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Live-Blog
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Reise zu den Ogasawara-Inseln
von Heinz Käsinger
Liebe ATLANTIS-Freunde,
ab heute werdet Ihr in regelmäßigen Abständen an dieser Stelle einen
kurzen Live-Blog finden. Es geht um eine Reise auf die Ogasawara-Inseln.
Nie gehört? Diese Inselgruppe gehört zu Japan, um es genau zu sagen
sogar zum Stadtgebiet von Tokio, obwohl es mehr als 1000 Seemeilen
weiter südlich im Pazifik nahe Mikronesien liegt. Die Ogasawaras sind im
vergangenen Jahr zum UNESCO Weltnaturerbe erhoben worden. Zwischen
Januar und Juni sind die Wale dort, zuerst die Pottwale, dann die
Buckelwale. Und ich habe das Glück dort hin reisen zu können.
Gerade sitze ich noch in Frankfurt am Flughafen in der Bussineslounge
der Asiana Airlines, der Airline unseres Vertrauens. Asiana wird mich in
der kommenden Nacht erst nach Seoul und morgen nach Tokio bringen. Von
dort aus geht es mit dem Schiff weiter. Ach ja, ich habe ganz vergessen
zu erwähnen, dass die Ogasawaras keinen Flugplatz haben. Mein
empfindlicher Magen wird also auf eine harte Probe gestellt werden. 27
Stunden Überfahrt - ich schaudere jetzt schon.
So, für heute genug, es ist gleich Boardingtime und ich muss einsteigen.
Melde mich morgen gegen Abend wieder aus Tokio, mehr Infos und Bilder
gibt es dann auf unserer Webseite im Live-Blog in der Rubrik
Online-Magazin (hier klicken).
Viel Spass beim Lesen und der Verfolgung dieses Blogs wünscht Euch
Der Heinz (Chefredakteur ATLANTIS Magazin)
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Leider sind die angenehmen Seiten meines Jobs jetzt vorbei, morgen
heißt es wieder am Heft zu arbeiten. Als, naja, krönenden Abschluss der Reise
gab es gestern Abend in Tokio das Kontrastprogramm zum doch etwas abgelegenen
Ogasawara: Die Lichter der Großstadt warteten auf mich. Tokio ist ja eine super
hektische Stadt, alles voll und voller Beton. Gut, dass mein Hotel mitten in
Ginza lag, dem berühmten Shopping und Vergnügungsviertel der Stadt. Die Chuo
Dori, etwa vergleichbar mit der Champs Elysees oder dem Kudamm, ist nachts prächtig
beleuchtet und vor allem teuer. Klar, was alleine die Beleuchtung kostet, muss
man auf die Preise schlagen. Mal ein Beispiel: Mein
bevorzugtes Herrenparfüm kostet hier etwa das Vierfache wie beim ebenfalls
nicht billigen Douglas. Ich habe meiner Frau also kein Souvenir gekauft. Aber
eine persönliche Nachricht an meine Nichte Jil habe ich: Wenn Du mal richtig
ausgiebig shoppen willst, Betonung auf richtig, dann kommt für Dich eigentlich
nur die Chuo Dori in Frage. Gegessen hab ich aber was und das war erstaunlich preiswert. Da ich mich
auf Ogasawara ja ausschließlich von Nudelsuppe ernährt habe (darüber mehr im
kommenden Heft), stand mir gestern Abend der Sinn nach etwas anderem. So habe
ich zunächst eine Fischsuppe gegessen und später lauter verschiedene frittierte
Häppchen. Dann gab es noch einen Mangopudding. Alles in allem bewerte ich das
gestrige Abendessen als sensationell. Und der Knüller: Es war billiger als der
Wurstteller mit Kartoffelsalat beim "Original Bavarian Restaurant"
nebenan. Ach ja: In Ginza gibt es Dutzende von ausländischen Lokalen, vor allem
Italiener. Ein anderes Klischee über Tokio hab ich auch getestet: die U-Bahn.
Jetzt höre ich aber auf, die Haare stehen mir noch immer zu Berge. Es ist
einfach nur voll! So, jetzt mal noch ein Dankeschön an das Japanische
Fremdenverkehrsamt, die den Trip ausgearbeitet haben und an die Asiana Airline,
in deren Businessklasse ich jetzt ganz relaxt und mit bester Verpflegung zurückreisen
werde. Bis bald
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Wisst Ihr, was Verhöhnung ist? Wenn man fast zwei Wochen auf einer
abgelegenen Insel ist, das Wetter ist mäßig bis unter aller Sau und wenn man
geht (ich sitze schon auf den gepackten Koffern, in zwei Std. geht die Fähre
ab) ist es strahlend schön mit einer vier-Tagesprognose mit Sonnenschein und
bis 27 Grad... So, hier liefere ich Euch noch meinen Hauswirt nach und eine
Erklärung, die die grünen Papayas betrifft, die ich vorgestern eingestellt
habe; das Rote ist Nagellack und der wurde absichtlich aufgetragen und zwar
weil während des Reifungsprozesses die Strünke anfangen sich aufzulösen. Der
Saft fließt dann aus den Früchten aus und damit der süße Geschmacksträger. Die
Frucht wird trocken. Deshalb schützen sie die Strünke mit Lackfarbe oder eben
Nagellack. Aber musste es denn ausgerechnet roter sein?
