Meeresbiologie

In El Quseir fing alles an

Von Heinz Käsinger

klunzinger Wer den Beginn der biologischen Forschungen im Meer an Hans Hass festmacht, liegt rund ein Jahrhundert zu spät. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts erforschte der Schwabe Carl Benjamin Klunzinger die Korallenriffe des Roten Meeres. 

Klunzinger, am 18. November 1834 in Güglingen bei Stuttgart geboren, studierte Humanmedizin. Seine heimliche Liebe jedoch gehörte den Naturwissenschaften und innerhalb derer hatte es ihm Biologie besonders angetan. Doch um Geld zu verdienen, arbeitete Klunzinger zunächst als Militärarzt, später besetzte er die Stelle des Badearztes in Bad Liebenzell. Eine für ihn so langweilige Tätigkeit, dass er sich nebenbei in Zoologie und Meeresbiologie weiter bildete. Studien betrieb er dazu in Frankfurt, München, Wien und Triest. Dann kündigte er seine Stellung und beschloss, in Ägypten als Arzt zu praktizieren – das europäische Bildungsbürgertum war damals einer wahren Ägyptomanie verfallen. In Kairo lernt Klunzinger in nur einem Jahr Arabisch und der Großwesir trägt ihm die Stellung eines Sanitätsarztes in El Quseir an. Klunzinger sagt zu und wirkt im damals noch arg verschlafenen Hafenstädtchen sechs Jahre lang (1863 bis 1869). Endlich hatte er Zeit, die Meeresfauna, allem voran das Leben im Korallenriff, zu erforschen. koralengarten1869 kehrt er nach Stuttgart zurück und ordnet und katalogisiert seine gesammelten Stücke, nebenbei arbeitet und forscht er am Zoologischen Museum in Berlin.Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870-1871) kehrt er für weitere vier Jahre nach El Quseir zurück, stürzt sich jetzt voll und ganz auf die Erforschung der Korallen. 1875 kehrt er endgültig nach Stuttgart zurück, wird dort wissenschaftlicher Assistent am Naturalienkabinett und stellt in jener Zeit seine Fischmonographie und ein Werk über Korallen fertig. Dann wird er an der Universität auf den Lehrstuhl für Zoologie berufen, was ihm sehr viel Arbeit beschert. Seine meeresbiologischen Aufgaben treten in den Hintergrund.1900 trat Klunzinger in den Ruhestand. Er vollendet jetzt zwei Bände über Krebse und nimmt den zweiten Teil seiner Fischmonographie in Angriff, die jedoch nicht mehr fertig wird. Am 21. Juni 1914 erliegt er während einer Tagung des Vereins für vaterländische Naturkunde einem Herzschlag. Wer mehr aus der damaligen Zeit in Deutschland und Ägypten erfahren will sollte „Erinnerungen aus meinem Leben als Arzt und Naturforscher zu Koseir am Roten Meere“ lesen.