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Donnerstag, 9. Juli 2020

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Schießübungen unter Wasser PDF Drucken E-Mail

Trommelfeuer fürs Trommelfell

fertigmachen Von Andrey Nekrasov, Übersetzung H.K.

Mit dem Gewehr Assault APS und der Pistole SPP-1M stehen russischen Kampftauchern zwei Waffen zur Verfügung, mit denen man auch unter Wasser schießen kann. ATLANTIS war bei einem Manöver der Kampfschwimmer im Schwarzen Meer nahe Sevastopol dabei. 

pistolenschussEines Tages erreichte mich eine Einladung der russischen Streitkräfte. Ob ich nicht Lust hätte, an einem Unterwasser-Manöver teilzunehmen und das ganze auf Film zu bannen. Nun ist das mit dem Soldat sein ja so eine Sache, wie jeder Mann weiß, der in jungen Jahren vom Staat kassiert wurde und die folgenden Monate oder gar Jahre als Wehrpflichtiger sein Dasein fristen musste: Schütze steh Wache, Schütze putz Klo, Schütze ab ins Manöver, Schütze schieb mal Wochenenddienst. Dafür bekommt man dann ein goldenes Nichts, das die Verantwortlichen großspurig Dank des Vaterlandes nennen. Auch mir ist diese Zeit noch lebhaft, nein, schmerzhaft in Erinnerung und deshalb hielt sich meine Begeisterung über die Einladung stark in Grenzen. Anderseits kann man sich als Fotograf seine Aufträge nicht aussuchen und so sagte ich schließlich zu, nicht ohne mir schriftlich bestätigen zu lassen, dass ich das Kasernengelände nach getaner Arbeit als freier Mann wieder verlassen könnte und außer tauchen und fotografieren zu keiner anderen der oben genannten beliebten Tätigkeiten herangezogen werden würde. Bewaffnet mit dieser Bestätigung rückte ich also, Jahre nach meinem Militärdienst, noch einmal ein. Ort des Geschehens war ein Camp am Schwarzen Meer. Ein Feldlager mit Lazarett- und Küchenzelt, Schlafzelten, Kasino. Ein Major empfing mich, führte etwas he-rum, zeigte mir mein Schlafzelt und natürlich gab es auch das bekannte Feinschmeckeressen der russischen Streitkräfte. Dann hatte ich Gelegenheit, mich selbst umzusehen. Mein erster Gang war natürlich hinunter zum Wasser, wo ich die Sichtverhältnisse prüfte. Leider war es ziemlich trübe, die Sicht lag bei maximal sieben Meter. Schlechte Bedingungen für einen Unterwasserfotografen, gute Bedingungen aber für einen Kampfschwimmer, der unbemerkt einen Feind anpirschen muss. Als letzter Tagesordnungspunkt war Sicherheitstraining angesagt. Das ging sehr schnell und war sehr einfach.paar Der Major bläute mir ein: „Schwimme nie direkt hinter dem Schützen. Schwimme nie direkt vor dem Schützen. Schwimme nie in die Schussbahn.“ Dann zeigte er mir die Waffen und Geschosse und plötzlich wurde mir klar, dass das kein Spiel sondern blutiger Ernst war. Der Leser kann sich vorstellen, dass ich in jener Nacht nicht so gut schlafen konnte, daran hatten auch ein paar Gläschen Wodka nichts ändern können, die ich mit meinen neuen Kameraden als Schlummertrunk an jenem Abend verkostet hatte. Und so war ich noch etwas verschlafen, als früh der Weckruf ertönte, meinen Kameraden ging es ähnlich. Schlagartig Bewegung kam in die Sache, als der gestern noch so freundliche Major im Zelteingang stand und im Kommandoton brüllte: „In fünf Minuten sind alle im Wasser. Das gilt auch für den Reporter!“ Zum Glück kannte ich die Truppe noch gut genug. Und ich hatte geahnt, dass so etwas stattfinden würde. Meine Tauchausrüstung und meine Kamera waren also gerichtet, so dass ich nur einzusteigen brauchte. Ich bin kein langsamer Mensch aber in nur fünf Minuten aus dem Bett in die Tauchausrüstung und rein ins Wasser, das ist mein persönlicher Rekord und es wird ein einsamer Rekord bis zu meinem Tode bleiben. Der Major teilte mich seinem erfahrensten Mann zu. Noch einmal bekam ich eingeschärft, dass ich nie direkt hinter und vor dem Schützen schwimmen durfte. Dann legten wir ab. Das mit dem direkt hinter dem Mann schwimmen erledigte sich von selber. Der austrainierte Kampfschwimmer legte ein derartiges Tempo vor, dass ich schon nach wenigen Metern den Anschluss verlor. Zum Glück waren es nur ein paar zehn Meter zum Unterwasser-Schießstand. Und vor ihn zu kommen? Geradezu lächerlich. Der Plan sah Schießtraining mit dem Gewehr vor. Das Gewehr ist eine russische Entwicklung auf der Basis des AK 47 Sturmgewehrs (Die berühmte Kalaschnikow, Anm. d. Red.) Mein Tauchpartner postierte mich an einer sicheren Stelle und deutete vor uns ins Trübe. Schemenhaft nahm ich einen dunklen Schatten wahr, der sich später als leeres Ölfass identifizieren sollte. Auf diesen Schatten legte der Kampfschwimmer an, zielte kurz und drückte ab. Die Druckwelle aus der gasbetriebenen Waffe traf mich wie eine Dampframme. Sie trieb mir wirklich die Luft aus der Lunge und aus der Tauchermaske. Meine Trommelfelle schienen geplatzt zu sein, der Kopf dröhnte. Mir war schwindlig und übel. Der erste Gedanke war aufzutauchen. Doch ich hatte vor dem Tauchgang noch eingeschärft bekommen, dass die Paare, die