Baden: Tauchen im Schlaraffenland

ANSICHT2Baden wird die Toskana Deutschlands genannt – und das gilt in vielerlei Hinsicht. Das Klima ist fast ebenso mild, die Küche hervorragend, die Landschaft schroff bis lieblich und klasse Tauchgründe gibt es unerwarteterweise auch, so mitten im Binnenland.

Von Heinz Käsinger

Der Hecht, der sich in den Schutz ins Wasser hängender Zweige einer Trauerweide begeben hat, steht ganz still. Nur ab und zu fächelt er mit seinen Brustflossen, um geringe Turbulenzen des Wassers auszugleichen. Doch plötzlich ist er weg, pfeilschnell, nahezu unsichtbar für das menschliche Auge sind seine Bewegungen. Wie ein Kampfflugzeug seine eigene Schallwelle durchbrechen kann, so kann der Hecht seine eigene Bugwelle durchbrechen. Außer ihm gelingt dies nur noch ganz wenigen Fischarten in Süß- und Salzwasser.Die Szene spielt sich in einem Baggersee in der Oberrheinebene ab. Dort, wo diese Seen so zahlreich sind, dass viele von ihnen noch nicht einmal einen Namen haben. Manche sind so flach wie die Bettpfanne eines altmodischen Opas, andere erreichen 50, 60 ja 80 Meter Tiefe. Es gibt welche, deren Ufer sich sanft in eine Schräge neigen, und es gibt welche, deren Gestade fallen senkrecht ab. Im Auenheimer Baggersee (bei Kehl) liegen mächtige umgestürzte Eichen, im Wyhler Baggersee haben sich ausladende Riesenalgen ausgebreitet, man kommt sich dort fast vor wie in den Kelpwäldern vor Kalifornien, nur Garibaldifische fehlen.
 
Umweltschutz
Atlantis Hecht gut getarntVerboten wie der Flirt mit einer Haremsdame ist das Tauchen in den meisten Altarmen des Rheins. Welch ein Erlebnis dies sein könnte, zeigen Schnorchelausflüge in den wenigen Tümpeln, die die Behörden für Taucher offen gehalten haben. Kristallklare Kleinode mit reichem Bewuchs zeigen, wie der Rhein vor seiner Schiffbarmachung durch Johann Gottfried Tulla im 19. Jahrhundert ausgesehen hat. Nach einem erfrischenden Tauchgang im Rhein, einem Baggersee oder einem Weiher am Wegesrand ist ein Tauchurlaub noch lange nicht zu Ende. Jetzt kann man Ausflüge unternehmen, zum Beispiel in die malerischen Städte und Örtchen der Region. Freiburg ist wegen seiner Altstadt und seinem mächtigen Münster weit über die Grenzen Badens hinaus bekannt geworden – nicht zuletzt der SC hat durch seinen technisch brillanten Fußball in der ersten Liga dafür gesorgt. Überhaupt mischen sich in Baden Tradition und Moderne aufs beste. Hier die uralten Dörfer mit Fachwerk und Renaissance-Balkönchen vor denen die Geranien blühen, dort der Hersteller innovativer Solartechnik, der die Grundlagen für die Nutzung einer sauberen Energie liefert. Baden – das Ökoland, die Müsliregion. Nirgendwo in Deutschland ist der öffentliche Nahverkehr so gut ausgebaut, das Radwegenetz so dicht, der Protest gegen Fast- und Genfood so heftig. Dass hier aber alles andere als nur Müsli gegessen wird, dafür haben die Römer schon vor 2000 Jahren gesorgt. Sie haben den Weinbau hierher gebracht, südliche Lebensart, dolce vita. Ohne dabei Fleiß und Disziplin zu vernachlässigen. Gut, die nachrückenden Horden der Alemannen haben das alles wieder kaputt gemacht, aber man hat die alte römische Kultur im Laufe der Zeit wieder ausgegraben, früher als anderswo. Dazu passt das Klima. Es ist so mild, dass es in der Rheinebene Tiere und Pflanzen gibt, die sonst nur am Mittelmeer vorkommen. Die Smaragdeidechse beispielsweise, viele Vogel- und Fledermausarten oder der Tabak.
 
