 30 Jahre alt ist, wird sich dort sicher wohl fühlen.
Getaucht haben wir im „Al Nabila“ bei und mit Frank Leienbach und Katrin Schneider. Die Basis hier ist die größte Extradivers-Basis im Norden Ägyptens, 220 komplette Ausrüstungen vor Ort zu haben, ist schon ein Wort. Dazu gibt es zwei Tagesboote, die 50 Tagestourplätze der Umgebung ansteuern. Wem ein ganzer Tag zu viel ist, nimmt an einem Boots-Kurztrip teil, die dauern höchstens zweieinhalb, drei Stunden. Und wem auch das zu anstrengend scheint, er-kundet das Hauriff. Vom kleinsten (Seepferdchen) bis zum größten (Adlerrochen) Fisch findet man hier ohnehin fast alles, was das Herz begehrt.
Nachdem wir jetzt zehn Tage ausschließlich in Ressorts verbracht hatten, hätte es sich angeboten, das seit unserem letzten Besuch wieder erheblich gewachsene Hurghada zu erkunden. Indes, es bleibt nur noch Zeit für rohen Kamelschinken und danach ein Kamelsteak in Schokoladensauce – sehr zu empfehlen und bestens zubereitet im Restaurant „Villa Kunterbunt“. Dann hebt auch schon der Flieger ab.

 
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