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aufmacherTauche nie allein!

Von Daniel Brinckmann

Pastellfarbene Saumriffe und dazu ein schneeweißes Bett über den Wellen. Perfekt. Wäre da nur nicht dieser Verein an Bord, der einen zum fünften Rad am Wagen mit geduldeter Buddy-Funktion degradiert. Die Emperor Divers haben ein Heilmittel gegen diese Art Schiffskoller auf den Markt gebracht: Spezielle Kreuzfahrten für allein Reisende und Singles.

 

Nein, Ringelpiez mit Anfassen ist das nicht. Nach dem obligatorischen Bordknigge beim Einschiffen gibt es keine Gesellschaftsspiele, und Namensschildchen werden auch nicht ausgeteilt. Schwein gehabt. Beim Begrüßungsdrink auf dem Oberdeck der Majesty werden erste Bande geknüpft für die verschworene Gemeinschaft der kommenden Tage. Die Neugierde siegt, gerade weil an Bord bei 15 Gästen gleich zwölf Nationalitäten versammelt sind. Und weil beinahe jeder allein angereist ist. Irgendjemand witzelt über ein internationales Gipfeltreffen in neutralen Gewässern, und schon ist das Eis gebrochen. Am Tisch nebenan stimmt Susanna Frisbey währenddessen bei einer dampfenden Tasse Tee ihren ganz persönlichen Liveaboard-Blues an: „Alleine auf ein Boot zu kommen, das von einer oder gleich von zwei Gruppen gechartert wird, kann zu einem echten Alptraum werden“, erinnert sich die junge Britin mit gequältem Lächeln. „Dann wird es manchmal unheimlich schwer, überhaupt mit jemandem ins Gespräch zu kommen.“ Spricht’s, und verabschiedet sich in die vorklimatisierte Kabine. Darum also die Single-Tour.Für süße Träume ist gesorgt, allein schon die Namen der angepeilten Plätze lassen die Ohren lauter klingeln als die allmorgendlich bimmelnde Schiffsglocke. Auf dem Programm stehen Sha’ab Maksour, Sataya, St. John’s Cave und der gleichnamige Riffkomplex südlich der Landzunge Ras Banas im tiefen Süden Ägyptens. Ein Rotmeer-Klassiker also. Und eine Tour, bei der man sich sicher sein kann, viele submarine Glanzlichter leuchten zu sehen. Über Nacht macht das baugleiche Schwesterschiff der Regency Strecke und bringt uns aus dem Einzugsbereich von Marsa Alam hinaus zum Ostende St. John’s. Stunden später liegt das Steilriff Habili Ali direkt vor dem Bug in der funkelnden Morgensonne. Auf dem Tauchdeck ist längst hektische Betriebsamkeit ausgebrochen, Ronan Keatings jüngster Sommerhit treibt den letzten müden Seelen den Schlaf aus den Knochen. Und noch während Keating an Bord weiter aus den Boxen näseln darf, schweben bereits zwei Taucherpärchen vor der sonnendurchfluteten Wand mit ihrem verschwenderisch wuchernden Vorgarten pinkroter Lederkorallen. Zu der sattbunten Balkonbepflanzung gehören ebenso Schwarze Korallenfächer. Mutter Natur war eindeutig in Geberlaune. Weiter voraus in der Tiefe ziehen zwei, drei halbstarke Grauhaie ihre Kreise, und auch einige scheue Napoleons und Hundezahn-Thunfische finden am Ende ihren Weg ins Logbuch. Beim Ausklang des Gipfeltreffens, im Pool des Coral Beach Hotels / Ghaleb, wird „Ali“ in der Rangliste zwar unter „guter Durchschnitt für St. John’s“ geführt werden, doch unmittelbar nach dem Tauchgang kennt die Begeisterung kaum Grenzen. Da wusste noch niemand von der Korallennadel Habili Jaffa und dem sicher zu durchtauchenden Irrgarten der St. John’s Cave… Die nächsten Tage bedeuten Zukunftsmusik, die jeder für sich im Kopf komponiert.
 
