HMSS „Britannic“ soll Taucher anlocken

olympicklasseVor rund 100 Jahren, am 21. November 1916, lief das britische Hospitalschiff „Britannic“ auf eine deutsche Treibmine und sank. Seither liegt das Schwesterschiff der „Titanic“ in rund 130 Metern Tiefe im Kanal zwischen den Ägäisinseln Kea und Makrònissos. Die 1036 Menschen an Bord konnten fast vollständig lebend evakuiert werden, es gab nur 30 Tote und 40 Verletzte. Die Besatzung hat damit eine logistische Meisterleistung vollbracht, da die „Britannic“ innerhalb von nur 58 Minuten sank. Kürzlich trat ein international besetzter Beraterkreis zusammen, der aus Tauchern, Wissenschaftlern, Behördenvertretern und Nachkommen von Opfern bestand. Dieser Personenkreis diskutierte das Ansinnen von Yannis Tsavelakos, dem Betreiber einer örtlichen Tauchbasis. Tsavelakos will um die „Britannic“ herum einen taucherischen Themenpark schaffen, der die „Britannic“ mit anderen Wracks dieses Meeresgebietes verbindet. Zum Beispiel mit dem Wrack der SS „Burdigala“, einem französischen Schiff, das unmittelbar vor der „Britannic“ sank, ebenfalls durch den Treffer einer Treibmine. Experten vermuten, dass es dasselbe deutsche U-Boot war, nämlich U-73, das die Minen ausgebracht hatte.

Die „Britannic“ war ein Schwesterschiff der berühmten „Titanic“, die 1912 im Nordatlantik mit einem Eisberg kollidierte und sank. Entdeckt wurde ihr Wrack 1975 von Jacques Cousteau, der darüber einen Dokumentarfilm machte. Als Hospitalschiff eines Krieges gilt die „Britannic“ als Kriegsschiff und bleibt somit nach internationalem Seerecht Eigentum der Nation, für die sie ihren Dienst tat. Die britische Regierung wiederum verkaufte das Wrack 1996 für 15.000 Pfund an den Schriftsteller und Marinehistoriker Simon Mills. Er ist es also, der nicht zuletzt dem Plan von Yannis Tsavelakos zustimmen muss. Und  Mills hat schon signalisiert: „Zuerst wollte ich, dass die „Britannic“ eine ungestörte Ruhestätte für die Ofer bleibt. Heute bin ich anderer Meinung und glaube, dass es besser ist, wenn wir solche Wracks für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Ich bin mir sicher, dass das unser Bewusstsein verändern wird.“ Die „Britannic“ wurde am 30.November 1911 von der Belfaster Werft Harland & Wolff auf Kiel gelegt und lief am 26. Februar 1914 vom Stapel. Das Schiff war ein nahezu identischer Zwilling der „Titanic“, war aber mit mehr Rettungsbooten ausgerüstet. Da kurz nach dem Stapellauf der Erste Weltkrieg ausgebrach, trat die „Britannic“ nie als das in Dienst, als das sie vorgesehen war, nämlich als Passagierdampfer. Vielmehr wurde sie sofort als Hospitalschiff verwendet.

jessopBesonderheiten: Mit der RMS „Olympic“, der HMS „Titanic“ und der HMHS „Britannic“ gab es insgesamt drei Schwesterschiffe der Olympic-Klasse. Da die RMS „Olympic“ das erste Schiff der Baureihe war, wurde die Klasse nach ihr benannt. Die Namen Olympic und Titanic kamen aus der griechischen Mythologie, folgerichtig sollte das jüngste Schiff der Klasse auch „Gigantic“ heißen. Nach der schweren Kollision der „Olympic“ mit einem anderen Schiff und dem Untergang der „Titanic“ entschied man sich dann aber für den Namen „Britannic“. Auf allen drei dieser Schiffe tat eine Stewardess Dienst, die Violett Jessop hieß. Sie überlebte 1911 die schwere Kollision der als Postschiff eingesetzten „Olympic“ mit dem britischen Marinekreuzer „Hawke“. Sie überlebte 1912 ebenfalls den Untergang der „Titanic“ und auch auf der „Britannic“ war ihr das Glück hold. H.K.