Artenvielfalt kontra wirtschaftliche Interessen am Amazonas

Das Amazonasgebiet und der angrenzende Regenwald sind ja immer mal wieder widersprüchlich in der Diskussion. Einerseits ist das Gebiet eines der artenreichsten der Welt. Und noch immer werden dort ständig neue Arten entdeckt – im Durchschnitt alle zwei Tage eine neue. Laut WWF wurden in den Jahren 2015 und 2016 zusammen 381 neue Arten identifiziert, darunter auch (für den Taucher) spektakuläre Tiere wie eine wasserlebende Würgeschlange, ein rosafarbener Delfin oder eine neue Rochenart. Auch neue Pflanzen (216 Arten), neue Vogelarten (eine) und neue Reptilien (19 Arten) wurden in den vergangenen beiden Jahren entdeckt; darüber hinaus 32 Amphibienarten, 93 Fische und 20 Säugetiere.

Andererseits wird das Gebiet gnadenlos und ohne Rücksicht auf Umwelt- und Artenschutz ausgebeutet. Erst kürzlich gestattete der Staatspräsident Michel Temer einigen Unternehmen, seltene Erden, Metalle und Mineralien in einem knapp 50 000 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet kontrolliert abzubauen. Da Umweltschützer und große Teile der Bevölkerung, darunter alt eingesessene Ureinwohner, gegen diesen Entscheid Sturm liefen, setzte Temer sein Dekret aus.

„Es wäre doch besser, der Abbau der Mineralien fände kontrolliert und unter staatlicher Aufsicht statt, anstatt in anderen Schutzgebieten wild und bar jeglicher Kontrolle“, verteidigt sich der Präsident. Zuvor hatte schon ein Gericht die Änderungen des Schutzstatus’ die nicht per Gesetz sondern nur per Erlass ergehen, für ungültig erklärt.

Wirtschaftsexperten vermuten, dass dieser Sieg der Umweltschützer nur vorübergehend sein wird und der Naturschutzstatus vieler Gebiete am Amazonas über kurz oder lang fallen wird. Wirtschaftlich zu wichtig sei die Förderung der Bodenschätze, zu mächtig seien die profitierenden Firmen.

Ricardo Mello, der das WWF-Forscherteam in Brasilien leitet, erklärt: „Der Regenwald ist einer der wichtigsten Klimaregulatoren der Erde. Je geringer sein Bestand wird, desto höher wird die CO2-Belastung in der Atmosphäre. Dazu sind die biologischen und ökologischen Zusammenhänge noch sehr wenig erforscht.“ Pro Jahr verschwindet alleine in Brasilien Regenwaldfläche in der Größe der Bundesrepublik.