Zypriotischer Zoll beschlagnahmt archäologische Artefakte

Schätze, die von einer britischen Expedition vom Grund des Mittelmeers geborgen wurden, sind unter dem Vorwurf der Unterwasserpiraterie beschlagnahmt worden.

Das „Enigma Shipwrecks Project“, das eine Flotte antiker Wracks entdeckt hat, kündigte im vergangenen Monat hochtrabend das „archäologische Äquivalent der Suche nach einem neuen Planeten“ an. Die Funde, die zwischen dem Libanon und Zypern gemacht wurden, würden die Geburt des globalisierten Handels dokumentieren. Sean Kingsley, der Archäologe des Projekts, sagte, es sei keine finanzielle Schätzung des Wertes des Funds möglich, weil „sein großer historischer Wert jeden materiellen Geldwert in den Schatten stellt“. Die zyprische Regierung hat die Bergung der Gegenstände aus einem osmanischen Handelsschiff aus dem 17. Jahrhundert als „eine illegale Ausgrabung“ bezeichnet und sagte, sie habe die Gegenstände wegen Verletzung von Zollbestimmungen beschlagnahmt. Die Expedition wurde von Enigma Recoveries, einem in London ansässigen Unternehmen, finanziert. Das wiederum beauftragte Odyssey Marine Exploration aus Florida mit der Durchführung der Bergung.

Bei Nachforschungen im Levantinischen Becken, mehr als 50 Meilen vor dem Libanon, wurden zuvor zahlreiche Wracks entdeckt, darunter ein hellenistisches Schiff, zwei römische, eines möglicherweise aus dem Kalifat der Omayyaden und acht osmanische – darunter das Wrack eines fast 50 Meter langen osmanischen Frachtschiffes, das während der Herrschaft von Murad IV (1648-1687) verloren ging. Das wurde in einer Tiefe von 1900 m unter der Oberfläche geortet. Bei einer teilweisen Ausgrabung wurden 988 Artefakte gefunden, von denen 588 gehoben wurden. Darunter befanden sich Waren aus 14 Kulturen und Nationen von der Levante bis Spanien, dem Jemen und Indien sowie 360 Becher und Schalen, die während der Herrschaft des letzten Ming-Kaisers in China hergestellt wurden. Als das Schiff von Odyssey Marine Exploration kürzlich in Limassol andockte, wurde es von den Behörden durchsucht. Das Wrack des osmanischen Kolosses soll sich in zypriotischen Gewässern befunden haben, behaupten die zypriotischen Behörden. Zollbeamte beschlagnahmten daraufhin die Artefakte. Enigma Recoveries hält die Anschuldigungen für falsch. H.K.