Kennen Sie den Omurawal?

(Text: Heinz Käsinger, Foto: Salvatore Cerchio, Omurawal vor Madagaskar)

 

omuraSelbst in unserer modernen Welt, in der die Menschheit nach den Sternen und der Tiefsee greift, gibt es noch immer Dinge, die vor unseren Augen liegen – aber nicht gesehen werden. Den Omurawal mit rund zwölf Metern länge und 20 Tonnen Gewicht, hätte man jedoch nicht übersehen dürfen.

Trotzdem wurden Omurawale erstmals in den 1970-er Jahren von Walfängern gefangen. Und zwar im Japanischen Meer, in der Salomonensee und vor den Cocos-Inseln. Der Irrtum: Man hielt die Tiere damals für kleinere Exemplare der Brydewale. Erst im November 2003 wurde die Art als eigene Art in der Zeitschrift „Nature“ beschrieben. Nach dieser Beschreibung, und das gilt noch heute, gilt der Omurawal als Furchenwal, die wiederum zu den Bartenwalen gehören. Die Autoren des damaligen Artikels waren die Japaner Shirō Wada, Masayuki Ōishi und Tadasu K. Yamada.

Ähnlichkeiten weist der Meeressäuger mit dem Finnwal auf, ist jedoch deutlich kleiner. Ein Omurawal erreicht rund zwölf Meter Länge und wird bis zu 20 Tonnen schwer. Darüber hinaus haben sie nur etwa 200 Barten, deutlich weniger als andere Bartenwale. Über die Lebensweise der Tiere ist nichts bekannt.

Die Veröffentlichung der Artbeschreibung in der Fachzeitschrift „Nature“ am 20. November 2003 stieß zunächst auf massive Zweifel in der Fachwelt, da man Omurawale bisher lediglich für kleine Exemplare der Brydewale hielt. Die Forscher belegten ihre Beschreibung anhand von mitochondrialen DNS-Vergleichen mit anderen Walen, wobei sie auch die Notwendigkeit weiterer Analysen herausstellten. Als Grundlage dienten ihnen neun Individuen, von denen acht bereits in den späten 1970er Jahren gefangen worden waren, untersucht wurden also Walkadaver. Zwischen 2007 und 2014 wurden Omurawale vor der Nordwestküste Madagaskars erstmals genauer erforscht und dabei auch gefilmt, wobei die Ablichtung der Tiere erst 2014 gelang. Im Dezember 2016 wurde ein Exemplar am Großen Barriereriff fotografiert. Eine weitere bestätigte Sichtung fand am 22. Mai 2017 in Taiwan statt.

Der Name leitet sich von dem japanischen Walforscher Hideo Omura (1906–1993) ab.

Die Erforschung dieses Meeressäugers vor Madagaskar durch Salvatore Cerchio vom New England Aquarium, Bosten, ergab viel Neues, jedoch nicht wirklich Wichtiges. So stellte Cerchio fest, dass alle Tiere dieser Art äußerst unregelmäßig gefärbt sind. Beispielsweise sind die beiden Körperhälften ganz asymetrisch marmoriert. Bei allen gesichteten Omurawalen ist der linke Kieferknochen stets weiß, der rechte elfenbeinfarben. Welchen Zweck die Natur mit dieser Anomalie verfolgt, ist noch unbekannt. Die Walart scheint in vielen tropischen Gewässern vorzukommen, wo sie meist in den flachen Küstenregionen lebt. Sie sind also weiter verbreitet, als man angesichts der seltenen Begegnungen bislang angenommen hat. So kann es also sein, dass es in der Vergangenheit immer wieder zu Begegnungen mit Tauchern oder Fischern gekommen ist, diese jedoch nicht erkannten, dass es sich um einen Omurawal – und damit um eine kaum bekannte Spezies – handelte.

Auch nach sieben Jahren Forschung durch Cerchio, ist das meiste über den Omurawal noch unbekannt. Cerchio protokollierte 247 Sichtungen und nahm zahlreiche Kot- und Gewebeproben. Es gelang dem Team um Cerchio, einige der Wale mit Sendern zu markieren, sodass man in bescheidenem Umfang ihr Bewegungsprofil ermitteln konnte. Dieses folgt mit hoher Wahrscheinlichkeit den Krillschwärmen.

Ähnlich wie Buckelwale kommunizieren auch die Omurawale miteinander. Aber ihr Umfang an Lauten ist um einiges geringer und weniger melodiös als der der Buckelwale. Meistens senden die Omurawale tiefe Tuckerlaute ähnlich einem Motorrad im Leerlauf aus.