15 Gäste aus 12 Nationen...
schiff
Aber Nächtelange Flirts und Romanzen, Bäumchen-wechsle-dich-Spielchen und Matratzen- statt Tauchsport scheinen immer unwahrscheinlicher. Denn eines steht nach ein, zwei Tagen gegenseitigen Be-schnupperns zwischen den beiden Sonnendecks fest: Wirklich solo ist hier – trotz des überwiegend recht jungen Altersschnitts - längst nicht jeder. Kein Terrain für Klatschreporter. Angesichts der hanebüchenen privaten Skandälchen, die gelegentlich nach Rotmeer-Kreuzfahrten die Runde machen, schon erstaunlich....
 
 
ägyptischer Hüftschwung inklusive

Zum Glück verkneift sich das junge Tauchlehrer-Pärchen Fefe und Chris die angedachte Unterwasser-Schnitzeljagd. Anfangs wussten auch sie nicht so richtig, wie sich das Spielchen mit den Singles gestalten würde. „Wir hatten uns gedacht, eine kleine Kabine für Paare frei zu halten“, scherzt Chris in sympathischem Niederländerdeutsch, „aber die Leute kamen nicht, um Liebe zu finden.“ Längst ist die anfängliche Unsicherheit bei den beiden Guides einem entspannten Gefühl gewichen. Kein Wunder. Beim Blick auf die türkisen Fluten vor dem Koralleninselchen Siyul scheinen auch Chris’ Augen hinter der Sonnenbrille zu leuchten. Auch ohne Palmen ein würdiger Malediven-Ersatz. „Wer will tauchen, wer kommt mit auf die Insel, wer bleibt an Bord?“ – mit solchen Fragen macht man sich Freunde! „Wer möchte denn schwimmen, und wer will lieber mit dem Zodiac fahren?“ Noch besser. Wird die einsame Insel nun kraulend erobert oder frisch geduscht besucht? Luxusprobleme. paarAber: Keiner bleibt allein! Die Einen fühlen im Korallengarten unter dem Boot einem kunterbunten Forellenbarsch auf den Zahn, die Anderen brutzeln in der Sonne und lassen im schneeweißen Sand Einsiedlerkrebse um die Wette krabbeln. Einige ganz Verwegene greifen gar zum runden Leder. Gäste und Crew der Emperor Asmaa haben per Funk zum Match geladen. Wieso das geplante Barbecue dann nicht an dieser Stelle sondern auf dem ersten Sonnendeck stattfindet, das kann sich am Ende niemand erklären. Nachdem auch von dem gespickten Barrakuda mit Orangen zwischen den Beißerchen nur noch die Gräten übrig sind, geht der Abend nahtlos in die zweite Party über. Und wer das Land der Pharaonen kennt, weiß, dass er jetzt um das eine oder andere Tänzchen nicht herum kommt. Die Blicke der Weiblichkeit ruhen dabei vor allem auf dem Hüftschwung der drahtigen ägyptischen Jungs von der Crew. Schlechte Karten für Europäer. Nur Massimo, der Italiener, ist noch optimistisch: „Heute ist die Abschlussparty“, lacht er verschmitzt, „vielleicht kann ich dir morgen noch ein Update geben.“ So ein Optimist.


