Das Farbenspiel des Tintenfisches

Wenn es im Wald, im Riff oder in der Luft auf die Paarungszeit zugeht, dann drehen die Machos erst mal hohl. „Der Champ bin ich!“, röhrt der Platzhirsch und geht ungestüm auf den Nebenbuhler los. Der Paradiesvogel plustert sich auf und zeigt sein prächtigstes Federgewand. Und der Pavian in der Savanne bleckt seine beeindruckenden Reißzähne.

Auch der Sepiamann markiert seinen Anspruch auf den Harem. In der Paarungszeit schillert sein Körper schöner wie ein Regenbogen. Und das ist nicht nur schön sondern auch schlau. Denn durch dieses Verhalten sendet er Signale an seinen Gegner: „Sieh her, so stark bin ich“ oder „ich kenne keine Gnade“, bedeuten verschiedene Farbkombinationen und andere Zeichen (Anstarrrituale, Gesten, Wedeln mit dem Mantel). Bevor der risikoreiche Zweikampf überhaupt stattfindet, kann der Rivale entscheiden, ob er das Risiko des Duells überhaupt eingehen will – oder nicht lieber doch kneift.

„Solche Rituale kennen wir normalerweise eben nur von Wirbeltieren, im Meer sind sie sehr selten“, weiß Dr. Robert Kroll von der Universität Vancouver. Und: „Das Verhalten dokumentiert die Intelligenz von Tintenfischen. Denn jeder nicht geführte Zweikampf trägt zum Fortbestand der Art und zur genetischen Vielfalt bei.“ Denn: „Der Nebenbuhler findet sicher auch kampflos eine andere.“ H.K.