Krabbenpulen wieder in Deutschland

Der Nordseekrabbe geht es jetzt wieder in Deutschland an die Schale  (Text: Heinz Käsinger, Foto: Hans Hillewaert/Wikipedia)

krabbeNordseekrabben sollen bald wieder in Deutschland gepult werden. Das sieht eine Initiative der Erzeugergemeinschaft Küstenfischer der Nordsee vor. Bis in die 1990er Jahre hinein wurden in der Nordsee gefangene Krabben auch vor Ort geschält: Den fieseligen Job hatten vor allem Frauen in Heimarbeit übernommen gehabt.

Dann gab es neue, strengere Hygienevorschriften in der EU und das Krabbenpulen wurde hierzulande unattraktiv – für die Auftraggeber genau so wie für die Auftragnehmer. Ab sofort wurden die in der Nordsee gefangenen Krabben über mehrere Tausend Kilometer weit nach Nordafrika oder in die Turk-Staaten transportiert, um dort geschält zu werden. In extremen Fällen wurde die fertige Ware dann noch in einem ganz anderen Land portioniert und verpackt.

Geht es nach den Vorstellungen der Erzeugergemeinschaft Küstenfischer der Nordsee, soll damit bald Schluss sein. Das neue Premiumsiegel „Watenmeerkrabbe“ sieht eine umweltverträgliche Lösung vor. Zunächst werden die schmackhaften Meeresfrüchte nachhaltig gefangen, das heißt, die Bestände sollen nicht bis an den Rand des Kollapses ausgebeutet werden. Später pulen wieder heimische Schälbetriebe die Tiere. Im Gegenzug werden natürlich die Preise erhöht, wobei der bewusst kaufende Kunde die Gewissheit hat, dass die Umwelt durch seinen Kauf weniger belastet wird. Zweifellos wird auch die kulinarische Qualität dieser Krabben besser sein – kurze Transport- und Verarbeitungswege garantieren dafür. Zunächst werden drei Fangbetriebe die neue Methode testen und über ausgewählte Feinkostbetriebe vertreiben. Nach und nach soll das System dann ausgeweitet werden.

Umweltschützer haben schon lange den Transportirrsinn in der EU kritisiert und begrüßen die Initiative. Darüber hinaus fordern sie fangfreie Zonen im Wattenmeer und geringere Fangquoten. Indes, die meisten der Krabbenfischer, vertreten durch den Landesfischereiverband Weser-Ems lehnen diese Forderungen ab. Durch die zunehmende Nutzung der küstennahen Nordsee gingen ohnehin immer mehr Fanggebiete verloren und ob die Gebiete um die britischen Inseln nach dem Brexit noch zur Verfügung stünden, sei auch ungewiss.