zugewehrschusssammen abtauchen auch zusammen wieder aufzutauchen hätten. Und so beruhigte ich mich und brachte mich unter Wasser wieder ins Gleichgewicht zurück. Irgendwann nahm mir jemand meine Kamera ab. Es war mein Tauchpartner. Stattdessen drückte er mir das Gewehr in die Hand und bedeutete mir mit Handzeichen, dass ich es doch auch einmal versuchen sollte. Es ging mir wieder besser und ich sagte mir, dass die Kerle das schon so oft gemacht hätten, ohne ernsthafte gesundheitliche Schäden zu nehmen. Also schnappte ich die Knarre und stellte mich in Schussposition. Gestern hatte ich dem Team bei seinen Trockenübungen an Land zugesehen. Es sah alles so leicht aus. Jetzt, in einem engen Nasstauchanzug und mit einer Maske vor dem Gesicht, stellte sich die Angelegenheit als ziemlich schwierig heraus. Doch irgendwie gelang es mir, die Tonne anzuvisieren. Schuss. Treffer! Ich muss sagen, ich war ziemlich stolz auf mich. Einen Umstand konnte ich mir nicht erklären, nämlich dass die Auswirkungen des Schusses für den Schützen selbst viel weniger intensiv sind, als für die Taucher in seinem Umfeld. Zurück an Land stellte sich heraus, dass mein Kameragehäuse durch die enorme Druckwelle der Schüsse Schaden genommen hatte. Über den Domeport war Wasser eingedrungen, zum Glück nicht so viel, so dass die Kamera heil war und ich den Schaden leicht und mit Hausmitteln beheben konnte. An diesem Tag standen noch mehrere Übungen auf dem Programm, unter anderem auch das Schießen mit der Unterwasser-Pistole SPP-1M, die ich allesamt pflichtschuldig mitmachte. Der Höhepunkt des Tages jedoch war die letzte Übung.
minenlegerZusammen mit meinem Tauchpartner vom Vormittag, wie gesagt der erfahrenste der Kampfschwimmer, sollte ich einen rostigen, ausgedienten Kahn einige hundert Meter vor der Küste per Kompasspeilung antauchen, eine scharfe Haftmine anbringen und schleunigst auf dem gleichen Kurs wieder zurück zum Ufer schwimmen. Der Zeitzünder der Mine war auf elf Minuten eingestellt. Elf Minuten Zeit, um aus dem Wasser zu kommen. Denn eine Explosion von der Gewalt dieser Mine würde man im Wasser nicht überleben können. So zog ich es vor, zu kneifen. Ich wollte lieber hier am Ufer bleiben und die Explosion fotografieren. „Du kannst die Explosion doch fotografieren“, säuselte der Major. „Denn Du wirst einige Augenblicke vor dem großen Bum wieder hier sein. Genug Zeit jedenfalls, um die Kamera zu schnappen und zu fixieren.“ Natürlich hätte mich der hoch dekorierte Offizier nicht zwingen können. Aber es ist eben das Schicksal eines einfachen Gefreiten vor dem Offizier zu kuschen. Ergeben schnappte ich meine Flossen und stiefelte hinter meinem Teamleiter her ins Wasser. Die Kamera hatte ich vorher griffbereit ans Ufer gelegt. Kompasskurs 179,3 Grad, also fast genau Süd. Zügig näherten wir uns einem unsichtbaren Punkt im Wasser. Die Zeit dehnt sich, Sekunden werden zu Minuten im diffusen Grünblau. Ein Blick auf die Uhr. Mehr als sechs Minuten schwimmen wir hier schon herum. Acht Minuten, neun. Hat mein Partner das Ziel verpasst? Nein. An der Sichtgrenze in wenigen Metern Entfernung taucht ein Ankerseil auf. Eine Kette. Wir tauchen sie leise an, hangeln uns an ihr hoch bis zum rostigen Schiffskörper. Dort bringt der Kampfschwimmer die Magnetmine an, aktiviert den Zeitzünder. – Und sprintet weg wie eine Rakete. Wieder habe ich Mühe, ihm zu folgen, der Tag hat Substanz gekostet. haftmineFieberhaft rechne ich: Neun Minuten haben wir gebraucht, um das Ziel anzuschwimmen, eine halbe um die Haftladung fest- und scharfzumachen. Bleiben eineinhalb Minuten Sicherheitszeit, um ans Ufer zu gelangen. Verdammt knapp nach so einem Tag, ich kämpfe und schwitze und fluche. Von meinem Tauchpartner sehe ich gerade noch die Flossenspitzen und lege noch mal zu, bis ich wenigstens noch die Beine sehen kann. Dann falle ich langsam wieder zurück. Ich weiß nicht, wie oft ich auf diesem Rückweg auf die Uhr gesehen habe. Ich weiß nur, dass mich das ungeheuer motivierte. Denn jedes Mal war der Zeiger weiter vorgewandert, als es gut für mich zu sein schien. Da machte ich unter mir den Sand des Meeresbodens aus, der sanft anstieg. Schon waren an der Sichtgrenze die Beine meines Partners zu sehen, der auf mich wartete. Lachend zog er mich hoch ins Seichte. Eine letzte Anstrengung, Flossen aus und ans Ufer zur Kamera gehastet. Ans Auge damit – und rums! Die Mine ging hoch und eine tolle Aufnahme der Wassersäule war der Lohn des Fotografen für seine Anstrengungen. Eigentlich wollte ich am selben Abend noch nach Hause fahren, aber ich schaffte es nicht. Ich war einfach nur fertig. Im Küchenzelt ließ ich mir ein paar belegte Brote geben und im Kasinozelt holte ich mir zwei Flaschen Bier. Die trank ich nicht etwa, die verdampften vorher unter meiner Nase, so viel Hitze strömte mein Körper aus. Dann schlug ich mir mit den Broten die Wampe voll und fiel anschließend auf meinem Feldbett in einen tiefen, traumlosen Schlaf.



