Wrack von „HMS P311“ gefunden

p311-1von H.K. „HMS P311“ war ein britisches U-Boot, das 1943 in geheimer Mission im Mittelmeer unterwegs war. Als es zur vorgesehenen Zeit nicht zurück auf seine Heimatbasis in Malta kehrte, wurde es als vermisst gelistet. Das Boot und seine 71 Besatzungsmitglieder wurden bis gestern nicht gefunden. Doch am Sonntag, 29. Mai 2016, 73 Jahre nach dem Verschwinden des U-Boots, entdeckte ein italienischer Taucher das Wrack auf dem Meeresgrund nordöstlich vor Sardinien. Die sterblichen Überreste der Besatzung sind ebenfalls noch vollständig an Bord.

Das U-Boot war damals unterwegs auf seinem ersten Kampfeinsatz. Es hatte zwei bemannte Torpedos an Bord, die von Froschmännern gesteuert werden sollten. Deren Aufgabe war es, sich mittels der Torpedos an italienische Schiffe im Hafen von La Maddalena heran zu pirschen, um dort Haftladungen anzubringen. Diese Aktion war Teil der „Operation Principle“. Vermutlich streifte „P311“ am 2. Januar 1943 dabei eine italienische Treibmine. Boot samt Besatzung sanken in der Nähe des Inselchens Tavolara, der Stadt Olbia vorgelagert. Dort entdeckte Domenico Bondone, ein begeisterter Sporttaucher aus Genua, am Sonntag zunächst den intakten Rumpf samt der auf Deck montierten Kanone. Das Wrack liegt in 80 Metern Tiefe.

Bondone berichtete, dass der Rumpf unbeschädigt sei, nur der Bug sei eingedrückt. Das legt die Vermutung nahe, dass die Mannschaft, darunter acht Torpedobedienkräfte und zwei Mechaniker, erstickt sind. Der Tageszeitung Nuova Sardegna sagte Bondone: „Als ich das Wrack entdeckte, dachte ich zuerst an das Schicksal der Mannschaft. Ein Schicksal, das viele Soldaten, unter welcher Flagge sie auch dienten, vereint.“

„Jedes Wrack verdient unseren uneingeschränkten Respekt. Wracks von Kriegsschiffen aber in besonderem Maße“, sagt ein Sprecher der Commonwealth War Graves Commission CWGC). „Gerade auf U-Booten war der Dienst besonders hart. Es gab keinen privaten Platz, es herrschten teilweise unmenschliche Bedingungen und zu dem allem kam noch die ständige Angst, von einer feindlichen Wasserbombe getroffen zu werden.“ Deshalb sind die Namen der Männer von „P311“ auch im Naval War Memorial in Portsmouth aufgelistet und gewürdigt. „Wracks von Kriegsschiffen sind Gräber mit menschlichen Überresten. Wer ein solches Wrack besucht, für den gilt die Maxime: Ansehen ja, berühren nein!“, sagt der CWGC-Sprecher.

Obermaat Andrew Adams war Funker auf „P311“. Sein Neffe Ron Gould (64) meint: „In unserer Familie wurde nie wirklich über den im Krieg vermissten Onkel gesprochen. Ich fragte meine Mutter, doch was sollte sie mir antworten? Ich finde es gut, dass jetzt endlich ein Schlussstrich gezogen werden kann, das Rätsel um den Onkel gelöst ist.“ Arthur Stephen Kingston Lee fuhr als Bootsmann auf dem U-Boot. Sein Enkel Chris Lee: „Es ist aufregend für mich. Vor drei oder vier Jahren sind wir hinunter nach Portsmouth gefahren und haben auf dem Memorial nach dem Namen meines Großvaters gesucht – und ihn tatsächlich gefunden. Das war sehr bewegend.“

„P311“ war das einzige U-Boot der Royal Navy T-Klasse, das keinen richtigen Namen bekommen hat. Vorgesehen war die Taufe auf den Namen „Tutankhamen“, doch zu einer richtigen Taufe kam es nie. Schiffswracks bleiben stets Eigentum des Staates, unter deren Flagge das Schiff einst fuhr. Das britische U-Boot samt seiner gefallenen Besatzung wird auf dem Grund des Mittelmeers verbleiben und zum Kriegsgrab erklärt werden. Wenn es endgültig identifiziert ist, werden Taucher den White Ensign, die britische Seekriegsflagge, zu Ehren der Besatzung am Wrack aufziehen.

Am 12. März 1943 veröffentlichte „The Times“ eine Kurzmitteilung folgenden Inhalts: „Die britische Admiralität bedauert bekannt geben zu müssen, dass HM Submarine „P311“ unter Commander Richard Douglas Cayley, DSO, RN) vermisst wird und wahrscheinlich untergegangen ist. Die Angehörigen der Besatzung wurden bereits informiert.“ Heute kann das Kapitel P311 im großen Buch des Krieges endlich fertig geschrieben werden.

(Text- und Bildquelle: The Times, London)