Heinrich-Böll-Stiftung: Meeresatlas Daten und Fakten über unseren Umgang mit dem Ozean

Heinrich-Böll-Stiftung:

Meeresatlas

Daten und Fakten über unseren Umgang mit den Ozeanen

Broschiert mit sw. Titelbild, Format DIN A4

50 S. mit sehr vielen farbigen Abb.

Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, 2017

Preis: Kostenlos,

der Text auch abrufbar unter http://creativecommons.org/licenses/by/40/de/legalcode 

Buchbesprechung von Wolfgang Freihen (Juni 2017):

Verschiedene Institute, die sich intensiv mit der Meeresforschung auseinandersetzen, haben hier mit der Heinrich-Böll-Stiftung zusammengearbeitet, um dieses Buch – ja, eigentlich müsste man eher sagen – dieses Heft herauszubringen. Es hat DIN A4- Format, und würde es als normales Buch erscheinen, dann wären es deutlich über 100 Seiten. Man kann es umsonst erwerben, jedenfalls lohnt sich die Anschaffung sehr. Man kann es auch im Internet herunterladen. Der Untertitel lässt ahnen, um was es im Einzelnen geht. Wir gehen nämlich nicht gerade ordentlich mit unseren Ozeanen um, und die meisten machen sich kaum Vorstellungen, was da so alles geschieht. Sicher – die Ozeane sind für die meisten von uns weit weg, und da macht man sich weniger Gedanken. Dabei wäre es sehr angebracht, denn derzeit werden die Meere regelrecht ausgeplündert und wir benutzen sie über Gebühr als Abfalleimer. Dabei stellen sie eigentlich  die  Lebensgrundlage einer wachsenden Weltbevölkerung dar: Um die Mitte dieses Jahrhunderts werden wir immerhin schon 10 Millionen Menschen sei. Und wie soll das weitergehen? Dabei gibt es derzeit noch immer keine oberste internationale Behörde, die für den Schutz des gesamten Meeres verantwortlich ist. Die Industrialisierung der Ozeane steht gerade erst am Anfang: Das Bohren nach Erdöl und Erdgas wird umso gefährlicher, je weiter wir nach unten gehen, und obwohl viele Geheimnisse der Tiefsee noch unerforscht sind, soll bereits mit dem Tiefseebergbau begonnen werden. So werden möglicherweise Ökosysteme vernichtet, bevor wir sie kennen gelernt haben. Der Welthunger nach Rohstoffen lässt uns nach Manganknollen, Kobaltkrusten und Schwarzen Rauchern greifen. Wir befinden uns inmitten einer ungeheuren Herausforderung: Einem Klimawandel, der schon jetzt für viele lebensbedrohlich ist. Zwar dämpfen derzeit die Meere diese Gefahr, doch ungeheure Flüchtlingsströme, unter denen wir schon heute leiden, werden nicht nur durch den Krieg in Syrien ausgelöst. Trockenzonen, unter denen die Ärmsten am stärksten leiden, breiten sich aus und zwingen zur Migration. Das gleiche wird geschehen, wenn die Meeresspiegel weiter ansteigen: Immerhin leben schon heute die meisten Menschen in 200 km Küstennähe. Trotzdem werden weiterhin Mangrovensümpfe abgeholzt, damit der Küstenschutz gefährdet. Die Meerestemperatur erhöht sich, Riffe sterben ab, kalkbildende Tiere verlieren lebenswichtige Grundlagen. Das Meer versauert ständig weiter, Überfischung ist längst an der Tagesordnung, die Mikronahrung leidet unter der Versauerung, Fischfarmen und andere Aquakulturen sind ebenfalls noch immer nicht problemlos, Todeszonen entstehen im Mündungsgebiet vieler Flüsse. Durch Staumauern findet in gleichen Gebieten keine ausreichende Sedimentation statt. Müll und Gift landet im Meer, ungeheure Plastikmengen sammeln sich in riesigen subtropischen Wirbeln, und am Mikroplastikproblem gehen nicht nur Vögel zugrunde. In der Tat – wir leben inmitten einer Meereskrise, die ungeheure Probleme aufwirft und allmählich immer stärker in den Blickpunkt rückt. Das Heft beschäftigt sich mit all diesen Krisen und setzt sich mit der Zukunft auseinander, zeigt auch, welchen Einfluss Welthandel und Preiskampf bieten. Die Welt muss gemeinsam handeln, um all diese Probleme gemeinsam zu meistern, und wir alle haben unseren Einfluss dabei geltend zu machen, packen wir es an!