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Sonntag, 24. Februar 2019

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Die 1970er Jahre III PDF Drucken E-Mail
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Auf dem Weg zu uns selbst

Von Wolfgang Freihen

Ist Apnoetauchen noch Sporttauchen oder schon Leistungssport? Sind professionell arbeitende Hobbyfilmer noch Sport- oder schon Berufstaucher? Ist das Tieftauchen mit angehaltenem Atem gesundheitlich vertretbar? Solche und andere Fragen beschäftigen uns in den 1970er Jahren. Als wichtigste Neuerung jener Dekade aber gilt die verbindliche Festlegung der Handzeichen, die noch heute Bestand haben.

Sport- und Berufstaucher profitieren gleichermaßen voneinander, zum Beispiel von den technischen Neu- oder Weiterentwicklungen. So stapfte der Berufstaucher ehedem mit klobigen Helmen und schweren Bleischuhen über den Meeresgrund, erst durch uns Sporttaucher wurde auch er zum Schwimmtaucher. Und umgekehrt landeten viele technische Lösungen, die ursprünglich für die Berufstaucherei entwickelt worden waren bei uns Sporttauchern. Doch anders als Berufstaucher können wir jeweils selbst bestimmen, wo und wann wir tauchen möchten. Trotzdem waren und bleiben die Grenzen fließend: Tauchlehrer und zahlreiche Fotografen und Filmer sind bei genauer Betrachtung nichts anderes als Berufstaucher. 

Wie damals Helmut und Günther Fleissner. Sie begeistern 1971 auf dem 8. Festival für Meeres- und UW-Filme in Toulon die Zuschauer mit ihrem Farbfilm „Die Korallengärten von Shadwan“. Dieser mit viel Überlegung und Können aus dem Hobby (Sporttauchen) heraus entstandene Film über die Entstehung von Korallenriffen wird mit viel Einsatz und Know How (Berufstauchen) umgesetzt und mit dem Gand Prix von Rolex und dem des WWF ausgezeichnet und auch bei uns im Fernsehen gezeigt.

In den 1970er Jahren diskutieren wir aber vor allem darüber, was unseren Sport eigentlich ausmacht. Ist es nur der Reiz einer noch immer kaum bekannten Unterwasserwelt oder gehören auch sportliche Wettbewerbe wie Flossenschwimmen, Streckentauchen, UW-Rugby und andere Aktivitäten dazu, an deren Ende Rekorde winken? Nun, heutzutage macht sich keiner mehr Gedanken darüber, aber damals waren das tief greifende Fragen. Erfordern doch Flossen- und Rugbywettbewerbe und ein darauf abgestimmtes Training ganz andere Bewegungsabläufe und Verhaltensweisen als die, die man zum Beobachten, Filmen und Fotografieren anwendet. Also ein Training, das bewusst an der Wirklichkeit des Tauchens vorbeigeht? Und wie ist die Jagd nach besonderen Rekorden (wie etwa beim Tieftauchen mit angehaltenem Atem) zu bewerten? Alles zusammen wird heute unter dem Oberbegriff Sporttauchen zusammengefasst – egal, ob wir mit normaler Pressluft, mit reinem Sauerstoff oder künstlich zusammengestellten Atemgasgemischen tauchen oder ohne Gerät mit angehaltenem Atem, was man heute als Apnoetauchen bezeichnet. Dabei aufgestellte Tiefenrekorde sind in jener Zeit ganz besonders suspekt. Schließlich sollte keiner für seinen Sport die Gesundheit oder gar sein Leben riskieren. Solche Gedankengänge durchziehen die damalige Tauchsportliteratur. Auch in meinem eigenen Buch „Tauchen – Grundlagen, Training, Praxis“, das 1970 erscheint, habe ich die Tiefenrekorde beim Freitauchen als „Weltrekorde der Unvernunft“ bezeichnet. Glücklicherweise geht die Jagd danach trotzdem weiter. enzoDie Helden der damaligen Zeit, vor allem mayolbigjpgEnzo Maiorca, Jacques Mayol und Bob Croft, hatten schon in den 60er Jahren Tiefen bis zu 73 Meter erreicht. 1970 wird Crofts Rekord von Mayol in Japan mit 76 Metern übertrumpft. 1973 gelangt Enzo Maiorca 80 Meter tief und 1974 gar 87 Meter, um nach Erreichen von 101 Meter im Jahr 1988 damit aufzuhören und weitere Rekorde anderen Apnoeisten zu überlassen.Jedenfalls gelangt man schon in den 60er Jahren so weit hinunter, dass das Atemvolumen beim Abtauchen auf weniger als das Residualvolumen zusammenschrumpft, was man ursprünglich als Grenzwert für das Erreichen einer Maximaltiefe verantwortlich macht. Dass alle trotzdem jeweils heil an die Oberfläche zurückkommen, lässt sich nur durch andere Zusammenhänge erklären, die allerdings noch völlig im Dunkeln liegen. Zwar keimen bereits bestimmte Vorstellungen über besondere Körperfunktionen auf, die sich schützend auswirken, doch erfahren wir vom so genannten blood shift erst in unserem jetzigen Jahrtausend, und zwar durch gezielte Untersuchungen in der North West Emergency Recompression Unit des Murrayfield Hospitals in Wirral/Großbritannien. Damals bewegen uns völlig andere Dinge: Selbst die 250 Meter Arbeitstiefe der Offshoretaucher lassen uns kalt: Schließlich war klar, dass wir die sowieso nicht erreichen können, und keiner dachte jemals daran, dass diese Tiefenmarke heutzutage gar von unseren Apnoetauchern (!) angestrebt werden könnte, deren Rekord mittlerweile bei 214 Meter liegt. mattes3Interessanter ist damals für uns, dass Walter Mattes, wortgewandtes und streitbares Urgestein der damaligen Taucherszene, der für die Tauchausbildung innerhalb des VDST verantwortlich zeichnet, seit Mai 1969 zusammen mit Werner Sonntag auch die Chefredaktion unseres Verbandsblattes übernommen hat. Ebenso bewegt uns besonders die zunehmende Verschmutzung unserer Gewässer und Meeresküsten, wie auch die Zunahme von Tauchverboten an zahlreichen Binnengewässern. Selbst im damaligen Jugoslawien wird durch Änderung der Tauchbestimmungen ab dem 27.6.1970 die Ausübung unseres Sportes kurzfristig fast unmöglich. Da man vergessen hatte, besondere Vordrucke zur Tauchgenehmigung herauszugeben, konnte es passieren, dass ausländische Tauchsportler von Amt zu Amt geschickt wurden, ohne letztlich Erfolg zu haben. Und als wichtigste Neuerung stellt sich schließlich die Bekanntgabe international gültiger Hand- und Lichtzeichen zur Verständigung unter Wasser heraus, die im Oktober 1971 auf der CMAS-Generalversammlung beschlossen wurden: Die zehn Pflichtzeichen mit weiteren Zusatzzeichen, die auch heute noch ihre Gültigkeit besitzen.

 
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