Unterwasser Video Schule 2
Unterwassergehäuse
für Camcorder

Von Horst Ackermann

In dieser Ausgabe erhalten Sie Entscheidungshilfen für den Kauf eines Gehäuses für Ihren Camcorder. Gehen Sie dabei keine Kompromisse ein. Ihre Kamera ist wertvoll, wenn das Gehäuse leckt, ist sie futsch.

Heute gibt es für nahezu jeden Camcorder und nahezu jedes Modell ein geeignetes Unterwassergehäuse. Bei der Auswahl gilt vor allen anderen Dingen als wichtigstes Kriterium: Was will ich zukünftig mit meiner geplanten Neuanschaffung machen? Denn es ist ein großer Unterschied, ob ich nur mal gelegentlich als Schnorchler der Kiesgrube einen Unterwasserbesuch abstatte oder ob ich zu einer Nordmeer- oder Pazifikexpedition aufbreche. Für den gelegentlichen Schnorcheleinsatz im Baggersee reicht eine Umhüllung der Kamera aus flexiblem Kunststoff, beispielsweise ein Ewa-Marine-Beutel. Für die Expedition darf es gerne ein seewasserbeständiges Gehäuse aus Kunststoff oder Aluminium sein.

Durchführungen minimieren

Ein nicht unwesentlicher Punkt ist, wie der Hersteller des Gehäuses die Bedienung der einzelnen Funktionen am Camcorder gelöst hat. Gegen eine ausschließlich mechanische Bedienung ist im Prinzip nichts einzuwenden, nur könnte hier ein Sandkorn oder Salzkristall zwischen dem O-Ring als Dichtung und der durchs Gehäuse geführten Bedienachse aus Edelstahl eine mittlere Katastrophe herbei führen. Eine Leckage wäre vorprogrammiert und Wasser im In-nern eines Gehäuses führt in der Regel zum Totalverlust des Camcorders.
Deshalb ist bei rein mechanischen Lösungen darauf zu achten, dass nur unbedingt notwendige Durchführungen vorhanden sind. In mehr als 80 Prozent aller Fälle würde für eine befriedigende Filmarbeit unter Wasser eine Bedienung von Hauptschalter und Auslöser als Ein-/Ausfunktion ausreichen. Als Zusatz evtl. noch eine Bedienmöglichkeit der Zoomtaste – und Schluss. Das wären dann drei Durchführungen.
Anspruchsvolleren Wünschen wird das aber nicht genügen und da kommt dann die Lösung mit Hilfe der Elektronik ins Spiel. Da hat sich ein kluger Elektroniker aus dem Kreis der Sporttaucher lange den Kopf zerbrochen und ist auf eine geniale Idee gestoßen. Warum, so fragte sich Helmut Görlitz von der Firma HGVT, kann man nicht die Fernbedienungsbuchsen an einigen Camcordern benutzen, um mit nur einer Durchführung für ein dünnes Elektrokabel viele Funktionen zu erhalten. Die Elektronikplatinen von HGVT sind in den letzten Jahren in sehr vielen Unterwassergehäusen integriert worden und haben sich hervorragend bewährt.

Bedienfreundlichkeit

Zwei stabile Handgriffe an den Seiten des Unterwassergehäuses sind sehr zu empfehlen. Achten Sie auch darauf, dass Sie die wichtigsten Bedienknöpfe oder Hebel leicht mit Ihren Fingern samt dicker Handschuhe erreichen, dies gilt besonders für Auslöser und evtl. Zoomfunktion.
Anwender, die schon im Vorfeld wissen, dass sich ihr Hauptaufnahmegebiet auf Wracks oder sonstige weitwinkelverdäch-tige Objekte bezieht, sollten darauf achten, dass der vordere Port, der in der Regel serienmäßig eine flache Scheibe für das Objektiv aufweist, auswechselbar ist. Denn die Hersteller bieten für einige Modelle Domscheiben an. Diese sind speziell für den Einsatz von Weitwinkelvorsätzen gedacht. Mit der serienmäßig planen Frontscheibe wären die optischen Funktionen eines Weitwinkelobjektivs nicht aufrecht zu erhalten. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt bei der Auswahl eines geeigneten Kameragehäuses ist die Suchereinrichtung. Bei unseren heutigen digitalen Camcordern haben wir im Prinzip zwei Suchersysteme und wir sollten auch nur einen solchen Camcorder gewählt haben. Da haben wir einen Einblicksucher, der mir direkt dicht vor dem Auge ein Bild meines Motivs und noch einige Funktionsangaben wie z.B. Band-Restanzeige, Aufnahmemodus, Stellung des Zooms oder Start/Stopp Kontrolle anzeigt.

