Gute Unterhaltung: Zwei Krimis für den (Strand-)Sommer

Stefan von der Lahr:

Das Grab der Jungfrau,

ISBN: 978-3-406-75658-0

und 

Hochamt in Neapel,

ISBN: 978-3-406-73133-4.

Beide im Beck Verlag, München

Preis jew.: 19,95 Euro (Print) / 14,95 Euro (E-Book)

Buchbesprechung von Heinz Käsinger (Mai 2020): 

Ob wir in diesem Jahr an einem Mittelmeerstrand landen können, wissen wir noch nicht. Von Ägypten ganz zu schweigen. Aber Nordsee, Ostsee und unsere Süßwasserseen sind doch auch ganz schön und gerade im Bodensee, der Müritz oder den Feldberger Seen gibt es allerhand zu entdecken.

Und was machen wir zwischen den Tauchabstiegen? Lesen zum Beispiel und da halten wir einen heißen Tipp für Sie bereit: Stefan von der Lahr. Der Mann ist Lektor im renommierten Münchener Beck Verlag, der weiland besonders für seine juristische Fachliteratur bekannt war, zwischenzeitlich aber eine breite Verlagspallette für viele Geschmäcker bereithält. Von der Lahr wird von den Medien auch gerne „der deutsche Dan Brown“ genannt. Folgerichtig, Sie erraten es, sind religiöse Themen sein Fachgebiet. Die Kollegin von der FAZ schrieb sinngemäß: Von der Lahr ist wie Dan Brown, nur intelligenter.

Eine der großen philosophischen Fragen der katholischen Religion ist beispielsweise die, ob Maria, die Mutter von Jesus, nun einfach so wie ein handelsüblicher Mensch in den Himmel gekommen ist, oder ob der Allmächtige sie „mit Leib und Seele“ aufgenommen hat. Ich weiß nicht mehr, wie das genau war, die Bibel schweigt sich, wenn ich mich richtig erinnere, darüber aus. Irgendwann hat irgendein Papst dann ex Cathedra entschieden, dass dem so war und da der Papst in religionsphilosophischen Fragen nie irrt, gilt das seither als sicher. Nun aber wird ein Dokument, ein uraltes Papyrus, entdeckt, in dem geschrieben steht, wo Maria begraben liegt. Sollte also der Leichnam der Jungfrau Maria im Grab gefunden werden, so wäre die Kirche in ihren Grundfesten erschüttert. Also beginnt ein heißes Rennen um das Dokument. Der Vatikan will es in seinen Besitz bringen, die Wissenschaft und selbstverständlich, wir befinden uns in Italien, auch die Mafia. Schließlich findet ein Grüppchen Eingeweihter tatsächlich „Das Grab der Jungfrau“, wie der Religionsthriller so treffend heißt und die Sache wird endgültig geklärt.

Der zweite von der Lahr’sche Religionsschinken befasst sich mit einem sehr viel weltlicheren Thema, wenn das auch eingebettet ist in die Suche nach dem Leichnam Alexanders des Großen. Der soll sich in Neapel befinden und auf der Jagd nach dem Sarkophag stoßen ein Polizist (derselbe wie im „Grab der Jungfrau“) und ein Monsignore (dito) auf einen Umweltskandal allererste Güte: Die Entsorgungsmafia deponiert, höchst illegal und kostengünstig, in den Katakomben Neapels radioaktiven Abfall. Natürlich werden die Guten (die in den Hierarchien von Staat und Kirche ziemlich weit unten sitzen) von den Bösen (klar, ziemlich weit oben) stark in der Lösung des Falles behindert. Ob – und wenn ja wie – es den Guten gelingt, die Umweltfrefler dingfest zu machen, ist eine spannende Angelegenheit.