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Donnerstag, 27. April 2017

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Mausklick statt Chemie PDF Drucken E-Mail

Von Arnd Rödiger

s.68Die Unterwasserwelt ist vielgestaltig und bunt. Kein Wunder also, dass die Mehrzahl der Unterwasserfotografen diese auch dokumentarisch in Farbe ablichtet. Ohnehin war es schon immer nur eine ambitionierte Minderheit, die es mit den Tücken der Dunkelkammerarbeit aufnahm, um auch auf Schwarz-Weiß-Material eindrucksvolle Bilddokumente zu präsentieren. Wie dies im fortgeschrittenen Pixelzeitalter ganz ohne nasse Chemie gelingt, sagt Ihnen ATLANTIS.

Warum nicht einmal einen Versuch in Schwarz-Weiß wagen? Das ist mal was anderes, echte Hingucker können so entstehen. Die neue digitale Kameratechnik hilft: Viele Modelle verfügen über eine Funktion, mit der Fotos in den Graustufen abgespeichert werden können. Diese schnelle Möglichkeit zur Schaffung von SW-Bildern sollte allerdings nur zaghaft eingesetzt werden, denn häufig sind die Ergebnisse recht flau und flach. Die Transformation des originalen Farbfotos in die Schwarz-Weiß-Variante mit Hilfe eines digitalen Bildbearbeitungsprogramms führt später am Computer in der Regel zu bes-seren Resultaten. Das bunte Original bleibt zudem erhalten, vorausgesetzt es ist vorher z. B. in einem separaten Ordner gesichert worden. Nicht jedes Motiv lässt sich freilich gleichermaßen wirkungsvoll in eine SW-Variante umwandeln. Denn bei der Transformation werden nicht mal so eben einfach die Farbinformationen verworfen. Die Farbanteile gehen ganz unterschiedlich in das SW-Resultat  über. Motive mit starken und markanten Kontrasten hinsichtlich Farbe und Helligkeit sind besonders gut geeignet. Die Funktionen zur Umwandlung von bunt zu unbunt variieren natürlich von Bearbeitungsprogramm zu Bearbeitungsprogramm. Auch bei einem viel benutzten Programm wie Photoshop Elements gibt es schon große Unterschiede zu den Profi-Brüdern Photoshop CS/CS3, was Arbeitsweise und Funktionalität anbelangt. Da heißt es zunächst, sich intensiv in das ausgewählte Programm einzuarbeiten und die gebotenen Möglichkeiten zum SW-Transfer zu erkunden. Eine Umsetzung ins Schwarz-Weiße bietet beispielsweise die Funktion „Sättigung verringern“, in Photoshop über das Menü „Bild – Anpassen – Sättigung verringern“. Dabei wird der Farbmodus beibehalten, auch die Pixelhelligkeit bleibt gleich. Ein anderer Weg führt über den Befehl „Bild – Anpassung – Farbton/Sättigung“, wo dann der Schieberegler ganz nach links d.h. auf den Wert 100 gezogen wird. Vorsicht ist bei Bilddateien geboten, die mehrere Ebenen haben. Da hier nur die jeweils aktivierte Ebene beeinflusst wird, ist im Wesentlichen nur ein unbefriedigendes Ergebnis zu erwarten.

Die Funktionen „Graustufen-Modus“ und „Sättigung verringern“ sind aber nur der erste Schritt zu einem guten Bildresultat ins schwarz-weiß. Was meist fehlt, ist eine prägnante Kontrastabstufung und im Vergleich zu echten SW-Bildern die typische Körnung. Photoshop Elements bietet noch geeignetere Funktionen für passable SW-Ergebnisse. Über das Menü „Überarbeiten“ gelangt man zum Befehl „In Schwarzweiß konvertieren“. Nach dem Anklicken erscheint ein Fenster, wo sich oben eine Vorher-Nachher-Ansicht zeigt, in der die jeweiligen Veränderungen sichtbar werden. Darunter sind drei Punkte mit verschieden Voreinstellungen  und Variationen angegeben. Unter Punkt 1 (Stile) z.B. Einstellungen für Landschaften oder Porträts. Mit den Punkten 2 und 3 können dann noch Feinabstimmungen vorgenommen werden, z.B. was die Rotanteile anbelangt: Mehr Rot führt zur Aufhellung roter Partien im Bild, weniger Rot zur Abdunklung derselben. Mit anderen Photoshop-Versionen führt der Weg zunächst über den Graustufen-Modus. Dann geht es weiter über den Befehl „Bild – Einstellungen – Helligkeit und Kontrast“. Dort wird der Kontrast mittels des Schiebereglers auf etwa 20 bis 25 Punkte angehoben, die Helligkeit gleichzeitig um ca. 20 Zähler zurückgenommen. Dies sind freilich nur Richtzahlen. Es ist ratsam, hier ein wenig mit den Reglern hin und her zu spielen, um eine optimale Wirkung zu erzielen. Vorteilhaft ist es, verschiedene Variationen abzuspeichern, diese in aller Ruhe einer kritischen Beurteilung zu unterziehen, bevor man sich schließlich für die beste Variante entscheidet. Bleibt noch die Simulation der Körnung. Dazu wird unter dem Menü Filter der Befehl „Strukturierungsfilter – Körnung“ aufgerufen. Als Körnungsart empfiehlt sich bei  ungeblitzten Unterwasserfotos in der Regel „weich“ bei einer Intensität von etwa zehn Punkten und einem Kontrastwert von 50 bis 60. Auch hier spielt der  persönliche Geschmack des  Fotografen eine wesentliche Rolle. Eine andere Methode zur SW-Transformation ist in Photoshop der so genannten „Lab-Modus“. Mit einem Mausklick per Befehlsleiste „Bild – Modus – Lab“ macht sich zunächst keine Veränderung bemerkbar. Erst durch den Aufruf des Befehls „Bild – Modus – Graustufen“ und die Bestätigung, die anderen Kanäle zu verwerfen, entsteht das schwarz-weiße Resultat. Der sogenannte „Kanalmixer“ bietet eine weitere, häufig verwendete Option zur Erstellung unbunter Bilder. Zunächst  geht der Weg über das Menü „Ebene – Neue Einstellungsebene – Kanalmixer“. Hier wird dann die Einstellungsebene „Kanalmixer“ hinzugefügt und die Box „Monochrom“ angeklickt. Als weiterer Schritt ist Rot auf 30 Prozent, Grün auf 60 Prozent und Blau auf 10 Prozent zu verändern. In der Summe sollten sich etwa 100 Prozent ergeben. Schließlich muss das Ganze auf die Hintergrundebene reduziert und mit dem Graustufen-Modus zum eigentlichen SW-Bild umgewandelt werden. Dieses Verfahren scheint bei Photoshop etwas umständlich. Andere Programme fassen die einzelnen Schritte zusammen. Wie z.B. bei ACDsee Pro2, von Haus aus eher ein Archivierungs- und Betrachtungsprogramm, in das inzwischen auch verschiedene nützliche Bearbeitungsmodi integriert sind.  Unter „Farbe“ findet sich „Kanalmischer“. Dort sind die oben empfohlenen Werte bereits voreingestellt. Veränderungen dieser Werte sind auch manuell möglich. Durch die oben beschriebenen Effekte der Kontraststeigerung und Körnung lassen sich die auf diese Weise generierten SW-Bilder zusätzlich aufpeppen.