Durchblick stimmt

Nun sind ja diese Sucher nicht dafür vorgesehen, sie mit einigem Abstand zum Auge der sich aus der Verwendung von Gehäuse und Tauchermaske ergibt, einzublicken.
Wir sehen nicht mehr das gesamte Sucherbild, sondern lediglich einen runden Ausschnitt. Als einfachste Lösung des Problems schafft eine Linse, dort angebracht, wo der Suchereinblick des Camcorders sitzt, Abhilfe. Diese Linse verkleinert optisch das Sucherbild geringfügig – und schon habe ich, trotz des größeren Augenabstandes wegen Maske, ein komplettes Sucherbild.
In der Premiumklasse gibt es eine an-spruchsvollere und nach Expertenmeinung auch bessere Möglichkeit: Das Einblickokular des Camcorders wird entfernt, wie z.B. an den Modellen von Sony FX1/Z1, denn das Gehäuse, z.B. ein Amphibico Phenom, verfügt über ein eigenes SucherLinsensystem. Bei dieser Lösung sehe ich unter Wasser das gesamte Sucherbild mit einer zusätzlichen Vergrößerung.
Dann haben wir ja noch unsere LCD-Schirme am Camcorder, die sich nicht nur als Monitor, also zum Betrachten von bereits abgedrehten Aufnahmen, sondern auch recht gut als Sucher verwenden lassen. Klappe ich den Schirm um 90 Grad aus und habe bei einem entsprechenden Gehäuse hinten einen geeigneten Einblick, dann ist dies ebenfalls eine feine Sache.
Es gibt aber noch eine weitere Sucher-Möglichkeit bei Unterwassergehäusen. Die Videoindustrie wirft in immer kürzeren Zeitabständen neue Camcorder-Modelle auf den Markt, sodass die Fertigung von entsprechenden Gehäusemodellen gar nicht so schnell Schritt halten kann. Warum nicht ein Gehäuse für den Anwender bringen, das in seiner Konzeption für eine Vielzahl von Camcorder-Modellen passt? Das Gehäuse erhält vorne für das Objektiv eine große Scheibe, eine elektronische Bedieneinheit und hinten einen separaten LCD-Schirm als Sucher. Eine Grundplatte im Inneren des Gehäuses mit einer Vielzahl von Bohrungen für die Befestigung unterschiedlichster Camcorder-Modelle mit einer Stativschraube – und das war’s schon. Wenn man nun eines Tages sein Camcorder-Modell wechselt, passt ein anderes Modell mit Sicherheit in das vorhandene Gehäuse.
Es ist bei der Gehäusewahl wichtig darauf zu achten, dass ein entsprechender Vorsatz (Weitwinkel oder Nahlinse) am Camcorder noch mit in das Gehäuse passt. Sealux hat eine sehr gute Lösung in seinem Programm. Es gibt da Gehäusetypen, welche es ermöglichen, wahlweise unter Wasser, je nach Bedarf, eine Nahlinse oder auch einen Weitwinkelvorsatz vor das Objektivfenster zu setzen. Einige Gehäuse haben auch die Möglichkeit, mit Hilfe eines Hebels im Inneren einen Orangefilter vor das Objektiv des Camcorders zu schwenken.
Auch das Extra einer Leckwarnung ist sinnvoll aber nicht zwingend notwendig. Diese kann akustisch, optisch oder beides sein. Gespeist wird sie über eine kleine Batterie im Innern des Gehäuses. Der extrem feuchteempfindliche Sensor schlägt schon Alarm, wenn man ihn mit einem feuchten Finger berührt. Irgendwie beruhigend.