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Donnerstag, 16.02.2012 PDF Drucken E-Mail
Reise zu den Ogasawara-Inseln
 
von Heinz Käsinger
 
Liebe ATLANTIS-Freunde,
 
ab heute werdet Ihr in regelmäßigen Abständen an dieser Stelle einen kurzen Live-Blog finden. Es geht um eine Reise auf die Ogasawara-Inseln. Nie gehört? Diese Inselgruppe gehört zu Japan, um es genau zu sagen sogar zum Stadtgebiet von Tokio, obwohl es mehr als 1000 Seemeilen weiter südlich im Pazifik nahe Mikronesien liegt. Die Ogasawaras sind im vergangenen Jahr zum UNESCO Weltnaturerbe erhoben worden. Zwischen Januar und Juni sind die Wale dort, zuerst die Pottwale, dann die Buckelwale. Und ich habe das Glück dort hin reisen zu können.
Gerade sitze ich noch in Frankfurt am Flughafen in der Bussineslounge der Asiana Airlines, der Airline unseres Vertrauens. Asiana wird mich in der kommenden Nacht erst nach Seoul und morgen nach Tokio bringen. Von dort aus geht es mit dem Schiff weiter. Ach ja, ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass die Ogasawaras keinen Flugplatz haben. Mein empfindlicher Magen wird also auf eine harte Probe gestellt werden. 27 Stunden Überfahrt - ich schaudere jetzt schon.
So, für heute genug, es ist gleich Boardingtime und ich muss einsteigen. Melde mich morgen gegen Abend wieder aus Tokio, mehr Infos und Bilder gibt es dann auf unserer Webseite im Live-Blog in der Rubrik Online-Magazin (hier klicken).
Viel Spass beim Lesen und der Verfolgung dieses Blogs wünscht Euch
Der Heinz (Chefredakteur ATLANTIS Magazin)
 
Donnerstag, 01.03.2012 PDF Drucken E-Mail

Leider sind die angenehmen Seiten meines Jobs jetzt vorbei, morgen heißt es wieder am Heft zu arbeiten. Als, naja, krönenden Abschluss der Reise gab es gestern Abend in Tokio das Kontrastprogramm zum doch etwas abgelegenen Ogasawara: Die Lichter der Großstadt warteten auf mich. Tokio ist ja eine super hektische Stadt, alles voll und voller Beton. Gut, dass mein Hotel mitten in Ginza lag, dem berühmten Shopping und Vergnügungsviertel der Stadt. Die Chuo Dori, etwa vergleichbar mit der Champs Elysees oder dem Kudamm, ist nachts prächtig beleuchtet und vor allem teuer. Klar, was alleine die Beleuchtung kostet, muss man auf die Preise schlagen. Mal ein Beispiel: Mein bevorzugtes Herrenparfüm kostet hier etwa das Vierfache wie beim ebenfalls nicht billigen Douglas. Ich habe meiner Frau also kein Souvenir gekauft. Aber eine persönliche Nachricht an meine Nichte Jil habe ich: Wenn Du mal richtig ausgiebig shoppen willst, Betonung auf richtig, dann kommt für Dich eigentlich nur die Chuo Dori in Frage. Gegessen hab ich aber was und das war erstaunlich preiswert. Da ich mich auf Ogasawara ja ausschließlich von Nudelsuppe ernährt habe (darüber mehr im kommenden Heft), stand mir gestern Abend der Sinn nach etwas anderem. So habe ich zunächst eine Fischsuppe gegessen und später lauter verschiedene frittierte Häppchen. Dann gab es noch einen Mangopudding. Alles in allem bewerte ich das gestrige Abendessen als sensationell. Und der Knüller: Es war billiger als der Wurstteller mit Kartoffelsalat beim "Original Bavarian Restaurant" nebenan. Ach ja: In Ginza gibt es Dutzende von ausländischen Lokalen, vor allem Italiener. Ein anderes Klischee über Tokio hab ich auch getestet: die U-Bahn. Jetzt höre ich aber auf, die Haare stehen mir noch immer zu Berge. Es ist einfach nur voll! So, jetzt mal noch ein Dankeschön an das Japanische Fremdenverkehrsamt, die den Trip ausgearbeitet haben und an die Asiana Airline, in deren Businessklasse ich jetzt ganz relaxt und mit bester Verpflegung zurückreisen werde. Bis bald

 
Dienstag, 28.02.2012 PDF Drucken E-Mail

johnWisst Ihr, was Verhöhnung ist? Wenn man fast zwei Wochen auf einer abgelegenen Insel ist, das Wetter ist mäßig bis unter aller Sau und wenn man geht (ich sitze schon auf den gepackten Koffern, in zwei Std. geht die Fähre ab) ist es strahlend schön mit einer vier-Tagesprognose mit Sonnenschein und bis 27 Grad... So, hier liefere ich Euch noch meinen Hauswirt nach und eine Erklärung, die die grünen Papayas betrifft, die ich vorgestern eingestellt habe; das Rote ist Nagellack und der wurde absichtlich aufgetragen und zwar weil während des Reifungsprozesses die Strünke anfangen sich aufzulösen. Der Saft fließt dann aus den Früchten aus und damit der süße Geschmacksträger. Die Frucht wird trocken. Deshalb schützen sie die Strünke mit Lackfarbe oder eben Nagellack. Aber musste es denn ausgerechnet roter sein?

