Umfrage des Bundes-Umweltministeriums: Diskrepanz zwischen denken und handeln

Anfang Juli stellte Bundesumweltministerin Svenia Schulze (SPD) eine Studie ihres Ministeriums vor. Die Studie erhob Meinungen zum Naturbewusstsein der Bundesbürger. Positiv ist zu vermerken, dass Umweltbewusstsein das Denken der Menschen in Deutschland immer mehr beeinflusst. So sehen beispielsweise 96 Prozent aller Befragten ein großes Problem in der steigenden Plastikflut in den Weltmeeren. Während es in den 1970er- und 80er Jahren der ölverschmierte Seevogel war, der Besorgnis hervorrief, so ist es heute der Vogelkadaver mit dem plastikgefüllten Magen.

Weniger Besorgnis erregt hingegen das Mikroplastik in den Gewässern. Grundsätzlich sind die winzigen Partikel zwar das noch größere Problem; weil man Mikroplastik aber nicht sieht, wird es in der Bevölkerung auch nicht als dringend wahrgenommen.

Mehr als 80 Prozent wollen, dass die Fangquoten reduziert werden und wären bereit, dann auch mehr für Fisch zu bezahlen. Und 66 Prozent der Bürger achten darauf, im Supermarkt zu keiner aussterbenden, bedrohten oder überfischten Fischart zu greifen.

Positiv sehen die Deutschen die Einrichtung der Meeresschutzgebiete. 93 Prozent der Befragten wünschen sich mehr davon. Generell fordern 90 Prozent der Befragten, dass in Meeresschutzgebieten das Fischen verboten werden soll.

Die Studie zeigt auch, dass das Umweltbewusstsein steigt, je höher der Bildungsgrad des Befragten liegt. Trotzdem zeigt sich bei der Gruppe des Bildungsbürgertums die größte Schere zwischen denken und handeln: Aufgrund des meist höheren Einkommens, fährt diese Gruppe die größeren Autos, sie verreist öfters als sozial schwächere Menschen und sie kann sich öfters Fleisch oder Fisch leisten – die Natur wird durch deren Verhalten also mehr belastet.

Die junge Generation allerdings interessiert sich kaum für Umweltschutzthemen. Svenia Schulze: „Wir haben es mit einem regelrechten Generationenbruch zu tun. Die Gruppe der 18 bis 29-Jährigen zeigt kaum Interesse an ihrer Umwelt und schiebt solche Themen einfach weg.“ Experten sehen hier die Politik gefordert. Schuld daran sei unter anderem auch, dass der Biologie- oder Naturkundeunterricht an den Schulen sich heute überwiegend mit chemischen- oder molekularen Themen befasst, anstatt wie früher die Lebenswelt von Tieren und Pflanzen zu beleuchten.   Heinz Käsinger