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Festhalten und fallenlassen
Von Annette Hegers (Text) und Eckhard Krumpholz (Fotos)
Ein Bootstrip über den rauen Atlantik zur Inselgruppe der Berlengas ist ein wahrer Höllenritt. Dafür wird der Taucher durch eine ungewöhnlich reichhaltige Flora und Fauna entlohnt und ein Streifzug über Berlenga Grande, die größte Insel, gibt Einblick ins einfache Leben der Insulaner. Dazu setzt das nahe gelegene Lissabon einen quirlig-kulturellen Kontrapunkt.
Nördlich von Lissabon liegt ein äußerst fruchtbarer wie unbekannter Landstrich – der Oeste. Die Landschaft verbindet den Atlantischen Ozean mit der Hochebene Serra de Montejunto und wird von unzähligen Hügeln samt ihren Weinbergen dominiert. Bei Tauchern ebenso unbekannt ist der Atlantik davor mit den kleinen und großen Inseln der Berlengas-Gruppe. Das Naturschutzgebiet hat unter portugiesischen Froschmännern einen legendären Ruf.
Der Bootsritt ist selten ein Zuckerschlecken
Die skurrilen Felsformationen der Berlengas sind vulkanischen Ursprungs und liegen etwa zwölf Kilometer vor dem Städtchen Peniche im Atlantik. Schichten von dunklen Granitquadern türmen sich übereinander und gebieten den permanenten Wellen Einhalt. Die kleineren Inseln Farilhoes und Estelas sind unbewohnt, nur auf dem größeren Eiland, Berlenga Grande, gibt es eine Gemeinde samt kleiner Pension. Ganz anders als an der Algarve, ist die Küste hier eigentlich immer rau und ungezügelt.
Ausgangspunkt für uns ist das sehenswerte Provinzstädtchen Peniche. Deutsche Tauchbasen sucht man hier vergeblich, die Region ist taucherisch fest in portugiesischer Hand. An den Wochenenden kommen die Hauptstädter aus dem nahen Lissabon hierher, um einen, vielleicht zwei Tauchgänge zu machen und sich danach oder dazwischen dem dunkelroten Wein hinzugeben. Wer deutsche Pünktlichkeit erwartet, wird sie im Tauchbetrieb nicht unbedingt finden. Für Entdecker und Genusstaucher ist die Gegend aber sehr empfehlenswert. Joao Carlos Raimundo öffnet immer am Wochenende und sonst nach Vereinbarung seine große Garage, die alles bietet, was ein Taucher braucht: Kompressoren, heiße Duschen und eine Werkbank. Seinen großen Erfahrungsschatz gibt’s gratis dazu. Als Sohn eines Fischers kennt er das raue Meer und weiß vor allem, den Wind zu deuten. Das ist wichtig, denn der Bootsritt zu den Berlengas ist schon bei schönem Wetter kein Zuckerschlecken. Das sehen die Einheimischen anders, denn sie sind es gewohnt im schnellen Schlauchboot durchgeschüttelt zu werden. Während knapp 45 Minuten lang Festhalten die Devise ist, folgt danach das Fallenlassen. Wir tauchen senkrecht ab, bis unsere Augen nur noch Rot sehen. Eine ganze Wand voller Gorgonien empfängt uns. Das Wasser hier ist klar. Irgendwo in stattlicher Tiefe beginnt eine Höhle, die weitere Schönheiten in sich birgt. Wir schaffen es aber nur ein paar Meter hinein, dann zwingen uns halbleere Flaschen wieder nach oben. Der zweite Tauchgang führt uns ganz in die Nähe zum Wrack der „San Pedro de Alcantara“. Leider ist hier an diesem Platz die Sicht nicht so besonders, sodass uns ein richtiger Überblick auf die vor sich hin rottenden Einzelteile der spanischen Galeere aus dem Jahr 1786 verwehrt bleibt. Dafür gibt’s Seegraswiesen satt. Skorpionfische und Sepien tummeln sich in den Felsnischen. Schleimfische legen sich in Pose, Oktopoden gucken aus ihrem Versteck hervor.Es scheint, dass sich alle Taucher, die im Nationalpark abtauchen, während der langen Oberflächenpausen auf der Zitadelle Sao Joao Baptista treffen. Das Tauchen bietet hier nur den Anlass, um es sich gut gehen zu lassen: Man grillt, trinkt Wein und Bier und freut sich auf den anschließenden Tauchgang oder stärkt sich für die anstrengende Rückfahrt.