Unterwassergewehr Assault APS
gewehrscharf
Entstehungsgeschichte
Die Unterwasserpistole SPP-1M war vor dem Gewehr Assault APS bei der Truppe eingeführt worden. Die Offiziere beklagten aber die relativ geringe Reichweite der Pistole, der Ruf nach einer weiter tragenden Waffe wurde in Offizierskreisen laut.
Schließlich setzte sich ein gewisser Vladimir Simonov an die Entwicklung. Basis der Waffe war die AK 47, wobei natürlich nur die Hardware, nicht jedoch das Funktionsprinzip unter Wasser Anwendung finden konnte. Die ersten Stückzahlen wurden 1975 an die Kampfschwimmer ausgeliefert. Ende der 1980er Jahre wurde das Nachfolgemodell der Assault APS ausgeliefert, das ASM-DT. Das Modell APS wird von einigen Truppenteilen jedoch weiter genutzt.

Beschreibung
Wie bei der SPP-1M handelt es sich auch hier um eine Gasdruckwaffe, wobei ein hoch verdichtetes Gas in den Projektilen und nicht (wie z. B. bei einem Luftgewehr) in der Waffe selbst untergebracht ist. Es handelt sich um ein voll automatisches Gewehr, das (theoretisch) 600 Schuss in der Minute verschießen könnte – an Land. Gleichzeitig betont der Hersteller, die Benutzung an Land sei gefährlich und sollte nur im Notfall erfolgen.

