Titanic-Touren für 100 000 Euro

Man schrieb das Jahr 1985, als der Meeresforscher und Abenteuerer Robert Ballard das wohl berühmteste Schiff der Welt wiederentdeckte: Die „Titanic”. Ihr Wrack liegt in einer Tiefe von rund 3800 Meter, etwa 550 Kilometer vor der Küste Neufundlands. Es dauerte nicht lange und ein regelrechter „Titanic”-Tourismus setzte ein. Wer es sich leisten konnte, der buchte eine Fahrt mit einem kleinen U-Boot und fuhr hinunter. Bis zu einer halben Millionen Euro hat man damals für so eine Tour hingelegt, je nach Komfort und Reisedauer des Mutterschiffs des U-Bootes. Wiederum nur kurze Zeit später stießen Konkurrenzanbieter aus Russland und China mit Dumpingpreisen in den Markt – für unter 80 000 Euros konnte man damals einen solchen Abstieg buchen. Der „Titanic”-Boom war so heftig, dass Fachleute prophezeiten, dass das Wrack des Passagierdampfers in wenigen Jahren zerstört sein würde. Zum Glück ließ das Interesse bald darauf stark nach, seit zwölf Jahren gab es jetzt keinen Ausflug mehr zum Wrack.

Die Bedingungen einer solchen Tour sind heute nicht besser geworden. Noch immer herrscht in 3800 Metern Tiefe absolute Finsternis. Noch immer muss man zwei Tage lang über den stürmischen und unberechenbaren Nordatlantik zur Havariestelle fahren und sich dann in ein kleines, enges U-Boot ohne Toilette zwängen, das einen dann hinunter zum Meeresboden bringt – und hoffentlich auch wieder hinauf. Doch all diese logistischen, nennen wir es mal vorsichtig Feinheiten, konnten es nicht verhindern, dass die Nachfrage an Touren zum ehemaligen Whitestar-Liner langsam wieder anziehen. Deshalb bietet der Reiseveranstalter Blue Marble Private ab dem bevorstehenden Mai 2017 auch wieder Touren zur „Titanic” an. Zunächst wollen die Londoner Spezialisten neun Personen mit einem neuartigen U-Boot hinunter bringen. Fahrpreis pro Person: rund 87 000 Britische Pfund, bzw. ungefähr 100 000 Euros muss ein Fahrgast für den Trip hinlegen. Das ist weniger als mit einem westlichen Anbieter vor 20 Jahren, aber noch immer mehr, als ein russischer verlangen wird. Auslöser des neuerlichen Booms dürfte sicherlich die Eröffnung des Titanic Belfast Museums 2012 sein. Das steht auf dem Gelände der Northern Ireland Shipyards, wo der Liner vor mehr als 100 Jahren gebaut wurde und vom Stapel lief. Kürzlich wurde dieses Museum zu einer der besten Touristenattraktionen weltweit erklärt und lockt Besucher zu Tausenden an. Man darf gespannt sein, wie sich die Touren entwickeln.Text H.K.