Heinz Krimmer: Aliens der Ozeane

Krimmer, Heinz:

Aliens der Ozeane

Fester Einband mit farbigem Titel, Format ca. 20 x 26 cm

207 S. mit 180 Farb- und 13 Schwarzweißfotos, oft ganz- oder doppelseitig

Franckh-Kosmos Verl., Stuttgart, 2019

ISBN 978-3-440-16664-2

Preis: 25.-- €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (Februar 2020):

Ein Buch, das sich mit allen heute lebenden Kopffüßern auseinandersetzt. Natürlich ist von ihrem Ursprung weit vor der Zeit der Dinosaurier die Rede, wie auch von ihrer großartigen Zukunft, denn Kalmare und Sepien werden im Meer wohl die eigentlichen Gewinner des Klimawandels sein, den der Autor richtigerweise gar als Klima-„Katastrophe“ bezeichnet. Natürlich ist auch die Rede von der besonderen Anatomie dieser Weichtiere: Schließlich haben sie gleich drei Herzen, dazu gänzlich anderes Blut als wir, das auf Kupferbasis aufbaut und ihnen ein besseres Überleben in den kalten Gewässern der Tiefsee und Polarmeere ermöglicht. Hinzu kommt ihr Vermögen, die Farbe zur Verständigung mit Artgenossen, bei der Paarung und beim Beutefang auf unglaubliche Art und Weise zu wechseln. Kraken können zudem die Struktur der Haut verändern und sich auf vielfache Art und Weise unsichtbar machen. Tintenfische zeigen bei der Jagd ein phantastisches Angriffsverhalten sowohl einzeln, als auch in der Gruppe oder mit anderen Partnern, z. B. Zackenbarschen. Einzig sind ihre mit Saugnäpfen bewehrten Fangarme, und bei Gefahr haben sie zudem die Möglichkeit, sich durch eine Tintenwolke unsichtbar zu machen, um sich per Rückstoß in Sicherheit zu bringen. Das gesamte, wenn auch nur kurze Leben der Tintenfische zeigt sich auch bei der Fortpflanzung genauso eigenartig wie alles andere, was wir kennen. Sex ist oft brutal und endet nicht selten mit dem Tod des Männchens. Kannibalismus gehört offenbar zur Tagesordnung. Keine höher entwickelten Lebewesen sind uns so fremd wie gerade diese. Gleichgültig, welchen Aspekt wir auch beleuchten, Kopffüßer erscheinen eigentlich immer äußerst interessant, wobei ihre Neugier und unerwartete Lernfähigkeit besonders herauszustellen sind. Immerhin haben sie neun Gehirne – so zumindest der Autor. In Wirklichkeit sind in den Armen jedoch nur Nervenknoten, sog. Ganglien, die ermöglichen, dass jeder Arm für sich allein bewegt werden kann. Die Hauptbewegung wird jedoch vom Kopfgehirn gesteuert, was vor allem bei der Flucht von ausschlaggebender Bedeutung ist. Alle anderen Aspekte, wie ihre jeweiligen Größen oder die Leuchtfähigkeit im Dunkel werden in diesem Buch mit vielen seltenen, oft doppelseitig gebrachten Farbfotos, sehr gut beschrieben. Allerdings vermisste ich ein unbedingt erforderliches Stichwortverzeichnis, und auch die Abbildung zur Genexpression ist für Laien nicht gerade schlüssig. Da gehört mehr Erklärung dazu. Weiters weist diese Zeichnung noch einen Fehler auf, denn bei der RNA müsste sich das „T“ in ein „U“ verwandeln, was für Uracil steht. Ansonsten haben wir eine Lektüre vor uns, die allen Tauchsportlern unbedingt zu empfehlen ist.