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Freitag, 20. September 2019

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Am Wrack der „VS 54“ PDF Drucken E-Mail
s68_vs_54_4Ostseeschönheit
Von Erhard Schulz

Der Zweite Weltkrieg besiegelte das Ende des Sicherungsschiffes mit der Nummer 54. Was geschah damals, was geschah nach dem Untergang? Sicher ist: Das Wrack „VS 54“ gilt als schönstes in der südlichen Ostsee.
Die „VS 5“ war nicht immer das Vorpostensicherungsschiff mit der Nummer 54. Das hatte erst der Zweite Weltkrieg aus dem robusten Trawler gemacht. Ursprünglich lief es als „Burg-PG 527“ vom Stapel der Emdener Werft Schulte. Ausgerüstet mit einer Sechszylindermaschine von MAN wurde es als Fischereischiff eingesetzt.
Doch dann kam der Krieg und die Kriegsmarine brauchte es. Zunächst wurde es um-benannt, in „Burg-H1“. Und dann, am 14. Juni 1940, brachten Facharbeiter und Ingenieure zwei 3,7-Zentimeter-Kanonen und zusätzlich Maschinengewehre am Schiff an. Aus dem Fischtrawler war ein Vorpostensicherungsschiff geworden, dessen Operationsgebiet im Bereich Fehmarnbelt lag. Am 1. Januar 1941 wurde es noch einmal umbenannt, bekam jetzt seinen endgültigen Namen „Burg-VS 54“. Unter diesem Namen sank der Trawler auch. Der Krieg besiegelte sein Schicksal am 15. März 1944. „VS 54“ lief auf eine Mine und sank. Was aus der Besatzung wurde, ist unklar. Möglicherweise wurde sie mit in die Tiefe gerissen. Das Schiff legte sich nach der Beschädigung mit einer etwa 20prozentigen Neigung auf dem Sandgrund zur ewigen Ruhe nieder. So finden es Taucher noch heute. Weitgehend erhalten, aber durch den Überzug von Tausenden von Seenelken in ein fast unwirklich scheinendes phantastisches Gebilde verwandelt.

Drei biologische Zonen an einem Wrack

Erfahrene Taucher können meist problemlos in das Wrack eindringen. Eine ganze Reihe von Öffnungen lassen (bei guter Sicht) etwas Licht ins Innere dringen. Es bedarf aber einiger Sorgfalt, um nicht in der relativen Enge des Trawlers anzuecken und unnötig Mulm aufzuwirbeln. Eindrucksvoll ist die Szenerie in der Kajüte bzw. im Kommandostand, wo in dunkelgrüner Dämmerung der Blick ins freie Wasser möglich ist. Der Höhepunkt des Tauchgangs aber ist die auf einer riesigen Lafette montierte Kano-ne auf dem Heck des Wracks. Ihre beeindruckende, durch unzählige Seenelken jedoch auch veränderte Silhouette wird bei guter Sicht bereits beim Herantauchen an das Wrack sichtbar. Vor allem biologisch Interessierte treffen hier an der „VS 54“ auf ein immer wieder beobachtetes Phänomen, das typisch für die Wracks im Belt ist. Am Schiffskörper finden sich zwei, ja manchmal sogar drei verschiedene biologische Zonen. So ist eine Seite dieses Schiffes zum Beispiel mit unzähligen Kolbenpolypen besiedelt.

Die Strömung im Belt verlangt Kondition

Die „VS 54“ ist nichts für Anfänger. Routine und ein Mindestmaß an Kondition sind gefordert. Im Belt sind Seegang und Strömung nichts Ungewöhnliches. Letztere kann auch schon mal heftig werden. Da ist gelegentlich mancher Tauchgang schon an der Wasseroberfläche zu Ende gewesen. Auch die Fähigkeiten des Skippers sind entscheidend. Er muss sein Boot möglichst so vor der vorher geworfenen Boje platzieren, dass diese von den Tauchern ohne große Anstrengung erreicht wird.
Das Wrack der „Burg-VS 54“ liegt heute 50 Bootsminuten oder etwa fünf Seemeilen nordöstlich der Insel Fehmarn, mitten im Belt. Es wird, nicht zuletzt wegen dieser widrigen Umstände, nur selten von Tauchern besucht. Und das ist auch gut so. Denn so bleibt zu hoffen, dass es uns Tauchern in dieser Form, in diesem Zustand sehr lange erhalten bleibt. Deshalb ist auch jeder einzelne Taucher aufgefordert darauf zu achten, dass Mittaucher das Wrack so belassen, wie es sich uns heute präsentiert.
 
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