Hinter den Kulissen
Von Heinz Käsinger
 
8planungWas vor dem Tresen einer Tauchschule wie eine gut geölte Maschinerie wirkt, erfordert hinter den Kulissen viel Arbeit und vor allem Organisationstalent. ATLANTIS hat hinter die Kulissen der Sinai Divers in Sharm el Sheikh geschaut.

 


Jeden Tag pünktlich um 7.00 Uhr startet Ahmed den basiseigenen Kleinbus. Seine Aufgabe ist es, die Tauchgäste der im „Ghazala Hotel“ ansässigen Sinaidivers-Basis abzuholen, die nicht im „Ghazala“ wohnen. Und das kann dauern. Denn die Gäste logieren teilweise in bis zu 25 Kilometer weit entfernten Hotels.
Während Ahmed seine Tour fährt, beginnt die Belegschaft der Basis mit den morgendlichen Routinen. Attef putzt gründlich durch, Youssef und Emad stellen die für die Nacht verstauten Ständer mit den Anzügen auf, Sandra erledigt Papierkram. Im Hintergrund grummelt der Kompressor, die Crew ist abends nicht ganz mit dem Füllen der zahlreichen Flaschen fertig geworden, den Rest erledigt man deshalb jetzt am Morgen.
1checkinAb 8.00 Uhr kommen dann die ersten Taucher eingetrudelt. Obwohl die Belegschaft alles andere als Zeit dafür hat, wird sie natürlich von den Gästen in Plaudereien verwickelt. Aber auch das Schwätzchen ist Service am Kunden und muss sein. Und allerhand kleine Probleme werden jetzt auch gelöst: Robert aus Zürich drückt seine Flosse, er kriegt ein Paar eine Nummer größer. Kati aus Bonn hat einen defekten Lungenautomaten, der zieht irgendwo Wasser. Der freundliche Sammi gibt ihr einen Automaten von der Basis und verspricht, dass sich ein Techniker um den Defekt kümmern wird. Parallel dazu verladen andere Arbeitskräfte die Ausrüstungen auf die Lastwagen.
Dann kommt Ahmed von seiner Tour und setzt fünf weitere Taucher an der Basis ab. Elsa und Sammi kontrollieren die Gästeliste – alles klar, man kann starten. In Sharm el Sheikh gibt es nur drei Stellen von denen aus die Tauchboote starten dürfen: Shark Bay, Naama Bay und der Travco Jetty. Die in der Nähe wohnenden Tauchgäste gehen morgens meistens direkt zu Fuß zum entsprechenden Abfahrtsort.
3verladenDort gibt es für die Belegschaft wieder Stress: Die Ausrüstung der Taucher wird aufs Schiff gebracht und dort sicher verstaut, ebenso die Tanks. Tauchlehrer Hany begrüßt die Gäste auf dem Schiff. Alles klar? Ja, die Leinen können los! Und dann rauscht das Boot dem heutigen Tauchplatz entgegen.
Da dieser recht nahe liegt, beginnt der Guide schon auf der Fahrt dorthin mit einem Tauchplatzbriefing.6briefing kann Wie sieht die Landschaft unter Wasser aus? Welche Tiefen werden die Taucher aufsuchen? Welche Lebewesen sehen? Und vor allem gibt es eine kleine Einweisung in die Strömungsverhältnisse. Dann bauen Gäste und Guides ihre Ausrüstung zusammen. Als das Schiff am Tauchplatz ankommt, ist schon fast jeder fertig zum Einstieg.
Zuhause an der Basis läuft parallel dazu der Basisbetrieb weiter. Im Schulungsraum ist gerade Theorie und Thomas erläutert vor acht staunenden Schülern anschaulich die Auswirkungen des Wasserdrucks auf das menschliche Trommelfell. 4theorieLangsam trudeln die Spätaufsteher ein, die heute „nur“ einen Hausrifftauchgang machen wollen. Für jene haben die Boys schon die Flaschen gefüllt und bereitgestellt. Gyorgy gibt den Tauchern eine kurze Einweisung in den Tauchplatz Naama Bay. William kümmert sich zwischenzeitlich im Technikraum um den defekten Lungenautomaten von Kati und Birgit plant die kommenden Tage an der großen Anzeigentafel.
Zwischenzeitlich ist es später Nachmittag geworden und die Gäste vom Schiff sind zurück. Alles läuft jetzt andersrum: abladen, Anzüge spülen, die leeren Tanks an die Kompressoranlage hängen. So langsam macht sich Feierabendstimmung breit, wenngleich ein Tauchlehrer nie wirklich Feierabend hat. Denn jetzt, beim Dekobier, erzählen die Gäste von ihren Erlebnissen des Tages. Von der Riesenmuräne am Yolanda-Riff, von der Schildkröte direkt in der Bucht. Tauchlehrer, ein lässiger Aussteigerjob? Da muss Rolf Schmidt, Chef der Sianai Divers, lachen: „Tauchlehrer und –basismanager sind heute hoch spezialisierte Berufsbilder. Aussteigertypen mit entsprechender Mentalität haben hier wirklich nichts zu suchen