Die Ostseefauna verändert sich dramatisch

tuemmler(Foto: NASA Mediaarchiv) Seit über einem Jahr schon schwimmen die beiden Großen Tümmler Selfy und Delfy in der Ostsee herum und entzücken die Badegäste. Sie nehmen tatsächlich Kontakt mit dem Menschen auf und lassen sich streicheln und fotografieren.Auch in der Kieler Förde tummelt sich ein Delfin und weiter östlich, zwischen Rügen und Usedom, hält sich ein rund zehn Meter langer Buckelwal auf.

Doch das ist nur das, was man auch auf den ersten Blick sieht. Wer sich mit Kleintieren auskennt und die Möglichkeit hat, abzutauchen, der bemerkt einen unscheinbaren Bodenfisch, die Schwarzmeergrundel. Und im Freiwasser treibt eine besondere Art der Rippenquallen. Beide Tiere sind, wohl im Bilgewasser von Schiffen, in die Ostsee eingeschleppt worden, weshalb man von Invasivarten spricht. Ursprünglich waren die beiden Immigranten nur im Schwarzen-, im Asowschen- und im Kaspischen Meer heimisch.

Die fremden Arten gedeihen prächtig. Wenngleich auch der Klimawandel nicht für die Verbreitung der fremden Arten verantwortlich ist, so begünstigt er doch deren Fortbestand. Experten des Leibnitz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde haben einen Anstieg der Oberflächentemperatur um rund 1,5 °C festgestellt und schätzen, dass sich die Temperatur im laufenden Jahrhundert auf bis zu vier °C erhöhen könnte.

Zurück zu den Meeressäugern. Ob diese auf Dauer in der Ostsee heimisch werden können, hängt von einigen Faktoren ab. So stellen Wissenschaftler fest, dass sich Wale und Delfine auch in der der Ostsee benachbarten Nordsee rapide vermehren. Dort bilden sie schon komplette Familien aus mit männlichen, weiblichen und juvenilen Tieren. In der Ostsee haben sich bislang nur Männchen blicken lassen. Die bleiben auf Dauer nur, wenn auch Weibchen nachkommen.

Ein weiterer Knackpunkt der Ostsee ist, dass sie im Winter oft zufriert, was dauerhafte Säugerpopulationen unmöglich macht – diese müssen als Lungenatmer regelmäßig auftauchen, um Luft zu holen. Dazu kommt, dass Großwale ausdauernde Wandertiere sind und die Ostsee liegt nicht an deren bevorzugten Strecken.

Was Delfine anbelangt, sind die Forscher sich trotzdem fast sicher, dass sie das Hausmeer der Deutschen als dauerhafte Heimat akzeptieren, denn mit Dorsch, Barsch und Hering steht auch genügend Nahrung zur Verfügung. Bei Großwalen aber sind die Wissenschaftler skeptisch. Der Buckelwal vor Usedom wird wohl die Ausnahme bleiben. Heinz Käsinger