Technische Daten
Kaliber    5,66 x 39 mm    Schusskapazität    26
Gewicht (ungeladen)    2400 g    Reichweite/Land    50 m**)
Länge    823...617 mm*)    Reichweite/unter Wasser    22 m (in 20 m Tiefe)***)
Lauflänge    244 mm    Tauchtiefe max.    50 m
*) Schulterstück kann eingeklappt werden
**) In der Literatur und von Anwendern werden auch oft nur 30 m genannt.
***) Die Reichweite unter Wasser ist abhängig von der Tauchtiefe


Unterwasserpistole SPP-1M
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Entstehungsgeschichte
Ende der 1960er Jahre beklagte die Sowjetunion zunehmende Begegnungen ihrer Kampfschwimmer mit Kampfschwimmern der Nato – und das im Hausmeer der Sowjets, dem Schwarzen Meer, rund um die Halbinsel Krim. Es wurde die Idee geboren, die sowjetischen Kampfschwimmer mit einer wirkungsvollen Bewaffnung sowohl zum persönlichen Schutz als auch zur Vertreibung des Gegners auszurüsten. In Deutschland entwickelte Heckler & Koch Anfang der 1970er Jahre die Unterwasserpistole HK P11, welche in Amerika erprobt wurde. Als die Erprobungsphase zu Ende war, fehlte von den wenigen Prototypen ein Exemplar. Da kurz darauf die Sowjetunion ihre SPP-1M beim tauchenden Personal einführte, behauptete der Westen, östliche Spione hätten den fehlenden Prototypen der HK P11 gestohlen und die Sowjets hätten in aller Eile die SPP-1M daraus gemacht. Bewiesen werden konnte diese Behauptung jedoch nie.

Beschreibung
Es handelt sich um eine Gasdruckwaffe, die vier rund zwölf Zentimeter lange Pfeile verschießt. Diese sind in den vier Läufen der Waffe untergebracht. Sind die Pfeile verschossen, kann der Taucher unter Wasser nachladen. Zum Vergleich: Die HK P11 hat ein Laufbündel von fünf Läufen. Sind die Geschosse verbraucht, muss das Laufbündel zum Wiederaufladen ins Werk geschickt werden. Der Taucher muss also immer mehrere Laufbündel mit sich führen.

Technische Daten
Kaliber    4,5x40R    Schusskapazität    4
Gewicht (ungeladen)    950 g    Reichweite/Land    20 m
Länge    244 mm    Reichweite/unter Wasser    11 m (in 20 m Tiefe) *)
Lauflänge    203 mm    Tauchtiefe max.    40 m
*) Die Reichweite unter Wasser ist abhängig von der Tauchtiefe


Russische IDA-Rebreather
IDA71 Seit den 1950er Jahren werden in der russischen Marine Kreislaufgeräte, U-Boot-Retter und Panzerretter (bei Unterwasserfahrt) von IDA verwendet. Unter westlichen Rebreatherfreaks sind diese Geräte umstritten, bieten immer wieder Anlass zu Diskussionen. Die Fraktion derer, die die Geräte ablehnt, führt Gründe ins Feld wie: Die Atemgeräte sind nicht CE-zugelassen; es besteht keine Erfahrung in der Anwendung oder auch, dass die Geräte nicht zuverlässig seien. Die Nutzer von IDA-Geräten sehen das ganz anders. Die Geräte seien äußerst robust, zuverlässig und konkurrenzlos billig.
Tatsache ist, dass in den Armeen des ehemaligen Warschauer Paktes seit einem halben Jahrhundert IDA Geräte eingesetzt sind und neuerdings auch hiesige Sporttaucher mit den Geräten tauchen. Das Standardgerät ist dabei das IDA 71U. Es ist modular aufgebaut und deshalb für viele Anwendungen geeignet. Die drei gängigsten Einsatzgebiete sind zum einen eben die Kampfschwimmer, die dieses Gerät laut Tauchdienst-Vorschrift (PWS 71) bis zu 18 Meter Tiefe im reinen Sauerstoffbetrieb (!) verwenden dürfen. Ferner sind Piloten und Fallschirmspringer, die in bzw. aus großen Höhen operieren müssen damit ausgestattet. Zugelassen ist es für Höhen bis 8800 Meter.
Der modulare Aufbau des IDA 71 U macht es möglich, auch eine zusätzliche Nitrox-Einheit im Gehäuse unterzubringen. Dann kann eine 40/60-prozentige Sauerstoff/Stickstoffmischung getaucht werden. Es gibt aber auch Bastler, die aus dem 71 U ein Trimixgerät machen und damit sicher Abstiege bis an die 100 Meter durchführen. Wer sich umfassend über das Gerät erkundigen möchte, tut dies am besten bei taucher.net. Dort findet man einen ausführlichen Beitrag unter:
http://www.taucher-net.de/redaktion/33/Iwan_s__Ida_7.html.

 
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