Der Irrsinn beginnt: Tief, tiefer, Tiefseegrabungen

jialong( Die „Jiaolong“ kann in Tiefen bis zu sieben Kilometer vordringen und dort Felder von Bodenschätzen erkunden (Foto: Chonghe Marine Industrie, Text: H.K.)

 

Die chinesische Werft Fujian Mawei Shipbuilding arbeitet derzeit an einem Schiff, das alle bisher in China gebauten Schiffe in den Schatten stellen wird. Soeben ist der Rumpf des 227 Meter langen Ozeanriesen fertiggestellt worden und ein Sprecher der Werft informierte in einer Pressemitteilung: „Wir sind exakt im Plan. Alles im grünen Bereich.“ Das Schiff könne, so der Sprecher weiter, im kommenden Jahr 2018 an das kanadische Unternehmen Nautilus Minerals übergeben werden. Darüber hinaus gehende Informationen gab die Werft nicht, technische Details zum Schiff unterliegen strengster Geheimhaltung.

Wenige Tatsachen aber traten ans Licht und die sehen wie folgt aus: Es handelt sich bei diesem Schiff um ein Schürf-Schiff, das Bodenschätze in Tiefen bis zu 2,5 Kilometern abbauen kann. Folgerichtig wird es auf dem Schiff Bergbauausrüstung, tauchfähige Roboter, Bohrvorrichtungen und Landeplattformen für Helikopter geben. Das Schiff kann fünf Jahre lang ununterbrochen auf See bleiben!

Der chinesische Minister für Land- und Bodenschätze, Jiang Daming, sagt dazu: „Tiefbohrungen, ob an Land oder auf See, sind eine strategische Herausforderung. Oberflächennahe Bodenschätze sind weitgehend abgebaut und wer aus besonderer Tiefe fördern kann, der hat einen klaren wirtschaftlichen Vorteil.“ In der Tat, so vermuten Geowissenschaftler, lagern speziell in der Tiefsee 88 Billionen Tonnen Seltene Erden, eine Billion Tonne Kobalt und drei Trillionen Tonnen gemischtmetallische Knollen. – Ein Riesengeschäft für alle Beteiligten und von diesem Kuchen will China ein besonders großes Stück abhaben.

Deshalb treibt das Land die Entwicklung entsprechender Techniken voran. Fachleute staunen ohnehin. 2014 lief bei der Chonghe Marine Industrie, Shanghai, die „Taixin No. 1“ vom Stapel, die die Fähigkeit besitzt, Zirkonium und Titan abzubauen – und das in Tiefen von 80 bis 100 Meter. Die Ingenieure der Werft waren damals besonders stolz auf diese Fähigkeit. Denn gängige Technik beschränkt sich auf Tiefen von 40 Meter und weniger.

Westliche Beobachter staunen darüber, wie es China gelingen konnte, innerhalb von nur drei Jahren einen Technologiesprung von 100 Meter auf 2500 Meter zu machen. Tatsache ist, dass die Regierung einen von 2016 bis 2020 dauernden Plan aufgestellt hat, der das „Auffinden, Vermessen und Ausbeuten unterseeischer Minen“ zum Ziel hat.

Teil dieser Anstrengungen ist auch das bemannte Forschungs-U-Boot „Jiaolong“, seit 2010 im Dienst und mit der Fähigkeit ausgestattet, Lagerstätten von wertvollen Mineralien in Tiefen von bis zu sieben Kilometern aufzufinden und zu erkunden. Dem nicht genug, wurde Ende vergangenen Jahres eine wissenschaftliche Kommission zusammengestellt, die die theoretischen Grundlagen der Ausbeutung der Tiefsee schaffen soll. Jiang Daming hat die Mitglieder der Kommission bei der Gründungsveranstaltung noch einmal explizit auf die politische und historische Bedeutung ihrer Aufgabe hingewiesen: „Die Tiefsee steckt voller Schätze. Es ist an Ihnen, die Schlüsseltechnologien zu entwickeln, die es uns möglich macht, an diese Schätze heran zu kommen.“

Zurück zum gerade im Bau befindlichen Riesenschiff: Das soll in den internationalen Gewässern vor Papua Neu Guinea operieren. Selbstverständlich in ökologisch sensiblen Regionen, die durch den starken El Niño ohnehin stark strapaziert sind. Und überhaupt sind die Auswirkungen großer Veränderungen durch Tiefseearbeiten auf unseren Planeten nicht einmal ansatzweise erforscht. Kritische Experten meinen, dass sich der Mensch noch innerhalb dieses Jahrtausends selbst ausrotten wird.