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Dienstag, 19. Oktober 2021

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Labrador und Neufundland PDF Drucken E-Mail

Abenteuer am Ende der Welt

Von Ian Umlauff

leuchtturm Fast lautlos gleiten unsere Paddel durchs Wasser, um das Boot vorwärts zu schieben. Bis eben noch hat uns der mächtige Außenbordmotor vorwärts gebracht – schnell, aber auch laut. So sind sie gewarnt. Plötzlich fliegen sie auf, die Kormorane von De Lorier Island, umkreisen uns mit wütendem Gezeter. Hunderte von Vögeln füllen die Luft. Wir sind in Labrador. 

Nach mehreren Tagen, die wir mit Bootstouren, Hiking, Fotografieren, Entspannen, ersten Testtauchgängen und letzten Ausrüstungschecks zugebracht haben, beginnt die Atlantic Canada Challenge. Mit hunderten von Kilo Tauch-, Foto- und Videoausrüstung machen wir uns auf ins Abenteuer. Die Route führt über Sydney im Norden Nova Scotias mit der Fähre nach Port aux Basques im Südwesten von Neufundland. Von dort aus geht es durch den Norden der Insel bis in den Südosten zur Hauptstadt St. John’s. Am zweiten Tag erreicht unsere Gruppe aus drei Deutschen und zwei Engländern die Bonne Bay Marine Station in Norris Point im Cros Morne Nationalpark. Inmitten des Fjords gelegen, bietet die Station ideale Forschungs- und Lernbedingungen für Meeresbiologen, Ozeanographen und Ökologen. Innerhalb eines 10 Kilometer Umkreises findet man verschiedenste maritime Lebensräume mit der ganzen Artenvielfalt des Nordatlantiks, darunter Arten, die sonst nur in arktischen Gewässern zu finden und nur hier für Sporttaucher zu erleben sind. „Unsere Aquarien werden ständig mit frischem kaltem Fjordwasser aus zehn bzw. 75 Metern Tiefe versorgt“, erklärt uns Fiona Cuthbert, Meeresbiologin und Managerin der Marine Station. Immer wieder nimmt sie Tiere aus den Becken, erklärt uns einzelne Arten und ihre Lebensweise. ortschaft Am nächsten Morgen entdecken wir bei unseren Tauchgängen durch Fionas Hinweise gleich mehrere geschützte Tierarten. Unser Festkielschlauchboot liegt nur wenige Meter von der Steilwand von Gadds Point entfernt. Etwa fünfundzwanzig Meter über uns im Fels brütet ein Weißkopfseeadler. Unter unserem Kiel fällt die Wand mehr als achtzig Meter steil ab. In 38 Metern Tiefe gelingen Videoaufnahmen eines Atlantischen Wolfsfisches. Die drei bedrohten Wolfsfischarten ernähren sich zu 85 Prozent von Schalentieren. So tragen sie zur Erhaltung der Kelpkulturen bei, die zahlreichen Fischarten als Laichgrund und den Jungen als schützender Lebensraum dienen. „Eine weitere Dezimierung der Wolfsfischbestände“, betont Fiona, „würde das ökologische Gleichgewicht empfindlich stören und hätte katastrophale Folgen für die Fischerei!“
Mit geländegängigen Pickups und einem siebeneinhalb Meter Schlauchboot auf ei-nem Anhänger wieder auf der Piste, verlassen wir den Trans Canadian Highway. Auf staubigen Schotterpisten manövriere ich das schlingernde Fahrzeug um dreißig Zentimeter tiefe Schlaglöcher herum, als wir die Northern Peninsula hinauffahren. Was wir suchen, sind Eisberge. Die diesige Luft versperrt den freien Blick nach Westen hinaus auf die See. Nirgendwo ein Eisberg zu sehen. Auch auf Satellitenkarten hatte der Canadian Ice Service kaum Eisberge in Küstennähe ausgewiesen. Erst nach zwei Tagen frustrierender Suche wird unsere Geduld belohnt: weiße Gipfel mitten im Ozean! Was von über Wasser schon ein grandioser Anblick ist, wird Unterwasser Ehrfurcht gebietend gigantisch. Als wir uns nach oben der Sonne zuwenden, sehen wir traumhafte Lichtspiele durch die unterschiedlich dichten und verschieden transparenten Eisschichten. Smaragden und Saphiren gleich funkelt der Eisberg in allen nur erdenklichen Grün- und Blautönen. Atemberaubend schön. „Manchmal erleben wir Tiere in unmittelbarer Nachbarschaft zu Eisbergen“, erzählt Vollmer später. „Vor ein paar Jahren hatten wir einen Narwal, der einem Eisberg von der Arktis aus bis nach Neufundland gefolgt ist.“Heckgeschuetz
Einen Tag später erreichen wir Conception Bay South, das Zuhause unseres zweiten Expeditionsleiters Rick Stanley. Hier ist ein geschichtsträchtiger Ort unser Ziel: Bell Island. Ende 1942 wurden hier von deutschen U-Booten vier Eisenerzfrachter versenkt, die „S.S. Saganaga“, „S.S. Lord Strathcona“, „S.S. Rose Castle“ und die „P.L.M. 27“ (s. ATLANTIS 3/2006). „Durch die niedrigen Wassertemperaturen sind die Wracks in hervorragendem Zustand“, erläutert Stanley. „Die Schiffskörper mit ihren Aufbauten und den Masten sind noch richtig dreidimensional erhalten. Herausragend sind Flora und Fauna, gerade bei der Rose Castle. Man findet einen traumhaften Bewuchs mit bis zu einem Meter hohen Weichkorallen und Seeanemonen.“ Auch verschiedenste Seenelken und Seeigel sind zu entdecken. Außerdem bieten die Wracks Lebensraum für Dorsche, Seewölfe, verschiedene Plattfische und Aalmuttern.
In ihrer großen Vielfalt aus Tauchen und Abenteuer bietet die Atlantic Canada Challenge auch für gemischte Taucher- und Nicht-Taucher Gruppen eine wunderbare Möglichkeit, einen überaus interessanten und sehr individuellen Urlaub zu verbringen. Genauso die Labrador Experience. Sie führt auf derselben Route zunächst nach Neufundland. Über Cros Morne geht es dann jedoch in nördlichere Gefilde hinauf nach St. Barbe und mit der Fähre nach Blanc Sablon in Labrador. Die nordöstlichste Provinz Kanadas ist noch heute eines der am wenigsten erforschten Gebiete der Welt. Während man in Neufundland alle paar Stunden auf ein paar Häuser und Menschen trifft, stößt die Labrador Experience in völlig abgeschiedene, menschenleere Regionen vor. Hierhin muss alles nötige Equipment mitgebracht werden, auch Kompressoren, Generatoren und Kraftstoff. Zu den Zielen der Labrador Experience gehören Red Bay, Fundort des ältesten Wracks auf dem nordamerikanischen Kontinent, und  Henley Harbour, eine kleine, heute unbewohnte, historische Siedlung auf einer Insel. Die Teilnehmer der Experience sind die ersten, die hier tauchen. Auf mehrere unidentifizierte Wracks aus unterschiedlichen Epochen sind sie bisher gestoßen. Beide Expeditionen führen zurück zu ihrem Ursprung, der Vipi Lodge auf Janvrin’s Island in Nova Scotia.

 
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