Unterwasser Video Schule 3
K u n s t l i c h t
unter den Wellen
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Von Horst Ackermann

Wie sich das Erscheinungsbild der Farben unter Wasser ändert, lernt ein Tauchneuling im Grundkurs. Die Antwort von submarinen Fotografen und Filmern darauf lautet: Kunstlicht.
Der Absorption der sichtbaren Farben unter Wasser können wir nur mit künstlichem Licht begegnen. Wer als Filmer lediglich unter tropischer Sonne direkt unter der Wasseroberfläche agiert, benötigt kein zusätzliches, künstliches Licht. In unseren nördlichen Breiten gibt es Grenzfälle. Schon ein Schatten kann den Einsatz von Kunstlicht erforderlich machen.
Bei der Wahl einer geeigneten Video-Unterwasserbeleuchtung haben wir unabhängig von Technologien auch noch Folgendes zu beachten: Wir haben grundsätzlich zwei konstruktiv unterschiedliche Lösungen. Die erste vereinigt Akku und Lampenkopf in einem gemeinsamen Gehäuse, welches meistens ein röhrenähnlicher Behälter ist. Bei der zweiten Möglichkeit ist der Akku-Behälter separiert. Er sitzt evtl. unter dem Camcorder-Gehäuse, unter den Tragflügeln, am Gürtel oder mit Schellen oder Gurten befestigt an der Flasche auf dem Rücken des filmenden Tauchers. Die Lampenköpfe – durch Kabel mit dem Akku-Behälter verbunden – sind an Armen oder unter den Tragflügeln angebracht. Eine der besten Lösungen wird oft vergessen – der Tauchpartner. Erstens hat der Filmer etwas von den Geräten abgegeben, zweitens durch den tauchenden Beleuchter immer einen Tauchbegleiter. Drittens machen die gemeinsamen Unterwasser-Filmabenteuer doppelte Freude und viertens sind die Möglichkeiten der ungebundenen Beleuchtung durch die Entfesselung der Lichtführung unbegrenzt. Ob man eine Lichtanlage in einem gemeinsamen rohrförmigem Körper wählen wird oder Lampenkörper und Akkutank in separater Ausführung angewendet werden sollen, ist eine Frage, die jeder Anwender selbst nach seinen Erfordernissen entscheiden muss.

Gasentladungsleuchten
In jüngster Zeit werden vermehrt Videoleuchten mit so genanntem Tageslicht für den Unterwassergebrauch angeboten, doch die haben nicht nur Vorteile: Ein ziemlich hoher Preis und nicht die Möglichkeit beliebiger Ein- und Ausschaltung sind Gegenargumente. Konstruktionsbedingt sollten solche Lampen immer mindestens fünf Minuten eingeschaltet bleiben und nach dem Ausschalten 15 Minuten aus. Die Hersteller argumentieren, dass die Brenndauer ihrer Lampen ja 2000 Stunden beträgt und man die Lampe unmittelbar im Wasser einschaltet und erst nach dem Verlassen des Wassers wieder ausschaltet. So hätte man 2000 Tauchgänge zu je einer Stunde mit ständigem Licht.

Halogenleuchten s75_licht_04
Leuchten auf Halogenbasis werden von allen Herstellern in unterschiedlichsten Konstruktionen angeboten. Hallogenleuchten sind recht preiswert und haben sich seit vielen Jahren bewährt.
Halogenleuchten liefern, entgegen Gasentladungskonstruktionen, ein relativ warmes Licht welches bei etwa 3600 Kelvin angesiedelt ist. Ersatzbrenner kosten unter zehn Euro und sie lassen sich kräftig dimmen. Durch gezielte Überspannung ist eine große Lichtleistung möglich. Auch sind, durch ein Auswechseln der Brenner, geringe Lichtleistungen möglich, was bei Aufnahmen im Nahbereich dem Operateur sehr entgegen kommt. Mit nur 20 Watt steht Ihnen genügend Licht zur Verfügung und sie haben somit einen ausgeglichenen Kontrast bei Ihren kleinen Motiven. Ob man sich nun zu einer Gasentladungs- oder Halogenlösung entschließt ist fast schon eine Glaubensfrage. Hier richtet sich eine An-chaffung nach den Zielen und Möglichkeiten des Anwenders. Grundsätzlich sollte sich eine Unterwasser-Video-Beleuchtung durch folgende Eigenschaften auszeichnen: Geringes Gewicht (Flugreisen, Transport), gleichmäßige, weitwinklige Ausleuchtung (kein Spot), lange Brenndauer, kurze Ladezeiten, denn auf Bootsreisen stehen nicht immer unbegrenzte Lademöglichkeiten zur Verfügung. Gute Verarbeitung und Ausrichtungsmöglichkeit der Lampen. Etwa 50 Watt und die Möglichkeit von Überspannungsbetrieb und Dimmbarkeit sollte eine (Ha-logen-) Leuchte schon haben. Thema Weißabgleich: Es hat sich in den meisten Fällen gezeigt, dass der heutige automatische Weißabgleich an den Camcordern, der ja jetzt durch das Ob-jektiv erfolgt, in der Regel so hervorragend arbeitet, dass man ihm getrost vertrauen sollte. Versuche mit manuellem Abgleich zeigen, dass nur in Ausnahmefällen von diesem erheblichen Aufwand Gebrauch gemacht werden sollte. Die Aufnahmedistanz für befriedigende Farbaufnahmen wird immer bei etwa maximal 1,5 Metern liegen. Merken wir uns: Bei einer Aufnahmedistanz von nur einem Meter beträgt der Lichtweg bekanntlich zwei Meter. Die Farbtemperatur unserer Lichtquelle steigt auf dem Weg durch das Wasser extrem an, sie verdoppelt sich etwa. Aus Kunstlicht mit rund 3200 Grad Kelvin wird Tageslicht von etwa 5000 bis 7000 Grad Kelvin. Bedenken Sie bitte, dass Sie bei Flugreisen Ihre Leuchten be-sonders deklarieren. Ihre Unterwasserbeleuchtung fällt bei den Fluggesellschaften unter die Kategorie Gefahrengut und das ist auch richtig so, denn ein Kurzschluss einer Leuchte könnte im Laderaum eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes auslösen. Bei Leuchten, bei denen Akkutank und Lampenkörper getrennt sind, unbedingt vor dem Transport die Kabelverbindung vom Akkutank trennen und die Buchse am Tank mit einer Schutzkappe verschließen und schützen.