Bergsee
Atlantis AalRIMG4705Eine Fahrt über den Schwarzwald hinüber zum Bodensee bringt einen dramatischen Wechsel der Landschaft und des Klimas mit sich. Die Rheinebene ist flach, die Erhebungen des Tuniberg oder des Kaiserstuhls sanft geschwungene Hügel, wo Reben und Spargel gedeihen. Der Schwarzwald ist schroff, schon der Aufstieg von Freiburg aus führt durch eine Schlucht, denen die Altvorderen wegen ihrer gruseligen Atmosphäre den Namen Höllental gegeben haben. Mit dem Schluchsee in der Nähe des Feldbergs haben wir den höchstgelegenen Stausee Deutschlands erreicht. Taucher Achtung: Wer in mehr als 900 Meter Höhe taucht, der macht einen Bergseetauchgang und dessen Nullzeit ist verkürzt. Beim Schluchsee handelte es sich ursprünglich um einen kleinen See, gespeist von einem Flüsschen, an dem ein malerisches Dörflein lag. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die Bewohner des Ortes einige zehn Meter höher in ein neues Dorf umgesiedelt und das Tal gestaut. Entstanden ist ein respektabler See von fast acht Kilometer Länge. Am Schluchsee fühlt sich heute nicht nur der Taucher wohl. Man kann segeln und surfen, das nahe Feldberggebiet ist ein Garant für tolle Wanderungen oder spektakuläre Touren mit dem Mountainbike. Im Winter gibt es viel Schnee und Eistauchgänge sind auch möglich. Wer’s nicht so mit dem Sport hat, der findet hier ein modernes Angebot an Wellnessbehandlungen oder lässt es sich einfach nur in einem der zahlreichen Lokale gut gehen.
Vom Schluchsee aus sind es nur noch wenige Kilometer hinunter zum Bodensee. Hier locken finstere Abgründe den erfahrenen Taucher an vielen Stellen zu Tieftauchgängen. Tiefen von 80 Meter und mehr zu erreichen, ist hier kein Problem.
 
Seezeichen 22

Ein Problem aber bekam man 1977. Im Zuge des sich rasch entwickelnden Tauchsports pilgerten viele Taucher aus Nah und Fern an den Bodensee. Dort machte jeder, der sich dazu berufen fühlte, an einer Steilwand vor Wallhausen (am Seezeichen 22) seinen persönlichen Tieftuchgang, der nicht selten bis zum Grund führte – in 90 Meter Tiefe. Am 3. Juli kamen zwei Taucher um, am 5. Juli noch einmal – zwei Kameraden, die die Opfer suchen wollten. Der Mythos um den Teufelstisch war geboren. In der Folgezeit machten sich die Tatsachen selbständig und allerhand Taucherlatein entstand („Es gibt ein Geheimnis am Teufelstisch“, „geheimnisvolle Unterwasserhöhlen“, „Riesenwelse greifen die Taucher an“...). Der Autor dieser Zeilen war bei der Suche nach einem Verunglückten dabei und hat auch später viele Tauchgänge am Teufelstisch gemacht. Er weiß: Alles Quatsch! Hinz und Kunz machten hier ihre Tieftauchgänge, teilweise im Herbst mit Vier-Millimeter-Anzügen und ohne Kopfhaube, überbleit und ohne Rettungsweste (damals gab es noch keine Tarierjackets). Ach Ihr Lieben. Lasst das doch mit den Steilwänden. Es ist dunkel, es ist eisig, es ist bodenlos. Kein Fischschwanz zeigt sich. Es gibt aber viele noch heute verschwiegene Buchten mit toller Vegetation bis hinunter auf zehn Meter Tiefe, wo sich Karpfen und Rotfedern, Aale, Schleien, Zander, Trüschen und Felchen wohlfühlen und uns Taucher  glitzernd empfangen. Auch rund um den Bodensee, den sich die Badener, die Schwaben, die Österreicher und die Schweizer teilen (insofern ist die Bezeichnung "Schwäbisches Meer" geradezu eine Beleidigung), gibt es viel Kultur zu genießen. Ein Urlaub hier beschränkt sich also nicht auf das Tauchen. Natürlich kann man gut essen, Süßwasserfisch vor allem, immer frisch gefangen. Mit Konstanz und Radolfzell, Überlingen und Meersburg sind uralte Städte entstanden, die es zu entdecken gilt. Spektakulär ist ein Ausflug nach Schaffhausen, wo der Rhein zig Meter tief über Klippen stürzt oder nach Zürich, die schnuckelige Weltstadt des Geldes. In Bregenz finden auf der Seebühne im Sommer die berühmten Festspiele statt, vor dem Zuschauer der See, dahinter die mächtigen Gipfel des Vorarlberg. Dieses Jahr gab’s „Tosca“, Giacomo Puccinis Oper um Liebe und Machtgier, 164000 haben es gesehen. Dass der Bodensee auch ein Paradies für Segler ist, wenngleich auch kein leichtes, bedürfte keiner Erwähnung. Wenn es nicht das letzte Bild wäre, das der Reisende in aller Regel in seinem Gedächtnis mit nach Hause nimmt. Er verstaut seine Ausrüstung, setzt sich in den Wagen und rollt los. Ein letzter Blick in den Rückspiegel zeigt ihm den sonnenüberfluteten See mit Hunderten weißen Segeln drauf.

