„Dorie“ bringt Doktorfische in Gefahr

doktorfischDer Paletten-Doktorfisch ist ein schöner Fisch. An einem dunkelblauen Körper leuchten gelbe Flossen und an der Seite prangt ein interessantes schwarzes Muster. Dazu bewegt er sich in der Umgebung bunter Korallenriffe. Nicht zuletzt deshalb haben ihn die Animationskünstler von Hollywood als Titel gebende Hauptfigur im Zeichentrickfilm „Findet Dorie“ ausgewählt. Dorie leidet unter Gedächtnisschwund und versucht, ihre Familie wieder zu finden. Daraus entwickeln sich meist harmlose Abenteuer und das Happy End ist abzusehen. Für Kinder, halt.

Kein Happy End gibt es aber für manch richtigen Doktorfisch, der sich in den Riffen der Philippinen, Indonesiens oder der Malediven (noch) seines Lebens freut. Denn in Aquarianerkreisen ist der Paletten-Doktorfisch, wegen des Films, zum Liebling avanciert. Um mehr als 800 Prozent ist die Nachfrage nach dem nachtblauen Fisch in die Höhe geschnellt, seit der Film im Sommer in Amerika und im Herbst in Europa in die Kinos kam.

Doktorfische heißen Doktorfische, weil sie hinten am Körper, kurz vor der Schwanzflosse, einen skalpellförmigen Auswuchs haben. Sie werden 30 bis 40 Zentimeter lang und bis zu 1,3 Kilogramm schwer. Dabei gilt der Rifffisch unter Aquarianern als schwierig. Ein einzelnes Exemplar braucht mindestens ein 1000-Liter-Becken, zwei oder drei Fische entsprechend mehr. Der Doktorfisch pflanzt sich in Gefangenschaft nicht fort. Wer einen will, muss diesen aus Wildfängen kaufen und die Jäger in den Tropenriffen sind dabei nicht zimperlich: Sie betäuben die Fische mit Cyanid, um sie fangen zu können. Cyanide sind die Salze der Blausäure, ein hoch giftiges Präparat, das verheerende Umweltschäden in den Riffen anrichtet. Da 80 bis 90 Prozent der gefangenen Fische den Transport nicht überlebt (schwere Organschäden wegen des Cyanids), müssen die Jäger entsprechend mehr Fische sammeln. Und das tun sie gerade mehr als fleißig, jedenfalls mehr, als es den Doktorfischbeständen guttut. Hollywoodfilme haben schon früher zum Raubbau der Meere beigetragen. 2003 hat der Film „Findet Nemo“ eine verstärkte Nachfrage auf Anemonenfische hervorgerufen. In manchen Riffen Südostasiens war der putzige Geselle nahezu verschwunden. Und Stephen Spielbergs „Der Weiße Hai“ hat Mitte der 1970er Jahre eine brutale Treibjagd auf Haie hervorgerufen. Sowohl Peter Benchley, der geistige Vater des Films, wie auch sein Regisseur Spielberg waren von dieser Folge mehr als betroffen. Beide sagten damals unisono, dass dieser Film so nicht gedreht worden wäre, wenn sie das früher gewusst hätten. Text: Heinz Käsinger, Foto: DerHans04/Wikimedie Creative Commos