Jake Seaplane Wrack
s60_uwc5b3~1Ein Rätsel der Luftfahrt
Von Harald Slauschek

Irgendwann im Zweiten Weltkrieg sank vor der mikronesischen
Insel Palau ein namenloses Wasserflugzeug der Japaner der Modellreihe Aichi E13A1 ohne Feindeinwirkung. Was war geschehen? Wieviele Menschen waren an Bord? Konnten sie überleben? Über all das kann nur spekuliert werden, dies jedoch mit einer hohen Trefferquote.

Eine Spurensuche

Vor und während des Zweiten Weltkrieges hatten die japanischen Streitkräfte ein paar Stützpunkte in Palau. Die mikronesische Insel war der zweitwichtigste japanische Marinestützpunkt nach Truk Lagoon und einer der wichtigsten Luftwaffenstützpunkte der Japaner im Pazifik. Von Palau aus attackierten die Japaner benachbarte Inseln und Inselgruppen und kontrollierten die Wasserwege im westlichen Pazifik. In Koror, der Hauptstadt von Palau, waren gleich zwei japanische Wasserflugzeugbasen angesiedelt. Von einer davon dürfte die Aichi E13A1 mit ihrer wahrscheinlich dreiköpfigen Crew zum letzten Flug gestartet sein. Während des Fluges blieb auf Grund eines technischen Defektes oder durch Treibstoffmangel der Motor stehen. Das ist heute anhand des Zustandes des Propellers eindeutig belegbar. Die drei Rotorblätter präsentieren sich dem Taucher nahezu makellos, sind völlig intakt. Selbst bei einer nur sehr niedrigen Drehzahl des Motors und damit des Propellers, hätte es die Blätter bei der Wasserung verbogen.

Grosses Fliegerisches Können

Der Pilot zeigte während der Notwasserung starke Nerven und fliegerisches Können. Denn er versuchte aus Sicherheitsgründen, um sich und seine Crew (?) zu schützen, die Flugzeugnase aufzurichten und mit dem Heck auf dem Wasser zuerst aufzukommen. So würde das Flugzeug vor dem endgültigen Aufschlag zuerst noch einmal stark abgebremst werden – was die Überlebenschance der Besatzung steigern würde. Es gelang ihm. Aber durch die Wucht des Aufsetzens brach das Heck mit den Steuerelementen komplett ab, ebenso wie einer der beiden Schwimmkörper (der liegt heute rund sechs Meter vom Wrack entfernt). Da der zweite Schwimmkörper noch intakt und an seinem Platz blieb, sank das Flugzeug sehr langsam. Da sich keine Bomben und keine Munition an Bord befanden, kann es sich beim letzten Flug des Aichi E13A1-Flugzeuges um einen Testflug oder einen kurzen Erkundungsflug rund um die Insel gehandelt haben. Was die Frage nach der Besatzung aufwirft. Wie viele Menschen an Bord waren, ist unbekannt und es kann darüber nur spekuliert werden. Eine Möglichkeit wäre, dass, handelte es sich um einen Testflug, alle Mann an Bord waren. Nur so hätten die Flugingenieure zuverlässige Daten über das Flugverhalten nach einer umfangreichen Reparatur oder gar nach einem Umbau, einer Modifikation, bekommen können.
Dann aber müsste das Flugzeug auch voll betankt und aufmunitioniert gewesen sein. Die andere Möglichkeit wäre, dass ein hoher Mechaniker bzw. Ingenieur mit Flugerlaubnis nach einer geringfügigen Reparatur einen kurzen Probeflug unternommen hat – und dabei abschmierte. Weil eben doch ungenügend gearbeitet worden war oder der Sprit ausging. Wie auch immer, es gibt keine Quellen darüber. Sicher ist, dass sich weder unmittelbar am noch im weiteren Umfeld um das Wrack Leichen oder Leichenteile befinden. Die Hoffnung, dass der Pilot oder die Besatzung überleben konnten, ist somit berechtigt.

Tauchtiefe fünfzehn Meter

Aus taucherischer Sicht liegt das Wrack glücklicherweise in nur 15 Meter Tiefe auf einem Korallenriff. Wäre es nur ein kleines Stück weiter ab ins Meer gestürzt, schon wäre der leichte Spaß geringer gewesen. Dort beträgt die Tiefe der Lagune bereits 40 Meter und damit hätten viele, weniger gut ausgebildete Sporttaucher, auf diesen äußerst interessanten Tauchgang verzichten müssen. Das Wrack ist von roten, teilweise schier leuchtenden, Schwämmen und Korallen bevölkert und natürlich haben viele Lebewesen unter Wasser im Wrack und rundherum ein gemütliches Zuhause ge-funden. Wie es sich für eine romantischkitschige Wrackkulisse gehört, sind selbstverständlich auch Glasfische illustre Mitbewohner. Die Sicht unter Wasser ist üblicherweise ausgezeichnet und dadurch, dass die Korallen in der Umgebung des Wracks viele Lebewesen beherbergen und einen wirklich attraktiven Lebensraum für die Fischwelt bieten, ist der ganze Tauchplatz ein Paradies für Unterwasserfotografen. Im Weitwinkel- wie auch im Nah- und Makrobereich.

Im Spiegel der Geschichte

Ein Name oder eine Modellbezeichnung wie Aichi E13A1 war sowohl für den Funkverkehr wie auch für amerikanische Zungen eine völlig unpraktikable Bezeichnung. Kurzerhand legten die japanischen Kriegsgegner deshalb Codenamen für bestimmte Fahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge fest. Aus dem Mitsubishi G4M wurde der Betty Bomber. Aus dem Flugboot Kawanishi H8K2 wurde schlicht Emily. Und aus Aichi E13A1 das Jake Seaplane. Jenes wurde als Langstrecken-Wasseraufklärungsflugzeug konstruiert und eingesetzt. Es verließen ab dem Jahre 1940 insgesamt rund 1400 Flugzeuge dieser Bauart die japanischen Werkshallen, um im pazifischen Raum ihren Dienst zu verrichten. Dieser Flugzeugtyp war das Erstaufklärungsflugzeug für die Planung der Angriffe auf Lahaina und Pearl Harbor am 7. Dezember 1941. Sehr viele versunkene Wracks des Jake Seaplane können in Lagunen gefunden werden, wo das Land keine Möglichkeit geboten hat, ein Flugfeld zu bauen. Flugzeuge dieses Typs wurden jedoch auch auf Kreuzern und anderen Schlachtschiffen eingesetzt.