Willkommen auf Kuba! Tag 8 + 9

Das kubanische Reisetagebuch konnte am achten Tag der Reise leider nicht aktualisiert werden, weil wir an jenem Tag unterwegs waren und zwar von Havanna aus zur Schweinebucht, jenem historischen Ort, wo die Kubaner einen Angriff US-Amerikas abwehrten. Die Schweinebucht liegt mitten im Nichts und dementsprechend einsam ist es hier, aber die Tauchgründe sind daher auch ziemlich unberührt. Und das war der Hauptgrund, hierher zu kommen – das Tauchen. gespensterkrabbeWir begannen gestern Abend mit einem Nachttauchgang. Eine riesige Krabbe empfing uns gleich am Einstieg und drohte mit ihrer Schere. Ihrer Schere? Krabben haben doch in der Regel zwei davon? Ja, aber nicht unser Begrüßungsmeister. Der war schon etwas ramponiert, wahrscheinlich hat ihm ein großer Zacki eine Schere und zwei seiner Beine abgebissen. Aber ich glaube, der alte Bursche lebt auch auf sechs Beinen und einem Kneifwerkzeug recht gut. Weiter im Verlauf des unter Wasser stattfindenden Spaziergangs sahen wir dann kleine Muränen, Rochen, Barsche und schließlich noch einmal eine Krabbe. Wir tauchten nie tiefer als 20 Meter, das meiste spielte sich tatsächlich im Flachwasser ab, genau das Richtige für einen ersten Tauchgang.

tauchbusHeute früh gab es dann zwei Tauchgänge für die anderen Gäste hier und einen langen Abstieg für mich. Ort war einer der schönsten Korallengärten, die ich je betaucht habe. Es begann mit zahlreichen üppig besiedelten Korallenblöcken, die sich weiter draußen zu einem zusammenhängenden Feld verdichteten. Dann fiel dieser in eine Steilwand ab. Höhepunkt auf etwa 20 Meter war ein riesiger Trompetenschwamm, der seinen Körper ins Freiwasser reckte. Als Zuckerchen kamen wir auf dem Rückweg im Flachwasser bei etwa fünf Metern Tiefe, noch an einem kleinen Wrack vorbei. Noch ein Wort zum Tauchbetrieb: Ein Bus liest die Taucher in ihren verschiedenen Quartieren morgens um 9.00 auf und bringt sie zum Tauchplatz. fahrerGetaucht wird von Land aus und während die Taucher im Wasser sind, spielt Busfahrer Pancho Viagra (er wird spotthalber so genannt) Dame. Der Tag wird heute mit einem weiteren Nachttauchgang enden. Und einem einfachen aber leckeren Abendessen hier in meinem Hotel, das aber eher eine kleine Pension ist. Betrieben wird sie von den herausragenden Unternehmern der Gegend, Yvette und Ronel, ein Ehepaar, das auch den örtlichen Tauchbetrieb managt. Ronel seht ihr auf einigen der Unterwasserfotos. Die Gebäude, in denen Schlaf- und Restaurantbetrieb untergebracht sind, liegen mitten im Sumpf der Schweinebucht. Im Dschungel, der unmittelbar hinter den Häusern beginnt, hat es, wie auf der Halbinsel Yukatan im benachbarten Mexiko, zahlreiche Cenotes. Da hätte ich auch gerne drin getaucht, weil vergangenen Monat aber zwei Taucher (ein Gast und sein Guide) wohl für immer in einer solchen blieben, ist es derzeit verboten. Ronel will mich jedenfalls noch nicht mal in den Eingangsbereich lassen, klar, er fürchtet erwischt zu werden und dann gibt es Strafen. Übrigens: Aligatoren leben auch noch in den Sümpfen und seltene Vögel, Sumpfbiber, Hirsche, Wildschweine und über allem schweben Gänsegeier. Sobald ich diese Geschichte abgeschickt habe, werde ich mich zu einem ausgedehnten Erkundungsgang samt Teleobjektiv aufmachen. Heute Abend werde ich mir dann noch ein Schauspiel nicht entgehen lassen, für das vor allem die Weihnachtsinseln bekannt sind, die Krabbenwanderung. Die gibt es hier auch, etwas weniger stark aber immerhin. Vor ein, zwei Wochen sind einhunderttausende der roten Scherenträger hier durch den Mangrovenwald gewandert. Der Höhepunkt ist zwar vorbei, aber noch immer sind es Dutzende Krabbelmänner, die die Gegend unsicher machen. Heinz Käsinger