Willkommen auf Kuba! Tag 10

winker-4Die letzten drei Tage war ich mitten im Nirgendwo. Sprich der nächsterreichbare, halbwegs ernstzunehmende Internetanschluss war in 35 Kilometer Entfernung von meinem Standort. Die Tauchbasis, die mich auch beherbergt hat, hatte zwar einen rudimentären Anschluss, aber um nur den bereits fertigen Text abzuschicken, hat der Rechner fast fünfzehn Minuten gerattert und die Telefonleitung hat geglüht. Bilder konnten nicht verschickt werden. Diese Einsamkeit hatte aber auch Vorteile, denn die Gegend um die Schweinebucht ist ein wahres Naturparadies. Wie bereits im vorherigen Text geschildert, gibt es zahlreiche Wildtiere in den Sümpfen und das wildeste und gefährlichste davon ist die Stechmücke. Mein Begleiter Peter Wolfram und ich sind gestern nachts noch los, um, wie bereits angekündigt, die roten Taschenkrebse auf ihrer Wanderung zu fotografieren. Begleitet wurden wir von Millionen von Schnaken und heute sehe ich aus wie ein Streuselkuchen. Aber ich möchte mich nicht beklagen, denn wie ihr auf dem Bilde seht, habe ich den Scherenmann in den Kasten bekommen.

hirnkoraleHeute Vormittag haben wir dann den letzten Tauchgang unternommen und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass das Riff am Punta Perdiz einer der schönsten Korallengärten ist, den ich je gesehen habe. Die Sandfläche, über die man hinwegtaucht, um zum Riff zu kommen reflektiert durch das glasklare Wasser hindurch das Licht, dass an fotografieren nicht zu denken ist – das Display bleibt schlichtweg unsichtbar. Weiter unten in der Tiefe gab es dann zuerst ein kleines Wrack, später die typischen Becherschwämme, Schnapper und eine respektable Muräne.porzellanschnecke Trotzdem bleibt festzustellen, dass es, zumindest in der Schweinebucht, relativ wenige Fische gibt. Nun, wir haben ausschließlich vom Land aus getaucht und weiter südöstlich gibt es Tauchplätze, die man mit dem Boot ansteuert, vielleicht hat es dort mehr Fische. Allerdings hat man an jener Stelle das Problem, dass es ein solches Tauchboot nicht gibt. In den kommenden Jahren will Wolfgang Keller von Cuba-Diving (Erlangen) zusammen mit Partnern vor Ort (hier vor allem Karl Janeke) einiges investieren. Ich jedenfalls drücke die Daumen, dass die ehrgeizigen Pläne wahr werden, weil erstens sind die Leute super nett und zweitens hätten auch die Kubaner diese Chance verdient.

Wenn man so auf der Terrasse seiner Casa Particular sitzt und die Eindrücke auf sich wirken lässt, dann merkt man erst, was für ein komfortables, überreiches Leben man in Europa führt. Zum Beispiel beim Einkaufen: Wir gehen in den Supermarkt und kaufen alles, was es dort hat und was man braucht. Das ist hier auf Kuba kaum möglich, zumindest ist es stark eingeschränkt. Heute Mittag zum Beispiel kam der Gemüsetraktor zur Casa gefahren. Der Mann fuhr den Trecker und die hoch schwangere Frau saß hinten auf dem Anhänger auf den Kartoffelsäcken. Im Angebot waren Bananen, Mango, Kartoffeln, Kürbis und Guaven. Der Koch hätte aber auch Gurken und Tomaten gebraucht, das hatte man auf dem spärlich beladenen Wagen nicht. Also musste der Chef Ronel ins 35 Kilometer entfernte Playa Larga fahren um sich dort umzusehen. Das Ehepaar, das das Gemüse verkauft hatte, war so begeistert, dass ich es fotografiert habe. Es war wirklich wieder rührend, dass mir die Frau dafür eine Mango schenken wollte. Aber ich habe mich nicht breitschlagen lassen, sie zu nehmen, sondern habe ihr vielmehr zwei Mangos abgekauft. Das war ihr nicht recht, aber mir war es ehrlich gesagt peinlich, von so armen Leuten etwas anzunehmen.

kolibri-3Die Kolibris flattern einem dort unten geradezu vor die Nase und das gibt es eben bei uns in Deutschland nicht und auch die riesigen Schmetterlinge fehlen bei uns und, wetten, bei uns gibt es auch nicht so viele glückliche Menschen. Das finde ich irgend wie beeindruckend, der Lebensentwurf hier heißt Fröhlichkeit ohne materiellen Hintergrund. Klasse!

Die heutige Nacht verbringe ich wieder in Havanna, Karl hat uns abgeholt. Allerdings bin ich nicht bei meiner alten Gastfamilie sondern bei Olga. Die Wohnung Olgas ist riesig, sie wohnt ebenerdig in einem Eckhaus in einem typisch kolonialen Gebäude. Von der Straße aus betritt man direkt den riesigen Wohn-Essbereich und Olga ist eine super Köchin. Das Abendessen war jedenfalls erste Sahne. Darüber hinaus spricht sie bestes Deutsch, denn sie hat lange noch in der ehemaligen DDR gearbeitet. Heinz Käsinger