Schließlich sei auch noch auf spezielle Filterprogramme hingewiesen, die als Plug-in-Software die Optionen der Bildbearbeitung erheblich erweitern und (wie die NIK-Filter) u. a. auch die Erstellung von effektvollen Schwarz-Weiß-Fotos aus farbigen Vorlagen erleichtern. Photoshop CS3 verfügt ebenfalls einen speziell für die SW-Tansformation eingegliederten Bearbeitungsmodus, der per „Bild – Anpassung – Schwarzweiß“ aufgerufen werden kann und von wo aus die weiteren Arbeitsschritte durch Vorgaben oder auch individueller Beeinflussung erfolgen.

Für die Umwandlung eines Farbbilds in die Schwarz-Weiß-Variante  gibt es zahlreiche, unterschiedliche Methoden. Auch weniger professionelle Bildbearbeitungsprogramme bieten da oft erstaunlich wirkungsvolle Optionen, auch solche, die dem SW-Bild noch einen Extra-Touch verleihen.

Was alten Papierfotos oft einen besonderen Charme verlieh, ist ein leichter Farbstich, meist im klassischen Sepia, also eine rot-braune Farbvariante. Im Photoshop Elements ist z.B. dieser Ton, wie jeder andere ebenfalls, über den Schieberegler „Farbton“ zu generieren und dessen Stärke über den Regler „Intensität“ zu beeinflussen.Für die Kolorierung von SW-Fotos sind inzwischen auch einige Spezialprogramme auf dem Markt, die zudem Teilkolorationen auf unkomplizierte Art und Weise ermöglichen (z.B. Recolered/Bertheussen IT).

Das Betrachten eines wie immer bearbeiteten oder digital manipulierten Farbbildes bzw. einer mit oben beschriebenen Methoden erschaffenen Schwarz-Weiß-Variante auf dem Bildschirm, bereitet dem Anwender gewiss ein hohes Maß an Freude und Stolz. Doch der wirkliche Wert eines Arbeitsresultats zeigt sich erst, wenn das Werk groß-flächig auf eine Leinwand projiziert oder großformatig auf Papier ausgedruckt wird. Und hier gibt es immer wieder große Enttäuschungen. Denn was da auf der Leinwand erscheint oder aus dem Drucker kommt, entspricht oft in keiner Weise dem, was man so perfekt auf dem Monitor vor sich sieht – das gilt aber auch für Farbfotos.
Die Probleme beim Ausdruck von Fotos stehen im Zusammenhang mit der komplizierten Abstimmung (Stichwort Kalibrierung) von Monitor, Drucker und auch Papiersorte, was auch für Profis immer wieder eine be-sondere Herausforderung darstellt. Das Ausdrucken von SW-Bildern mittels eines normalen Farbdruckers wird kaum einmal zu einem perfekten SW-Resultat führen. Ein leichter Braun- oder Grünstich wird zuweilen erkennbar sein. Vielfach ist aber dieses durchaus akzeptierbar. Zwar werden heute auch Spezialdrucker für SW-Fotos und auch spezielle SW-Papiere angeboten, doch diese teure Option ist für den Normalfotografen sicherlich kaum finanzierbar. Im Einzelfall kann man sich freilich auch einmal einen SW-Ausdruck von einem Profilabor oder auch mittels Ausbelichtung auf Fotopapier über den Fotoservice der Drogerie nebenan anfertigen lassen.

Der Verzicht auf Farbe im Foto kann sehr spannend sein. Das kreative Spielen mit Kontrast und Schärfe, Licht und Schatten stellt eine besondere Herausforderung dar, führt aber immer wieder zu Bildergebnissen mit starker Ausdruckskraft und Suggestion – gerade auch in der Unterwasserfotografie.

 
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