Große Fische schwimmen zwischen alten Gemäuern
Nach dem Tauchen ist ein Bummel durch Lissabon angesagt. Die Stadt am Tejo vereint Geschichte, Tradition und Moderne auf geschickte Art und Weise. Als Portugal zur führenden Handels- und Seemacht aufsteigt, erobert es Kolonien in Brasilien, Afrika, Arabien, Indien und China und wird reichste Nation Europas. Heute glänzt die Hauptstadt mit zahllosen Attraktionen und einem unwiderstehlichen Flair, vor allem in den nostalgischen Vierteln Baixa, Alfama, Bairoo Alto und Belem. Für Taucher ein absolutes Muss ist das anlässlich der Expo 1998 fertig gestellte Aquarium im Park der Nationen. Um im Oceanario abzutauchen, brauchen wir keinen Anzug und kein Tauchgerät. Denn diese großartige Attraktion ist trockenen Fußes zu bestaunen: Das Oceanario beherbergt 15000 verschiedene Pflanzen und Tiere, 450 verschiedene Spezies in insgesamt 7 Millionen Litern Salzwasser. Der Mittelpunkt des Oceanarios besteht aus einem gigantisch großen Acrylquader, in dem sich Tauchers Lieblinge vergnügen: Mehrere Mondfische, verschiedene Haiarten, Barrakudas, Mantarochen und Zackenbarsche ziehen genüsslich ihre Bahnen, während sich draußen an den Scheiben Kinder staunend die Nase platt drücken. Selbst gestandenen Taucher leuchten die Augen bei diesem phantastischen Anblick. Durch die Wasseroberfläche funkelt die Sonne und schickt Strahlen in das dunkle Blau, die wie Lichtschwerte das Wasser durchschneiden. Ganze fünf Millionen Liter füllen allein dieses rundherum auf zwei Etagen begehbare Salzwasserbecken hinter 27 Zentimeter dicken Scheiben. Das zentrale Aquarium repräsentiert das offene Meer in allen seinen Schattierungen. In gesonderten Becken werden weitere Lebensräume nachempfunden: Die nordatlantischen Klippen, die Antarktis, der Pazifik und der tropische Indische Ozean.Voller Ehrfurcht verbringen wir hier einen ganzen Tag – Zeit, die wir bei den wirklich nassen Tauchgängen nie haben. Für Kinder und Familien bietet das Oceanario freitags und samstags sogar eine Übernachtung im eigenen Schlafsack vor dem Haifischbecken an. Nicht gerade bequem, dafür umso spannender. Wer es gerne exquisiter möchte, sollte sein Haupt im legendären „Ritz“ betten. Das ist weniger dramatisch als bei Haien, dafür aber deutlich luxuriöser.
Allgemeine Informationen
Basensteckbrief Berlengas
Tauchbasis: Mergulhao Peniche
Lage/Beschreibung: Urbanização Fonte de Rosário, Lote 10, 2520 Peniche (im Fischereihafen Peniche) Basisleiter: Joao Carlos S. Raimundo. E-Mail:
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Website: www.mergulhao.net; Unterrichtssprachen: Französisch, englisch, portugiesisch. Ausbildungssystem: Ohne Tauchausfahrten: 5 min. bis 50 min, 2 Tauchgänge pro Ausfahrt. Boote: 2, max. 25 Pers. Hausriff: Nein. Tauchlehrer: In der Saison 6 Guides. Kindertauchen: Nein. Rebreather: Nein. Nitrox: Möglich. Ausrüstungsverleih: 10 komplette Ausrüstungen, 40 Flaschen (12 und 15 Liter) Erste Hilfe/Sauerstoff: Alles auf jedem Boot vorhanden. Foto-/Videoverleih: Nein. Anzahl Tauchplätze: 25 Service: Reinigung des Tauchequipments durch die Basis auf Wunsch. Öffnungszeiten: Außerhalb der Saison nur am Wochenende, in der Sommersaison von Juli bis August auch werktags. Tipp: Unbedingt vorher Termin vereinbaren.
Aquarium Lissabon
Oceanario de Lisboa, www.oceanario.pt. Preise: Kinder (5 bis 12 Jahre) 5 Euro, Erwachsene 10 Euro. Anfahrt: Buslinien 5, 10, 19, 21, 28, 44, 50 und 68, Metro Linha Vermelha (Rote Linie), Haltestelle Oriente. Öffnungszeiten: April bis Oktober 10.00 bis 19.00 Uhr, November bis März 10.00 bis 18.00 Uhr. Telefon: +351(0)21/89 17 002 Fax: +351(0)21/89 55 762 E-Mail:
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Unterkunft Berlengas
Hotel Sol Peniche, Praia da Alfarroba, Estrada do Baleal, Peniche, www.solmelia.com,
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, Telefon; +351(0)262/78 04 00, Fax: +351(0)262/78 38 15. Entfernung Flughafen: 90km/60 Minuten Anzahl Zimmer: 102, ab 42 Euro (EZ), 80 Euro DZ in der Hauptsaison.
Lissabon „Ritz"
Four Seasons Hotel „The Ritz", Rua Rodrigo da Fonsea, 88, P-1099-039 Lisboa (dirket am Park Eduaro VII), www.fourseasons.com,
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Buchung über die kostenlose Telefonnummer 00800/64 88 64 88, Entfernung Flughafen: 7 km/20 min. Zimmer: 282, davon 272 mit Balkon. Sporteinrichtungen: Fitnessclub, Joggingstrecke, Trainerbetreuung, Sauna, Dampfbäder, Tennis. Sonstiges: 1500 Quadratmeter großer Spa- und Wellnessbereich, Boutiquen, 16 Veranstaltungsräume, Bankettservice, Citytouren, Kochkurse, Helikopter-Rundflüge
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