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Sonntag, 24. Februar 2019

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Die frühen 80er PDF Drucken E-Mail

Die Weichen werden neu gestellt

Von Wolfgang Freihen

nauticaDer Anfang der 1980er Jahre bringt eine Masse an Grundsatzdiskussionen mit sich. Fotografen streiten sich um das Format des Films (Kleinbild- oder Mittelformat) die Vor- und Nachteile von Kolben- und Elektronik-Blitz (Farbtemperatur). Die Frage ob der Rettungskragen per kleiner Pressluftflasche oder CO2-Patrone aufgepumpt wird, spaltet die Tauchernation. Und es entstehen eine Reihe neuer Hersteller von Tauchartikeln.

Wirtschaftlich ging es uns damals gut. Da herrschte noch Kultur in unserer Arbeitswelt. Mobbing kannten wir noch nicht einmal als Wort und Geiz war noch nicht geil – mit anderen Worten: Entsprechend großzügig wurden die Tauchurlaube geplant, nicht nur nach Kärnten oder ans Mittelmeer, wo 1980 bereits 63 deutschsprachig geführte Tauchbasen bestanden. Der Autor dieser Zeilen reiste beispielsweise 1980 nach Guanaja vor Honduras – nicht gerade billig, aber ungeheuer reizvoll. Nur die Sandfliegen störten. Handelsübliche Socken begegneten den Tieffliegern – sie konnten nicht hindurch stechen.
In Deutschland mussten wir ein generelles Tauchverbot für alle Gewässer in Landesbesitz befürchten. Zwar dürfen Tätigkeiten, die zum Gemeingebrauch gehören, grundsätzlich ohne Genehmigung ausgeübt werden, doch was Gemeingebrauch ist und was nicht, entscheiden die Länder. Als Faustregel galt damals, dass die südlichen Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz tauchen tolerierten, die Nordlichter jedoch nicht. Bei einem Gerichtsverfahren 1980 in Schleswig-Holstein unterlagen die Tauchsportbefürworter jedenfalls.
nikonos4In der UW-Fotografie war das Pro und Kontra zwischen Kleinbild und 6x6 längst nicht ausgestanden. Befürworter der Kleinbildfotografie, wie etwa der Darmstädter Winfried Schott, Tauchgeschäft-Inhaber und Gründer von Aquanaut-Reisen, rückten ihren 6x6-Dias mit der Schere zu Leibe, schnippelten störende Bildelemente ab, verdichteten so den Bildinhalt und kamen mit einem einzigen kleinen Projektor aus. Der allmähliche Wechsel zum Kleinbildformat wurde insbesondere durch das Mechanikwunder „Nikonos III“ beflügelt, die 1975 auf den Markt kam, und zu der zahlreiche Fremdhersteller unzählige nützliche Zusatzteile bauten. Der Vorteil der IIIer lag vor allem in ihrer enormen Robustheit, wodurch sie zum zuverlässigen Begleiter wurde. 1980 wurde dieses Modell jedoch von der „Nikonos IV-A“ abgelöst, die kaum Freunde fand und einen Knick in der Entwicklungsgeschichte auslöste: Ausgerechnet mit Nikons bestem UW-Objektiv, dem mit 15 Millimeter Brennweite, ließ sich die neu hinzugekommene Zeitautomatik nicht nutzen, und einzelne Belichtungszeiten konnte man auch nicht wählen. Vor allem die Dichtigkeit des Gehäuses bescherte Ungemach. Nikon büßte viel vom bisherigen Nimbus ein, und viele Fotografen wechselten zu Spiegelreflexkameras in Gehäusen. Im Bereich Mittelformat lösten noch einmal Systemkameras wie die „Rollei SL66“ die bewährte „RolleiMarin“ ab. Als 1980 die Gehäuse mit neuen Frontteilen mit Domscheibe hinzukamen, um auch das 30-Millimeter-Fisheye einzusetzen, standen alle Möglichkeiten der Landfotografie auch den UW-Fotografen zur Verfügung. Trotzdem spielte Mittelformat ab spätestens Mitte der 1980er Jahre im UW-Bereich keinerlei Rolle mehr. rollei
Sicher hört es sich toll an, wenn man liest, dass sich der Tauchsport damals größter Zuwachsraten erfreute, doch der VDST, immerhin schon 26 Jahre alt, hatte damals nur 260 Mitgliedsvereine mit insgesamt 14.200 Mitgliedern. Einschließlich der Einzelmitglieder waren es knapp 17.000. Die Masse der Tauchsportler machten, wie heute, die nicht Organisierten aus. Tauchsportzeitschriften stießen recht schnell an ihre Grenzen. „Neptun“ hatte schon vor Jahren das Handtuch geworfen, „Delphin“ und „Der Taucher“ gingen 1978 in „tauchen“ auf. „submarin“ hielt immerhin bis 1982 durch. Andererseits fand der „Sporttaucher“ 1980 seine Nische als Verbandszeitschrift.
 
Machtwechsel im VDST
 
Wie eine Bombe schlug die Abwahl von Walter Mattes, Karl-Heinz Kerll und Hans-Joachim Bergann aus dem Vorstand des VDST ein. Die Tiefengrenze für Sporttaucher wurde bei 50 Meter festgelegt. Auch wer kein VDST-Mitglied war, konnte ab sofort den Verbandsschein ablegen. Die erste Weltmeisterschaft im UW-Rugby fand in Mühlheim an der Ruhr statt, und Jürgen Kollanda gewann mit 40,87 Sekunden den Weltmeistertitel im 100-Meter-Flossenschwimmen. Das Drägerwerk begann mit der „Großen unter Wasser Simualtionsanlage“ (GUSI) den Bau des bislang größten UW-Simulators der Welt für 29 Millionen Mark. Robert Ballard entdeckte mit „Alvin“ in der Tiefsee bei Galapagos völlig neue Ökosysteme, die Schwarzen Raucher, mit unbekannten Tierarten und gänzlich unbekannten Stoffwechselwegen.
 
Stenogramm der frühen 1980er
 
Buch  
Vor 30 Jahren erschien im Falken-Verlag „Tauchsport“, später folgten mehrere Auflagen, es wurde ins Niederländische übersetzt. Als Grundlagenbuch erschien es in zwei Buch-gemeinschaften. Autor: Wolfgang Freihen.

Sicherheit  
Theo Birle erfindet den Liftstop, ein Ventil, das einen zu schnellen Notaufstieg per voll aufgepumpter Weste oder Trocki automatisch bremst. Leider setzt er sich nicht durch.

Komfort  
Hermann Dinges (Froschmanntechnik) bringt sein „Taucher-Ei“. Ein wasserdichtes Behältnis, in dem man während dem Tauchgang Autoschlüssel etc. mitnehmen kann.

Film  
Mit der Eumig Nautica erblickt die erste (und bislang einzige) Amphibien-Filmkamera (Super 8-Format) das Licht der Welt.

Flossen  
Mit der Power Plana von Mares zieht die Wissenschaft in die Produktentwicklung ein. Die Flosse ist die erste der Welt, die erst nach umfangreichen Ergonomietests und Materialprüfungen im Labor auf den Markt gelangt.
 
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