Euer Heinz 

 
Montag, 27.02.2012 PDF Drucken E-Mail
Das ist mal der vorläufig letzte Bericht, ich weiß noch nicht, ob ich mich von der Reise aus melden kann, wahrscheinlich nicht. Es wird auch nicht so spannend sein, vom Fährterminal oder von den Flughäfen auf denen ich rumhänge was zu schreiben, mal sehen, was es Aufregendes gibt. Zum Schluss möchte ich Euch die Hauptpersonen der Insel vorstellen, mit denen ich es zu tun hatte. Außer meinem Hauswirt John, der will erst morgen fotografiert werden, der war jetzt zwei Tage verschwunden und heute hatte er keine Zeit. Also, in der Reihenfolge der Bilder wie eingestellt:
obataJunko Obata vom Tourist-Office, sie spricht Englisch (Ausnahme hier) und hat mir viel geholfen.
kochKagaya-san, Restaurantbesitzer. Bei ihm hab ich immer gegessen und dabei den Ehrgeiz entwickelt, kein Sushi oder sonst wie Fisch zu essen. Der Hintergrund ist, dass es bei ihm wunderbare Nudelsuppen gibt, jeden Tag ne neue. Das lest Ihr aber dann im Heft.
basisUnd schließlich: Das Team vom Urashiman Diving Center. Wunderbare Tauchgänge und aufregende Walsichtungen gehen auf dessen Kappe, vom riesigen Buckelwal bis hinunter zum simplen Delfin. Auch darüber mehr im kommenden ATLANTIS. fische
Ach ja, getaucht haben wir heute auch, es gab Delfinbegegnungen zum Aufwärmen und später das tropische Ogasawara mit Falterfischen, Flötenfischen und Korallen. wrack2Und ein bizarres Wrack.
Den John bekommt Ihr ebenfalls im Heft nachgeliefert, ein toller Typ, japanisch-amerikanischer Abstammung und in direkter Linie Nachkomme von Nathaniel Savory, einem Seemann aus Boston, der die Inseln hier 1830 (wieder-) entdeckt und besiedelt hat.
Euer Heinz
 
Sonntag, 26.02.2012 PDF Drucken E-Mail

schildkroeteDer heutige Tag hatte ein Highlight: Nachdem ich einige Fotos im Ort geschossen und einige Interviews geführt hatte, bin ich hinüber ans Hafenbecken um etwas auf der Mole zu sitzen und mir ein Sandwich in den Rachen zu schieben. Nach einigen Minuten meinte ich meinen Augen nicht zu trauen, eine riesige, fast einen Meter lange Schildkröte kam seelenruhig durchs Hafenbecken gepaddelt. Als sie mich sah, kam sie näher. Wenn ich es nicht anders wüsste, hätte man meinen können, sie bettelt nach Futter wie ein Hund. Ich hatte eine etwas ungünstige Optik auf der Kamera, nämlich das Makroobjektiv, aber ich konnte damit einige schöne Portraits machen. Überhaupt ist hier direkt im Hafenbecken einiges los. fruechteEs gibt einen dichten Wald aus Hornkorallen, ein Wrack auf 35 Meter und das wird von zwei großen Sandtigern bewohnt. Zum Abschluss meines Aufenthaltes auf den Ogasawara-Inseln werde ich die morgen nochmal besuchen. Ah, eines noch: Hinter meiner Pension steht ein Papayabaum, dessen Früchte gerade reif werden. Irgendein Witzknochen hat die Strünke der reifenden noch grünen Früchte rot getüpfelt. Was Ihr Euch darunter vorstellt, ist grundsätzlich eure Sache... Einen schönen Sonntag mitten aus dem Pazifik wünscht der

Heinz 

 
Samstag, 25.02.2012 PDF Drucken E-Mail
sonnenuntergang
 
Heute hat es den ganzen Tag gestürmt und geregnet. Windstärke so um die zehn, kein Schiff ist ausgelaufen. Ich hab im Hotel ein Buch verschlungen und die Zeit mit Interviews durchgebracht. Gegen Abend hat es aufgeklärt, ich nichts wie hoch zur Ogasawara Wetterstation mit Aussichtsplattform um den Sonnenuntergang zu erwischen. Die Aussichten für morgen: nicht so berauschend, Tauchgang fällt wohl ins Wasser.
 
