Ungelöste Rätsel: Die Geisterschiffe von Japan

geister-3Jedes Jahr gegen Jahresende kommt es vor der nordwestlichen Küste Japans zu einem grausigen Phänomen: Das Meer spült Geisterschiffe in die japanischen Hoheitsgewässer. Im aktuellen Jahr 2015 wurde der schaurige Totentanz am 27. Oktober eröffnet, als Strandwanderer ein angespültes Boot einfacher Bauart nördlich der Stadt Hirosaki entdeckten, an Bord vier Leichen. Bald darauf, am 6. November, kam es wenige Seemeilen weiter nördlich zu einem weiteren Fund. Dann ging es Schlag auf Schlag. Der 20. November (vor Wajima), der 22. November (südlich Sakai), der 6. Dezember (bei Itoigawa) – diese Daten markieren alle den Fund eines Geisterschiffes. Der vorerst letzte wurde am 9. Dezember bei Tsuruga gemacht. Einige der Schiffe sind von der Mannschaft verlassen, also leer. Auf den meisten jedoch befindet sich eine Anzahl von Toten.

geisterschiff-1Der Zustand der Leichen ist erschreckend und geht selbst den hartgesottenen Mitarbeitern der Küstenwache an die Nieren. Die Toten müssen Monate, wenn nicht gar Jahre, auf See treiben. Denn ihre Körper sind ganz oder teilweise skelettiert, mumifiziert oder zu Brei verfault.

Zuerst hielten die japanischen Behörden diese seltsamen Funde geheim, das ließ sich jedoch nicht lange durchhalten, weil auch Fischer die Geisterschiffe fanden oder Passagierdampfer auf sie stießen. Erstmalig kam es im Jahr 2011 zu den Funden.

Die Kennungen der Schiffe ließen bald den zulässigen Schluss zu, dass es sich um nordkoreanische Fischerboote handelte. Dafür sprach auch die Tatsache, dass die Boote von einfachster aber robuster Bauart sind. Dass das Phänomen zuerst im Jahre 2011 auftrat, erklären die Experten mit den in den Jahren davor aufgetretenen Dürreperioden in Ostasien, – damit auch in Nordkorea – die einen Großteil der Weizenernte vernichtete. Das könnte dazu geführt haben, dass der einhergehende Mangel durch vermehrten Fischfang ausgeglichen werden sollte, was überdurchschnittlich viele Fischer mit unzulänglichen Schiffen hinaus aufs offene Meer getrieben haben dürfte. Die seemännisch wenig erfahrenen (Küsten-)Fischer haben dann ganz einfach die Orientierung verloren, der Motor gab seinen Geist auf oder der Treibstoff ging zur Neige. Hilflos trieben die Fischer dann auf dem japanischen Meer umher.

geisterschiff-2Wie viele Leichen bisher gefunden wurden, verschweigen die Behörden. Aber die Anzahl der bislang gefundenen Schiffe ist bekannt. 2011 waren es 57 Boote. 2012 strandeten 47. 2013 war mit 80 in japanischen Gewässern aufgegriffenen Booten das schrecklichste Jahr. 2014 sank die Zahl um 15 auf 65. In diesem Jahr sind es bislang 35 Boote, die den Heimweg nach Nordkorea nicht geschafft haben. Und erstmalig kommt auch die Anzahl der Toten an die Öffentlichkeit – 26 seien es in diesem Jahr gewesen.

Die Bilanz des Grauens wird aber noch durch eine andere Tatsache verstärkt, für die bislang niemand eine Erklärung gefunden hat. Teilweise sind die Leichen verstümmelt. Einigen fehlt der Kopf, anderen ein Arm oder ein Bein. Und gar die Genitalien einiger Leichen haben gefehlt. Es dürfte klar sein, dass es in einer Notsituation wie dem Verlust der Orientierung und fehlenden Lebensmitteln zu Kannibalismus kommen kann. Doch damit allein ist nicht zu erklären, warum beispielsweise bei einer zweiköpfigen Besatzung beiden Toten der Kopf fehlt. Oder warum bei einer elf Mann starken Mannschaft von allen Elfen nur noch der skelettierte Kopf auf dem Schiff war.