Partner in Baden für Ihren Tauchurlaub

Scubarena, Bad Krozingen/Hausen
Verkehrsgünstig direkt an der A5 Karlsruhe-Basel gelegen, bietet Scubarena auf 90 Quadratmetern Ladenfläche alles, was das Taucherherz begehrt. Das offizielle Padi Dive Center bietet alle Kurse vom unverbindlichen Schnuppertauchen bis hin zum Spezialkurs an. Außerdem sind dort auch Behinderte gut aufgehoben, als Mitglied des IAHD tauchen bei Scubarena auch Menschen mit Handicaps sicher. Produkte: Die Hausener sind Fach-händler für Waterproof, Atomic Aquatics, Cressi Sub und IQ Company. Außerdem kann man mit Scubarena auch verreisen, weltweit versteht sich oder man nimmt an einer begleiteten Gruppenreise teil.
www.scubarena.de

Diveplanet
Ebenfalls nahe Offenburg inmitten schöner Rheinauen in Rheinau sitzt der Diveplanet. Wer mit den Jungs dort taucht, der hat die Gelegenheit, in einem frei zugänglichen Gewässer des Altrheins zu tauchen, was eine Klasse für sich ist. Wer dies zum ersten Mal getan hat, bekommt nachher eine zünftige Taufe. Selbstverständlich kann man auf dem Tauchplaneten auch Ausbildung machen und zwar nach Padi und CMAS.                  
www.diveplanet.eu

Tauchcenter Freiburg
Der große, bestens ausgestattete und bestückte Shop ist der Pluspunkt des Tauchcenter Freiburg. Deshalb kommen viele Taucher auch aus der weiteren Umgebung wie Karlsruhe oder Basel. Das ganze Jahr über gibt es Tauchausbildung vom Anfänger bis hin zum Tauchlehrer (Mitinhaber Axel Früh ist Tauchlehrerausbilder). Gemeinsam mit der Partnerbasis Protec Sardinia gibt es auch Kurse in technischem Tauchen. Wer in die Ferne schweifen möchte, kann im Tauchcenter Freiburg auch eine Reise buchen, Schwerpunkte sind Malediven, Philippinen, Südafrika, Bali, Antarktis, Rotes Meer, Sardinien, Österreich.
www.tauchcenter-freiburg.de

Hubsis Tauchservice
Das badische Urgestein finden Sie in Salem am Bodensee. Sollte Ihr Lungenautomat während eines Badenurlaubs aussteigen – kein Problem. Hubsi ist einer der Spezialisten für Tauchtechnik. Sein Schwerpunkt liegt auf Kompressortechnik, darin gibt er auch die vorgeschriebenen Seminare. Bald wird es von Hubsis Tauchservice auch ein eigenes Produkt geben: Eine Nitrox-Füllanlage, die auch für 24-Stunden-Selbstbedienung per Füllleiste geeignet ist. 
www.hubsis-tauchservice.de

Dreamdivers 
Die Dreamdivers sind in Hochberg, nahe Offenburg ansässig. Inhaber Dirk Hesse ist Padi Course Director. 1993 gegründet, ist das Haus nach eigenen Angaben das älteste Padi-Tauchcenter der Ortenau. Es gibt eine 24-Stunden-Außenfüllanlage, Nitroxbefüllung 200 und 300 bar sind möglich. In der näheren Umgebung stehen rund 30 interessante Süßgewässer zur Verfügung. 35 komplette Ausrüstungen stehen zum Verleih bereit. Tauchreisevermittlung in alle Welt ist selbstverständlich. Neben dem reinen Tauchgeschäft bieten die Dreamdivers auch Schwimmkurse, Babyschwimmen und Aquafit an.    
www.dream-divers.com

Pro Marine
Solide Tauchausbildung und das Angebot hochwertiger Markenprodukte hat sich Pro Marine, Radolfzell auf seine Fahne geschrieben. Dazu wird Kundenbindung gepflegt, was sich in der Durchführung vieler Veranstaltungen für und mit dem Kunden dokumentiert. Ein solches Angebot ist beispielsweise „Bike and Dive“. Inhaber Holger Gohdes, selbst begeisterter Motorradfahrer, bietet seinen Gästen an, bei einigen Ausflügen die Strecke mit dem Motorrad zu bewältigen, die Ausrüstung fährt im eigens gecharterten Bus.          
www.promarine.de

Tauchcenter Karlsruhe
Auf drei Etagen im Herzen von Karlsruhe findet der Kunde alles, was das Taucherherz begehrt: Ausrüstung, Reisebüro, Fülldienst. Geführte Touren in die Seen des Umlandes sind ebenfalls im Angebot.                                                 www.tauchcenter-karlsruhe.de

Tauchsport Lang
Die Spezialisten fürs Tauchen im Schluchsee. Es können erkundet werden: Das alte, versunkene Dorf Schluchsee, die alte Poststraße samt versunkener Steinbrücke, die Schweinebucht und mehr. Untergebracht ist die Basis im alten Bahnhof des Ortes, ein gut ausgestatteter Shop rundet das Angebot ab.                         www.tauchsport-lang.de