Euer
Heinz
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Das ist mal der vorläufig letzte Bericht, ich weiß noch nicht, ob ich
mich von der Reise aus melden kann, wahrscheinlich nicht. Es wird auch nicht so
spannend sein, vom Fährterminal oder von den Flughäfen auf denen ich rumhänge
was zu schreiben, mal sehen, was es Aufregendes gibt. Zum Schluss möchte ich Euch die Hauptpersonen der Insel vorstellen,
mit denen ich es zu tun hatte. Außer meinem Hauswirt John, der will erst morgen
fotografiert werden, der war jetzt zwei Tage verschwunden und heute hatte er
keine Zeit. Also, in der Reihenfolge der Bilder wie eingestellt:
Junko Obata vom Tourist-Office, sie spricht Englisch (Ausnahme hier)
und hat mir viel geholfen.
Kagaya-san, Restaurantbesitzer. Bei ihm hab ich immer gegessen und
dabei den Ehrgeiz entwickelt, kein Sushi oder sonst wie Fisch zu essen. Der
Hintergrund ist, dass es bei ihm wunderbare Nudelsuppen gibt, jeden Tag ne
neue. Das lest Ihr aber dann im Heft.
Und schließlich: Das Team vom Urashiman Diving Center. Wunderbare
Tauchgänge und aufregende Walsichtungen gehen auf dessen Kappe, vom riesigen Buckelwal
bis hinunter zum simplen Delfin. Auch darüber mehr im kommenden ATLANTIS.
Ach ja, getaucht haben wir heute auch, es gab Delfinbegegnungen zum
Aufwärmen und später das tropische Ogasawara mit Falterfischen, Flötenfischen
und Korallen. Und ein bizarres Wrack.
Den John bekommt Ihr ebenfalls im Heft nachgeliefert, ein toller Typ,
japanisch-amerikanischer Abstammung und in direkter Linie Nachkomme von
Nathaniel Savory, einem Seemann aus Boston, der die Inseln hier 1830 (wieder-)
entdeckt und besiedelt hat.
Euer
Heinz
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Der heutige Tag hatte ein Highlight: Nachdem ich einige Fotos im Ort
geschossen und einige Interviews geführt hatte, bin ich hinüber ans Hafenbecken
um etwas auf der Mole zu sitzen und mir ein Sandwich in den Rachen zu schieben.
Nach einigen Minuten meinte ich meinen Augen nicht zu trauen, eine riesige, fast
einen Meter lange Schildkröte kam seelenruhig durchs Hafenbecken gepaddelt. Als
sie mich sah, kam sie näher. Wenn ich es nicht anders wüsste, hätte man meinen
können, sie bettelt nach Futter wie ein Hund. Ich hatte eine etwas ungünstige
Optik auf der Kamera, nämlich das Makroobjektiv, aber ich konnte damit einige
schöne Portraits machen. Überhaupt ist hier direkt im Hafenbecken einiges los. Es gibt einen
dichten Wald aus Hornkorallen, ein Wrack auf 35 Meter und das wird von zwei
großen Sandtigern bewohnt. Zum Abschluss meines Aufenthaltes auf den
Ogasawara-Inseln werde ich die morgen nochmal besuchen. Ah, eines noch: Hinter meiner Pension steht ein Papayabaum, dessen
Früchte gerade reif werden. Irgendein Witzknochen hat die Strünke der reifenden
noch grünen Früchte rot getüpfelt. Was Ihr Euch darunter vorstellt, ist grundsätzlich
eure Sache... Einen schönen Sonntag mitten aus dem Pazifik wünscht der
Heinz
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Heute
hat es den ganzen Tag gestürmt und geregnet. Windstärke so um die zehn, kein
Schiff ist ausgelaufen. Ich hab im Hotel ein Buch verschlungen und die Zeit mit
Interviews durchgebracht. Gegen Abend hat es aufgeklärt, ich nichts wie hoch
zur Ogasawara Wetterstation mit Aussichtsplattform um den Sonnenuntergang zu
erwischen. Die Aussichten für morgen: nicht so berauschend, Tauchgang fällt
wohl ins Wasser.
