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Dienstag, 17. Oktober 2017

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Die frühen Sechziger PDF Drucken E-Mail
Die frühen 60er Jahre bringen eine Reihe von Neuerungen im Tauchen, die die Branche bis heute prägen. Zum Beispiel wird die CMAS gegründet und Barakuda bringt die ersten Neopren-Anzüge auf den Markt.

Von Wolfgang Freihen

Decometer_1Im Januar 1959 tagen die Verbandspräsidenten von 16 Nationen in Monaco, um dort die Weltvereinigung der Tauchsportler, die CMAS, ins Leben zu rufen. Die Ikone Jacques Yves Cousteau wird den Vorsitz übernehmen, auch der VDST ist dabei.
Dieser besteht 1960 schon im siebten Jahr, und die Anzahl der Mitgliedsvereine hat sich mit 36 fast verdreifacht. Die Zahl ihrer Mitglieder ist jedoch mit rund 1000 nach wie vor gering. Die Anzahl der nicht organisierten schätzt man rund 100 Mal höher ein.

Moosgummi wird der neue Trend
Ohne diese könnten Firmen wie Barakuda nicht wachsen. Im März 1960 bietet Barakuda erstmals Nasstauchanzüge aus Neopren unter dem Namen „Nassbiber“ an. Das Material, schon seit den 30er Jahren bekannt, wurde bislang nur für andere technische Zwecke genutzt. Jetzt, auch in dünneren Platten hergestellt, bis zu 400 Prozent dehnbar und phantastisch anschmiegsam, lassen sich Anzüge daraus schneidern – eine zweite Haut. Wichtig, dass die eingeschäumten Gasporen nicht wie beim Schaumgummi untereinander in Verbindung stehen, sondern in sich geschlossen sind. So bewirkt dieses sogenannte „Moosgummi“, dass sich der Anzug nicht voll Wasser saugen kann und damit weder an Auftrieb noch an Isolationswirkung verliert.
Vom 15. bis 19. Juni 1960 findet das erste Internationale Kolloquium über Tauchmedizin in Cannes statt. Etwa 100 Wissenschaftler und Ärzte aus 18 Ländern nehmen daran teil und informieren sich bei rund 30 Vorträgen über alle möglichen Aspekte der Tauchmedizin. Tauchreisen werden in dieser Zeit schon ab und zu ans Mittelmeer unternommen. Dabei fasziniert nicht nur die bunte Unterwasserwelt sondern man stößt auch immer wieder auf Relikte längst vergangener Epochen. Zumeist sind es Amphoren, die man damals noch relativ häufig findet. In den Jahren darauf will möglichst jeder seine eigene mit nach Hause nehmen, was Archäologen und Polizei zu unterbinden suchen.

Fotojagd im Lesesessel
Ungefähr zur gleichen Zeit beginnt man in der Ostsee mit der Hebung der „Wasa“, des Prunkschiffes von Gustav Adolf von Schweden, das am 10.8.1628 bei seiner Jungfernfahrt kenterte und mit Mann und Maus unterging. Bereits 1956 wurde die genaue Untergangsstelle von Anders Franzén geortet, und am 20.8.1960 wird mit der Bergung dieses Schiffes begonnen. Die Konservierung und Restaurierung nimmt viele Jahre in Anspruch, und heute kann man es in seiner ganzen Pracht in Stockholm bewundern. Über die apparativen Voraussetzungen zur UW-Fotografie wurde bereits in ATLANTIS 2/2006 berichtet. Darüber hinausgehende Anregungen finden sich nur in Aufsatzform in verschiedenen Zeitschriften. Um mit den Lichtverhältnissen unter Wasser zurecht zu kommen, werden bei uns – anders als im Ausland – kaum hoch- und höchstempfindliche Schwarzweißfilme benutzt, sondern man setzt überwiegend auf mittelempfindliche, die durch Sonderentwicklung einen weit besseren Kontrastumfang aufweisen. Auch Diafilme erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Bücher zu diesem Thema sind jedoch nach wie vor spärlich: Außer der Hass’schen „Fotojagd am Meeresgrund“ (1942) gabt es in unserer Sprache nur das kleine Bändchen über „Unterwasser-Aufnahmen“ von Dimitri Rebikoff (1953).Da kommt 1960 das Buch „Unterwasser Fotografie und Fernsehen“ von Hans-Ulrich Richter genau richtig. Es behandelt neben allen physikalischen Gegebenheiten insbesondere die technischen und taucherischen Möglichkeiten der damaligen Zeit. Es brilliert insbesondere durch die akribische Aufarbeitung aller Zusammenhänge und ist das bislang mit Abstand beste Buch auf diesem Sektor. 1961 folgt die schweizer Zeitschrift „Camera“ mit einer Doppelnummer, was das allgemeine Interesse am Thema Unterwasserfotografie unterstreicht.
Für unsere Chronologie ist weiterhin wichtig, dass der damalige VDST-Präsident, Jens-Peter Paulsen, die Eröffnung seines Versandunternehmens für Tauchsportartikel bekannt gibt, das ab Frühjahr 1961 auch den Verkauf direkt ab Lager ermöglicht. In seinem zunächst 40seitigen Katalog werden neben den Gerätschaften von Barakuda und Dräger auch alle möglichen anderen des europäischen Auslandes angeboten. Schon ein Jahr später ist dieser Katalog auf den vierfachen Umfang angeschwollen, was das Interesse an solchem Equipment und an UW-Büchern dokumentiert.

