Souvenirjagd
26Pro und Contra
Von Johann N. Atzenbacher

Wohl kaum ein anderes Thema wird so kontrovers diskutiert wie die Mitnahme von Souvenirs aus einem Wrack. „Räuber und Plüderer!“, schreien die einen und „Wir tun nichts Verbotenes!“, die anderen.
Erzählen Sie mal an Ihrem Taucherstammtisch, dass Sie kürzlich aus einem Wrack die Schiffsglocke mitgenommen haben. Sie werden einen Tumult auslösen, gegen den die Tumulte der Italiener nach der gewonnenen Fußball WM (Entschuldigung, Fifa WM 2006™) reine Kaffeekränzchen waren. Die Befürworter solcher Taten sind in der Minderheit, die Mehrheit wird dagegen sein und dies mit missionarischem Eifer.
Dabei ist die Rechtslage klar. Tabu bleiben immer Schiffe, die für die archäologische Forschung interessant sind. Und dies sind, nach dem Gesetz, alle Schiffe die nicht aus Metall sind und die vor dem Jahr 1860 gebaut worden waren. Soweit ist die Regel klar, jetzt kommen aber noch einige Ausnahmen dazu. Immer wenn ein Schiff zur offiziellen Grabstätte erklärt wird, sind Plünderungen nicht nur geschmacklos sondern auch eine Straftat. Militärische Schiffe wiederum unterliegen Sonderbestimmungen und auch wenn die Reederei ihr Eigentum am gesunkenen Schiff nicht aufgegeben hat und Wertsachen birgt, um den Schaden wenigstens etwas zu begrenzen, dürfen keinerlei Gegenstände aus oder vom Wrack entfernt werden – das wäre dann schlicht Diebstahl. Dass aus Sicherheitsgründen Munition, Behälter mit biologischem oder chemischem Inhalt nicht angefasst werden, dürfte jedem einleuchten.

Und wo bleibt die Moral?

Und doch – der Reiz ist hoch und wer ihm nachzugeben gedenkt, der sollte vorher wenigstens folgendes bedenken: Der Glanz eines Wracks liegt nicht nur in diesem selbst. Es sind doch gerade die Details, die einen Wracktauchgang so reizvoll machen: Das aufgeschlagene Buch mit den Dechiffrierungscodes in der Funkerbude, die Schiffsglocke, die stumm und anklagend ins Wasser ragt – ohne Funktion. Wer solche Dinge entfernt, der nimmt seinen Kameraden ein gutes Stück Lokalkolorit und damit Erlebnisfreude.
Ein Beispiel gerade aus diesem Heft. Noch in den 80er Jahren wimmelte es in Truk Lagoon nur so von Relikten der japanischen Marinesoldaten. Geschirr und Bestecke, Gasmasken, Stiefel, Helme, Bajonette, Kompasse, Koppelschlösser und vieles mehr konnte man damals noch finden. Und heute? Die Guides haben in jedem Wrack ihre Verstecke, in denen sie einige wenige Relikte horten, vor dem Tauchgang der Gäste in den Wracks drapieren und dann wie die Schießhunde aufpassen, dass Jim Smith aus Denver oder Yamamoto Kishihara aus Osaka ja alles da lassen, wo es hingehört.
Weitere Probleme bereitet der rege Schiffsverkehr der Taucherflotten, deren Anker die Substanz der Wracks gefährden. Wer beispielsweise an der „Jura“ im Bodensee noch vor wenigen Monaten tauchte, der hat noch den Schornstein gesehen. Heute ist er abgerissen durch einen Anker.

...Erwirb es, um es zu besitzen

Wenn schon Dinge entfernt werden, dann sollte man ihnen auch ein ehrendes Andenken bewahren. Es liebevoll restaurieren, ausstellen oder auch Clubkameraden zugänglich machen. Vorsicht ist erst mal beim raustauchen geboten, schwere Dinge sollten mit einem Hebesack geborgen werden. Achtung: Hohe Unfallgefahr durch unsachgemäße Behandlung besteht.
Um eine sorgfältige Konservierung und Restaurierung kommt man dann nicht herum. Doch das will gelernt sein. Zunächst müssen alle Stücke bis zum eigentlichen Vorgang nass gelagert werden, am besten in destilliertem Wasser. Welcher Aufwand später betrieben werden muss, um die Stücke zu erhalten, hängt von deren Zustand und vor allem der Dauer des Aufenthaltes im Wasser ab. Messing und Bronze, beide Legierungen werden besonders gerne auf Schiffen eingesetzt, da sie resistent gegen Korrosion sind, können einfach einige Tage lang in 20-prozentige Salzsäure gelegt werden und später, sorgfältig abgespült, mit einem geeigneten Mittel poliert werden. Eisen und Stahl zum Beispiel werden nicht mit Säure, jedoch mit Laugen behandelt.
Sollte jemand das Glück haben, ein Schmuckstück zu finden – dieses wiederum gehört in die Hand eines Fachmanns. Ebenso wie organische Stoffe wie Holz, Papier oder Leder.