Portugal macht „Entdeckung des Jahrzehnts“

karavelle(Grafik: Wikipedia; Die Karavelle war vom 14. bis zum 16. Jahrhundert der gebräuchliche Schiffstyp Portugals – so könnte der Frachter demnach ausgesehen haben, Text: Heinz Käsinger )

Archäologen haben vor der Küste Portugals ein 400 Jahre altes Wrack gefunden, das Historiker die „Entdeckung des Jahrzehnts“ nennen. Gewürze, Keramiken und Kanonen mit dem portugiesischen Wappen waren geladen und liegen um das Wrack herum, das in der Nähe von Cascais, nahe der Hauptstadt Lissabon, untergegangen war.

                            

 


Das Archäologenteam, das an der Bergung beteiligt ist glaubt, dass das Schiff aus Indien zurückkehrte, als es in Sichtweite der portugiesischen Küste irgendwann zwischen 1575 und 1625 sank. In jenen Jahren befand sich der europäische Gewürzhandel mit Asien auf seinem Höhepunkt. „Das Wrack liegt in einer Tiefe von zwölf Metern und ist sehr gut erhalten“, sagte Projektleiter Jorge Freire und ergänzt: „Aus der Sicht des Kulturerbes ist dies die Entdeckung des Jahrzehnts, der wichtigste Fund aller Zeiten für Portugal“. Chinesisches Porzellan aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert gehört ebenso zum Wrack wie Bronze-Artilleriegeschütze und Kaurimuscheln – eine Währung, die im Sklavenhandel verwendet wurde. Der Gemeinderat von Cascais bestätigte, dass das Schiff Anfang September gefunden wurde, während die Mündung des Tejo ausgebaggert wurde, der an der Kurstadt vorbei und dann durch Lissabon fließt. Bürgermeister Carlos Carreiras sagte der Zeitung Guardian, es handle sich um eine außergewöhnliche Entdeckung, die Portugals kollektive Identität und gemeinsamen Werte stärken werde. Und da zwar schon alles jedoch noch nicht von jedem gesagt war, ließ auch der portugiesische Kulturminister Luis Mendes verlauten, dass der Wrackfund beweise, dass die Tejo-Mündung ein Hotspot für UW-Archäologen sei. Der Fund ist Teil eines zehn Jahre dauernden archäologischen Projekts, das von der Stadt Cascais, der portugiesischen Regierung und Marine sowie der Nova-Universität in Lissabon unterstützt wird.