Hans Fricke: Unterwegs im blauen Universum

Fricke, Hans:

Unterwegs im blauen Universum

Fester Einband mit farbigem Schutzumschlag, Format ca. 15 x 22 cm

247 S. mit einigen, zumeist farbigen Abb.

Galiani Verl., Berlin, 2020,   ISBN 978-3-86971-202-4,    Preis: 25.-- Euro

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen, (April 2020):

Spannend und unterhaltsam schildert der Autor, einer der bekanntesten, freischaffenden Zoologen unserer Zeit, seinen abwechslungsreichen Werdegang. Es ist eine berufliche Autobiographie, die mit Hans Hass und dessen Film „Abenteuer im Roten Meer“ beginnt. Der fasziniert ihn so, dass auch der Autor gerne Zoologe werden möchte. So verlässt er mit 18 Jahren Eltern und Freunde in der DDR, um im Westen seinem Ziel näher zu kommen. Wir erleben Fricke mit selbst gebastelter Tauchausrüstung und nehmen Teil an seiner Fahrradreise zum Roten Meer, wo er erstmals in eine unberührte, reizvolle UW-Welt eintaucht. Noch studierend knüpft er Bekanntschaften zu verschiedenen weltbekannten Wissenschaftlern, wie z.B. zu Konrad Lorenz, Sylvia Earl und anderen, mit denen er auch zusammenarbeitet. In Eilat baut er später sein untypisches, aufrecht stehendes und eckiges UW-Haus, das über mehrere Jahre in Betrieb bleibt, sodass er von dort aus interessante Verhaltensstudien treiben kann. Seine Bilder, Vorträge, Artikel und Bücher machen ihn weltbekannt, ebenso seine Filmaufnahmen, die im Fernsehen ausgestrahlt werden. Er lernt viele bedeutende Leute kennen, so u.a. auch Chefredakteure und Herausgeber großer Zeitschriften, wie z.B. von GEO. Es kommt offenbar auf die „richtigen“ Bekanntschaften an, auf Leute, die ihm besonderes Vertrauen entgegen bringen und so Dinge ermöglichen, die zuvor von Fachkollegen abgelehnt wurden. So wird er zum Tauchboot-Kommandanten. Er taucht zunächst mit der „GEO“ 300 Meter tief und benutzt später die robustere „Jago“ gar bis 400 Meter. Damit gelingen ihm nicht nur Tauchabstiege bis an den Rand der Tiefsee, sondern es geht auch zum Quastenflosser, von dem so erstmals phantastische Aufnahmen im natürlichen Lebensraum gelingen. Er geht auch in verschiedenen Alpenseen auf den Grund und gleichermaßen finden einzelne kulturhistorische Untersuchungen statt. So geht er nationalsozialistischen Geldfälschern nach, taucht auf der Kyffhäuserburg im tiefsten Brunnen der Welt, und weitere Tauchreisen führen ihn in die Arktis, wo er den Spuren früher Expeditionen und einem verschollenen Schiff nachgeht. Doch er bleibt Zoologe durch und durch, schlägt gar ein phantastisches Stellenangebot vom Fernsehen aus, geht in einem Laichgebiet den Geheimnissen der Aale nach und, an anderer Stelle, auch winzigen Flohkrebsen. Er ist ständig unterwegs, lernt die unterschiedlichsten Gegenden kennen, begegnet in einer Höhle von Mexiko riesigen Schwärmen kleiner Schwefelmollies, die heute leider nicht mehr existieren, und im vorletzten Kapitel kehrt er noch einmal nach Israel zurück, wo er gewaltige Veränderungen feststellt, die auch ihre Spuren an den Riffen von Eilat hinterlassen haben. Hier schließt sich der Kreis: Diese Riffe sehen heute vollkommen anders aus, sind ebenso vom Untergang gezeichnet, wie die meisten anderen Korallengebiete. So zeigt dieses Buch nicht nur viel Interessantes aus dem Leben des Autors und dem Verhalten von Korallenfischen in intakter Umwelt, sondern gerade durch dieses vorletzte Kapitel lädt es auch zum besonderen Nachdenken ein. Schließlich fanden diese schrecklichen Veränderungen an Korallen gerade erst im Laufe seines eigenen Lebens statt… Insgesamt ein großartiges Buch, das man  nur empfehlen kann.