Kevin J. Brown: Ansichten der Welt - Kartografische Reisen durch die Zeit

Brown, Kevin J:

Ansichten der Welt

Kartografische Reisen durch die Zeit

Harter Einband mit farbigem Titelbild und ebensolchem Schutzumschlag, Format ca. 27,5 x 31.5 cm

208 S. mit sehr vielen farbigen ganz- oder doppelseitigen Karten

Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

ISBN 978-3-667-11084-8

Preis: 49,90 €

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (März 2018):

Atlanten und Weltkarten kennt heute jeder. Wir wissen eine Menge über Meere, Kontinente, Inseln und einzelne Länder – z.B. auch, dass unser Planet der einzige im Sonnensystem ist, der über sehr viel Wasser verfügt, dem wir letzten Endes auch unsere eigene Existenz verdanken. Immerhin werden etwa ¾ der Oberfläche von Meeren bedeckt, und würde man z.B. die Landteile, und selbst den Mount Everest, im Meer versenken wollen, sie würden allesamt tief darin versinken. Hätte man schon früher dieses Wissen gehabt, so hätte man möglicherweise unseren Planeten „Ozean“ genannt. Doch wie war es wirklich? Immerhin kamen wir die weitaus meiste Zeit ohne Karten aus. Das Buch beginnt also recht spät, bei den Anfängen der Kartografie kurz vor der Zeitenwende. Gezeigt werden Ausschnitte einer 6,75 Meter langen Karte, nur 35 cm hoch, die die Heerstraßen des römischen Reiches von Spanien bis Indien zeigt. Da unmaßstäblich, ähnelt sie unseren heutigen Straßen- oder U-Bahnkarten. Spätere Karten folgen vor allem religiösen Gegebenheiten, schließen gar das Paradies mit ein und zeigen die Erde als Scheibe, umgeben von Okeanos, einem unendlichen Meer voller Gefahren. Und es dauerte nochmals lange, bis wir die Erde nicht mehr als Mittelpunkt der Welt ansahen und von ihrer Kugelgestalt überzeugt wurden. Erste nautische Portolankarten – auch solche sind vorhanden – entstanden mit dem Aufkommen des Kompasses und weisen nach heutigen Begriffen ein verwirrendes Liniennetz auf. Darin wird über das Landesinnere kaum etwas ausgesagt, aber alle Küstenorte, auch Flüsse sind verzeichnet, sodass zunächst die Mittelmeerfahrer das ganze Jahr über quer über das Meer Ziele in Afrika und Europa ansteuern konnten. Auch die Schiffe wurden größer. Diese Seekarten wurden zum Ausgangspunkt für alle späteren physikalisch-geografischen Karten. Sie wurden mit Gold aufgewogen und folgten mitunter sozialen und wirtschaftlichen Aspekten, zeigten auch nicht vorhandene Inseln (siehe z.B. das Titelbild des Buches), bis man dazu überging, nicht bekannte Gebiete weiß zu lassen, darauf wartend, dass auch diese Gegenden einwandfrei gezeichnet werden konnten. Das Buch folgt allen Jahrhunderten der Kartografie und zeigt neben alten, kunstvoll dekorierten Karten auch Karten zu Propaganda- und Werbezwecken bis hin zu modernen Weltkarten nach Merkatorprojektion. Europäische Karten werden ebenso dargestellt wie fernöstliche aus China und Japan. Dazu kommt eine sehr gute Kommentierung, insgesamt sehr empfehlenswert.