Bronze, Silber und Gold
Auf der achten Bundestagung in Stuttgart wird 1961 endlich ein seit vielen Jahren ins Auge gefasstes Ziel erreicht: Die Bedingungen zum Deutschen Tauchsportabzeichen in Bronze, Silber und Gold werden verabschiedet. Ebenso wird erstmals in Verbindung mit dem Gerling-Konzern der Abschluss einer speziellen Tauchsport-Versicherung beschlossen.
Im gleichen Jahr erhält der „Delphin“ erstmals Konkurrenz: Ab Juli erscheint nun auch der „Neptun“, bis er ab 1968 mit dem „Delphin“ verschmilzt, der dann wieder alleine die Szene beherrschen sollte.
1961/62 beschäftigt man sich sehr stark mit den Gesetzmäßigkeiten des Tieftauchens. Durch die beginnende Offshore-Technik ist die Wirtschaft daran interessiert, Taucher auch in größere Tiefen hinunter zu schicken, als bisher üblich. Über die dabei geltenden, groben Zusammenhänge weiß man seit langem Bescheid, doch über die Details noch recht wenig. Damit setzt sich seinerzeit Hannes Keller auseinander. Er arbeitet mit seinem schweizer Landsmann, dem Atemphysiologen Dr. Albert Bühlmann zusammen und berechnet mit Hilfe eines Großrechners erstmals die richtigen Atemgasgemische für verschiedene Tiefenbereiche. Wie sich zeigt, lassen sich damit auch deutlich verkürzte Dekompressionspausen erreichen. Die Arbeit wird durch Druckkammerversuche bei der G.E.R.S. in Frankreich und entsprechende Tieftauchversuche in verschiedenen Alpenseen bestätigt. Den Höhepunkt erreicht diese Serie mit einem Abstieg bei Catalina Island vor der Küste Kaliforniens. Dort wird im Dezember 1962 die Rekordtiefe von 313 Meter erreicht. Das ganze endet  jedoch in einem Fiasko: Zwar übersteht Keller den Versuch völlig unverletzt, was die Richtigkeit seiner Berechnungen bestätigt, doch findet tragischerweise sein Tauchkollege Peter Small, Mitbegründer des British Sub Aqua Club, den Tod, und ein Rettungstaucher, Chris Whittaker kommt auf ungeklärte Weise ums leben.
Für uns Tauchsportler ist 1962 noch insofern von Bedeutung, da in diesem Jahr erstmals das Dekompressiometer auf dem Markt erscheint, das nicht nur den Auf-
enthalt in wechselnden Tauchtiefen – mit gewissen Einschränkungen –  automatisch berücksichtigt, sondern auch den Reststickstoffgehalt bei mehreren Tauchgängen simuliert und die notwendigen Austauch-stufen anzeigt – ein früher Tauchcomputer, völlig mechanisch.

 
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