Tom Hird: Ozeanopädie 291 unglaubliche Geschichten vom Meer

Hird, Tom:

Ozeanopädie

291 unglaubliche Geschichten vom Meer

Fester Einband, Format ca. 15,5 x 21,5 cm, 2. Auflage

350 S. mit zahlreichen schwarzweißen Zeichnungen und einem farbigen Fototeil

Terra Mater Books, Wals bei Salzburg, 2018

ISBN 978-3-99055-004-5

Preis: 24,-- €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen, (April 2020):

Ein sehr aufwändig und gut gestaltetes Jugendbuch mit schönem Schutzumschlag, reizvollen Abbildungen und immerhin 291 Kapiteln. So macht es zunächst einen ausgezeichneten Eindruck. Beim Lesen stellt sich jedoch schnell heraus, dass einige Kapitel zu kurz geraten sind, wobei wir uns allerdings nur auf die wesentlichsten Stellen konzentrieren wollen: So hätte ich zu gerne erfahren, warum ganz normale Algen nicht (mehr?) zu den Pflanzen gezählt werden, und wieso Phytoplankton auch nachts Sauerstoff ohne Sonnenlicht erzeugen kann. Dann wird beim Rückstoßprinzip der Tintenfische von 4000°C geredet. Das ist jedoch schon wegen des hohen Energieaufwandes unmöglich, und diese Temperatur müsste auch vom Körpergewebe vertragen werden. Was also passiert da tatsächlich? Ebenso ist es seltsam, dass ausgerechnet ein Biologe beim Vergleich, wieviel Sauerstoff im Meer und an Land erzeugt wird, von falschen Prozentzahlen ausgeht und dann auch noch behauptet, dass man alle Bäume fällen könnte, ohne dass Großartiges dabei passiert – gleichzeitig aber die immense CO2-Speicherung der Wälder völlig unbeachtet lässt. Das ausgerechnet in der Zeit des gegenwärtigen Klimawandels! Weiters ist es unglaublich, wenn er meint, dass Wissenschaftler noch immer nicht ergründen konnten, wieso sich Clownfische zwischen den Fangarmen von Seeanemonen bewegen können, ohne dass ihnen dabei etwas passiert – oder   andererseits darauf zu hoffen, dass Haie in der Karibik einen solchen Appetit auf die dort eingeschleppten Rotfeuerfische entwickeln könnten, um die vordem vorhandene natürliche Balance wieder herzustellen. Einige solcher Aussagen können allerdings auch auf Übersetzungsfehler von Nadine Lipp zurückzuführen sein: Sie scheint offenbar keine Biologin zu sein. Sonst könnten unmöglich Kegelschnecken sprachlich zu Muscheln werden, und vor allem scheint ihr bei den Tintenfischen einiges durcheinander zu geraten: Schließlich sind Kraken, Kalmare und Sepien allesamt Tintenfische, wobei nur die Sepien einen Schulp, die Kalmare dagegen einen anders aussehenden Gladius  haben – jeweils evolutionäre Überbleibsel der ehemals vorhandenen äußeren Schale. Dementsprechend sollte die Abbildung im Buch dringend in Sepia umbenannt werden. Die Liste solcher Ungereimtheiten ließe sich ohne weiteres fortsetzen – ein Zeichen dafür, dass auch Jugendbücher, selbst wenn sie mittlerweile in den 2. Auflage erschienen sind, deutlich mehr Sorgfalt erfordern.