Die Schwarzmaulgrundel erobert Nordeuropa

schwarzmaulZuerst machte sie sich im Rhein breit und in Holland und in den Flüssen von Belgien. Dann eroberte sie die Ostsee und die Oder. Und jetzt schickt sie sich an, auch die Elbe zu übernehmen: Die Schwarzmaulgrundel ist ein typischer Neophyt. Auch, was die Meinung von Experten und Laien betrifft.

Zunächst einmal ist dieser Fisch, der etwa 25 Zentimeter lang werden kann, in Südosteuropa heimisch. Im Schwarzen Meer, im Donaudelta, im Ägäischen Meer und in der Mariza da fühlt er sich zuhause – und ist es auch. Bewohnen kann er beide Welten, die des Salzwassers genauso wie die des Süßwassers. Ob er nun als blinder Passagier im Bilgewasser eines Schiffes oder über die Donau und andere Flüsse und Kanäle zu uns nach Mitteleuropa gelangte, ist nicht klar. Tatsache ist, der robuste kleine Fisch hat es geschafft.

Bei Anglern ist er umstrittenes Stammtischthema. Die einen schätzen ihn, weil er ein wohlschmeckendes, festes Fleisch hat, das darüber hinaus auch noch nahezu grätenfrei ist. Die anderen nennen die Schwarzmaulgrundel einen Nesträuber, der den Laich und die Larven anderer Fische frisst und damit die Bestände der so genannten Edelfische wie Hecht, Zander und Schleie gefährdet.

Experten sind weniger skeptisch aber nicht frei von Bedenken. Zunächst einmal diene dieser verhältnismäßig kleine Fisch den großen Lauerräubern wie dem Hecht oder der Aalrutte selbst als Nahrung. Er steht damit quasi ziemlich unten in der Nahrungskette. Auch der Laich anderer Fische würde ihn nicht sonderlich interessieren, er hält sich an Plankton und vor allem an Kleinstlebewesen im Grund von Meeren und Flüssen. Krebstierchen, Schnecken, Muscheln und Würmer sind seine Lieblingsspeise. Das hat allerdings auch einen unschönen Nebeneffekt: Da Zander sich mittlerweile großenteils von Schwarzmaulgrundeln ernähren, haben sie so viele Schadstoffe angehäuft, dass sie in manchen Regionen nicht mehr gegessen werden dürfen, weil sie über ihre Beute hoch mit Umweltgiften belastet sind. Die Schadstoffe sind wiederum über Muscheln, die Umweltgifte bekanntlich aus dem Wasser filtrieren, in die Grundeln gelangt.

Wenn der neue Fisch sich in einem Gewässer ausbreitet, so geschieht dies, so haben Forscher herausgefunden, mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Jahr.H.K.