Weltkrieg I-Wracks im Norden Irlands

20_justicia(Alte Aufnahme der "SS Justicia". Fotograf, Ort und Datum des Fotos sind unbekannt)

Ein Wrackplatz der Superlative liegt im Norden Irlands vor Londonderry. Dort haben sich in den beiden Weltkriegen unzählige Dramen abgespielt, alliierte wie auch deutsche Schiffe sind zu Dutzenden versenkt worden.

Der irische Wracktaucher Darragh Norton, der aber in Riehen, Schweiz, wohnt, besuchte kürzlich das Wrack der „SS Justicia“, einen ziemlich weit vor der Küste gesunkenen Truppentransporter. Die „Justicia“ war im Juli 1918, also kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs, auf dem Weg von Belfast nach New York. Begleitet wurde der Transporter von einem Zerstörer. Nur 37 Kilometer weit kam der kleine Verband, als ein deutsches U-Boot die Schiffe ausmachte und das Feuer eröffnete. Zu diesem Zeitpunkt befand man sich vor Skerryvore (Schottland). Das U-Boot traf die „Justicia“ zwar, jedoch waren die Zerstörungen nicht so schlimm, dass das Dampfschiff hätte sinken müssen. Man schloss einige Luken und wandte sich gen Westen, um dem U-Boot zu entkommen. Glücklicherweise waren keine Truppen an Bord, nur die Besatzung. Nach dem Angriff evakuierte man die meisten von ihnen, nur das nötigste Personal blieb an Bord.

Aber die Deutschen blieben dem kleinen Flottenverband auf den Fersen. Am kommenden Tag kehrten sie zurück und schossen mehr Torpedos auf die „Justicia“ ab, insgesamt sechs. 16 Crewmitglieder wurden getötet, dann sank der Dampfer.

Heute liegt er rund 45 Bootsminuten vor der nordirischen Küste in 70 Metern Tiefe. Das heißt, er liegt außerhalb der Reichweite von Sporttauchern. Nur Technische Taucher können das Wrack mit speziellen Atemgemischen erreichen. Norton: „Die Bedingungen sind erstaunlich gut. Nicht selten hat man hier Sichtweiten von 30 Metern und mehr.“

In der Nachbarschaft zur „Justicia“ liegen mit der „SS Empire“ (gesunken im September 1944 auf dem Weg von New York nach Liverpool), der „HMS Audacious“ (gesunken auf einer Patrouillenfahrt im Oktober 1914) und der „SS Laurentic“ (auf dem Weg von Liverpool nach Halifax, Janaur 1917) weitere mahnende Zeugen zweier großer Kriege. H.K.