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Ihr fragt Euch vielleicht schon, warum kein Tauchbericht mehr kommt,
das liegt schlicht an einer Tatsache: Die Menschen leben hier im Rhythmus der
Fähre. Diese kommt morgen um 12.00 rum wieder hier an und bringt neue (Tauch-)
Touris mit. Dann fahren auch die Tauchboote wieder hinaus. Ab übermorgen gibt
es also wieder Tauchen, solange sitze ich auf dem Trockenen. Ist aber nicht schlimm,
denn es gibt hier jede Menge Natur zu erleben. Heute war ich auf dem höchsten
Berg der Insel, 319 Meter. Ein Klacks für die Bergziege, die ich mittlerweile
(wieder) bin. Schließlich bin ich im Schwarzwald geboren und aufgewachsen...
Tolle Ausblicke und
viel Natur, Vögel, Pflanzen und eine hier endemisch lebende Schnecke hab ich
gesehen und viele Relikte aus dem japanisch-amerikanischen Pazifikkrieg. Übrigens: Der Georg Busch, also der Vater vom Georg ‚Dabbelyuh’, also
der, der den ersten Golfkrieg 1991 vom Zaun brach, dessen Flugzeug wurde im 2.
Krieg hier abgeschossen. Seine beiden Kameraden kamen um, er konnte sich mit
dem Fallschirm retten. Er war letzten Monat hier auf der Insel. Welch
fragwürdige Gesellschaft hätte ich da fast gehabt. Also dann bis morgen.
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 Wenn ich Euch heute mit einem dreimal kräftigen Meck-Meck-Meck begrüße,
dann liegt das daran, weil ich mir hier so langsam vorkomme wie eine Bergziege.
Außer im Ort Chichijima sind alle Straßen und alle Wege bergig bis sausteil.
Heute habe ich auf Sightseeing gemacht und von der netten Dame im Tourismusbüro
wurde mir ein Ausflug zur Kominato Beach empfohlen. Etwas Relaxen nach den
Tauchabenteuern kann ja nicht schaden, also mein Badezeugs gepackt und ab mit
dem öffentlichen Bus.  Zur Bucht, die wirklich sehr malerisch ist, kam ich von
der entsprechenden Haltestelle aus wirklich sehr leicht. 100 Meter durch den
Dschungel (kein Spaß, ist wirklich 100 Meter Dschungelfeeling pur) und schon öffnet
sich eine malerische Bucht mit Sandstrand. Natürlich, ich bin kein Strandmensch, nach etwa einer halben Stunde war
mir schon langweilig trotz des Buches, das ich dabei hatte. Also zunächst hoch
auf einen Pass mit toller Aussicht über den Südteil der Insel. Nur 1800 Meter
zeigte der Wegweiser, knappe zwei Kilometer allerdings, die es in sich hatten:
Ein fast senkrechter Pfad, auch noch in schlechtem Zustand, führte mich in die
Höhe. Ziegen sah ich tatsächlich, die  wurden von den ersten Einwanderern
eingeführt und bringen seither zunehmend die Inselökologie in Schieflage,
weshalb sie jetzt rigoros bejagt werden. Allerdings: Auf dem Speiseplan der wirklich
guten Restaurants hab ich noch keine Ziege gesehen, die kochen hier streng
Japanisch. Am Vormittag war ich noch im Tempel des Ortes, auch der, Ihr werdet es
erraten, liegt hoch oben über der Bucht. Vom Fuße des Berges bis hinauf zum
Tempel sind es exakt 228 Stufen.
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Wenn wir mal wissen wollen, wie gut es uns geht mit unseren vielen
Ferien, dann müssen wir nach Japan. Heute ist die Fähre wieder abgefahren, mit
der ich vor zweieinhalb Tagen ankam. Die fünf Tokioter, mit denen ich dieser Tage
getaucht bin, sind gerade wieder mit nach Tokio zurück. Allerdings: Die Fähre
fuhr um 14.00 Uhr Ortszeit und um 13.00 Uhr waren die noch bei uns auf dem
Tauchschiff. Das hat dann genau neben dem Fährschiff festgemacht und die fünf
sind direkt drauf. Die Koffer mit den Überwassersachen hatten sie gleich mit
auf dem Tauchboot. Klar, dass man bei 5 Tagen Jahresurlaub die Ferienangebote
bis zuletzt ausreizt.
Ansonsten gab es heute einen tollen Höhlentauchgang, Wale direkt am
Tauchboot und heute Nachmittag einen Wracktauchgang. Ein japanisches
Frachtschiff aus dem Krieg, in dem dummerweise ein eigener Torpedo explodierte
und ein riesen Loch riss. Das Wrack ist dementsprechend beieinander, von einer
geschlossenen Schiffshülle kann keine Rede mehr sein.
Mal noch ein paar Worte zum Wetter: Es ist schön warm und trocken aber
seit meiner Ankunft hängt eine wirklich trostlos dicke Wolkendecke über den
Eilanden. Keinerlei Farben im Bild, Mist. Aber ab morgen soll es besser werden,
mal sehen.
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