Freitag, 24.02.2012 PDF Drucken E-Mail

bergIhr fragt Euch vielleicht schon, warum kein Tauchbericht mehr kommt, das liegt schlicht an einer Tatsache: Die Menschen leben hier im Rhythmus der Fähre. Diese kommt morgen um 12.00 rum wieder hier an und bringt neue (Tauch-) Touris mit. Dann fahren auch die Tauchboote wieder hinaus. Ab übermorgen gibt es also wieder Tauchen, solange sitze ich auf dem Trockenen. Ist aber nicht schlimm, denn es gibt hier jede Menge Natur zu erleben. Heute war ich auf dem höchsten Berg der Insel, 319 Meter. Ein Klacks für die Bergziege, die ich mittlerweile (wieder) bin. Schließlich bin ich im Schwarzwald geboren und aufgewachsen... ausblick

heinzTolle Ausblicke und viel Natur, Vögel, Pflanzen und eine hier endemisch lebende Schnecke hab ich gesehen und viele Relikte aus dem japanisch-amerikanischen Pazifikkrieg. Übrigens: Der Georg Busch, also der Vater vom Georg ‚Dabbelyuh’, also der, der den ersten Golfkrieg 1991 vom Zaun brach, dessen Flugzeug wurde im 2. Krieg hier abgeschossen. Seine beiden Kameraden kamen um, er konnte sich mit dem Fallschirm retten. Er war letzten Monat hier auf der Insel. Welch fragwürdige Gesellschaft hätte ich da fast gehabt. Also dann bis morgen.

 
Donnerstag, 23.02.2012 PDF Drucken E-Mail
ziegenWenn ich Euch heute mit einem dreimal kräftigen Meck-Meck-Meck begrüße, dann liegt das daran, weil ich mir hier so langsam vorkomme wie eine Bergziege. Außer im Ort Chichijima sind alle Straßen und alle Wege bergig bis sausteil. Heute habe ich auf Sightseeing gemacht und von der netten Dame im Tourismusbüro wurde mir ein Ausflug zur Kominato Beach empfohlen. Etwas Relaxen nach den Tauchabenteuern kann ja nicht schaden, also mein Badezeugs gepackt und ab mit dem öffentlichen Bus. buchtZur Bucht, die wirklich sehr malerisch ist, kam ich von der entsprechenden Haltestelle aus wirklich sehr leicht. 100 Meter durch den Dschungel (kein Spaß, ist wirklich 100 Meter Dschungelfeeling pur) und schon öffnet sich eine malerische Bucht mit Sandstrand. Natürlich, ich bin kein Strandmensch, nach etwa einer halben Stunde war mir schon langweilig trotz des Buches, das ich dabei hatte. Also zunächst hoch auf einen Pass mit toller Aussicht über den Südteil der Insel. Nur 1800 Meter zeigte der Wegweiser, knappe zwei Kilometer allerdings, die es in sich hatten: Ein fast senkrechter Pfad, auch noch in schlechtem Zustand, führte mich in die Höhe. Ziegen sah ich tatsächlich, die tempelwurden von den ersten Einwanderern eingeführt und bringen seither zunehmend die Inselökologie in Schieflage, weshalb sie jetzt rigoros bejagt werden. Allerdings: Auf dem Speiseplan der wirklich guten Restaurants hab ich noch keine Ziege gesehen, die kochen hier streng Japanisch. Am Vormittag war ich noch im Tempel des Ortes, auch der, Ihr werdet es erraten, liegt hoch oben über der Bucht. Vom Fuße des Berges bis hinauf zum Tempel sind es exakt 228 Stufen.
 
Mittwoch, 22.02.2012 PDF Drucken E-Mail
Wenn wir mal wissen wollen, wie gut es uns geht mit unseren vielen Ferien, dann müssen wir nach Japan. Heute ist die Fähre wieder abgefahren, mit der ich vor zweieinhalb Tagen ankam. Die fünf Tokioter, mit denen ich dieser Tage getaucht bin, sind gerade wieder mit nach Tokio zurück. Allerdings: Die Fähre fuhr um 14.00 Uhr Ortszeit und um 13.00 Uhr waren die noch bei uns auf dem Tauchschiff. Das hat dann genau neben dem Fährschiff festgemacht und die fünf sind direkt drauf. Die Koffer mit den Überwassersachen hatten sie gleich mit auf dem Tauchboot. Klar, dass man bei 5 Tagen Jahresurlaub die Ferienangebote bis zuletzt ausreizt.

wrackAnsonsten gab es heute einen tollen Höhlentauchgang, Wale direkt am Tauchboot und heute Nachmittag einen Wracktauchgang. Ein japanisches Frachtschiff aus dem Krieg, in dem dummerweise ein eigener Torpedo explodierte und ein riesen Loch riss. Das Wrack ist dementsprechend beieinander, von einer geschlossenen Schiffshülle kann keine Rede mehr sein.

Mal noch ein paar Worte zum Wetter: Es ist schön warm und trocken aber seit meiner Ankunft hängt eine wirklich trostlos dicke Wolkendecke über den Eilanden. Keinerlei Farben im Bild, Mist. Aber ab morgen soll es besser werden, mal sehen.

 
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