Interview:
Wenn Mike Braun, General Manager der Emperor Divers-Gruppe, nicht gerade auf den Pisten zwischen Alexandria, Sharm und Marsa Alam unterwegs ist, schaut er gerne selbst bei den Gästen vorbei. Ob direkt im Hafen oder im Kult-Club „Ministry of Sound“ am Rande von Hurghadas Partymeile Sekalla – der Familienvater ist stets um ein Feedback bemüht. ATLANTIS drehte den Spieß um und befragte Mike Braun zur Philosophie hinter den neuen Single-Safaris.mikebrown

ATLANTIS: Herr Braun, gibt es einen Markt für allein Reisende und Singles im Kreuzfahrtgeschäft?
Mike Braun: Definitiv. Wir bekommen viele Anfragen von alleinreisenden Gästen, die sichergehen wollen, nicht als Zubucher in einer festen Runde zu enden. Auch fahren immer mehr Frauen alleine auf Tauchsafaris, und so bieten wir inzwischen auch Trips nur für Frauen an auf unseren Gold Class-Schiffen.

ATLANTIS: Unter einer Safari für Singles versteht mancher etwas sehr Konkretes...
Mike Braun: Nicht, dass die Leute denken, wir wollen sie verkuppeln. Wir haben nun wirklich kein Eheanbahnungsgeschäft im Sinn. Allerdings soll es bei den Alleinreiser-Safaris ein angenehmes kleines Programm geben. Zum Beispiel Grillfeste am Strand vorgelagerter Inseln. Deshalb werden die Touren nur in der warmen Jahreszeit und auf keinen Fall im Winter stattfinden. Im Sommer steigt die Stimmung dann wie von alleine.

ATLANTIS: Wie kam Ihnen die Idee zu Tauchsafaris  für Singles?
Mike Braun: Das hat sich im Gespräch mit Manfred Seitz von Worldwide Diving ergeben. Wir haben uns einfach bei einem Bier unterhalten und überlegt: Was können wir anders machen. Mittlerweile gibt es ja selbst für das Daedalus Reef zahllose Anbieter.

ATLANTIS: Auch wir haben den Eindruck, dass der Markt reif ist für neue Ideen, besonders am Roten Meer
Mike Braun: Auch deshalb planen wir, reine Familien-Safaris auf der Nordtour zwischen Sinai und Hurghada in unser Programm aufzunehmen. Allerdings ohne Kleinkinder-Betreuung. Wenn Eltern mit jüngeren, nicht tauchenden Kindern an Bord sind, muss ein Elternteil auf die Kinder aufpassen

Das Interview führte ATLANTIS-Mitarbeiter
Daniel Brinckmann


Firmeninfo:

Emperor Divers wurde 1992 von Terry und Theresa Simpson, Gamal Yanni und einem englischen Reiseveranstalter gegründet und bietet seitdem Topqualität für Tauchurlauber aus aller Welt. Nach der Eröffnung des ersten Tauchcenters in Hurghada, folgten 1996 Sharm el Sheikh, Nuweiba (1999) und Marsa Alam (2002).
Firmiert wird heute als Emperor Group, wobei die Gruppe aus folgenden Unterfirmen besteht: Emperor Divers fasst die vier Tauchcenter mit insgesamt 15 Tagesausflugsschiffen zusammen. Emperor Scuba Schools führt die Tauchausbildung vom Anfänger bis zum Tauchlehrer durch.
Tekstreme ist die passende Firma für Technical-Diving-Freaks und die Emperor Fleet steht für eine Flotte von acht Safarischiffen, die allesamt im gehobenen und im Luxusbereich angesiedelt sind.
Die Emperor-Flotte ist eine der jüngsten Flotten im Roten Meer, fünf aus acht Booten sind nicht älter als ein Jahr. Im Programm sind von der Drei-Tage-Mini-Safari bis zu Technical Safaris für Rebreather- und Trimixtaucher natürlich sämtliche Rotmeer-Klassikrouten. Die Emperor Group beschäftigt derzeit mehr als 250 Angestellte verschiedener Nationalitäten. www.emperordivers.com Buchung in D-, CH- und A: www.worldwidediving.de
jump
Bootsinfo:
Länge    36 m
Breite    8,3 m
Antrieb    2 x 800 PS Turbo
Wasser    Unlimitiert, Entsalzungsanlage 1.600/Std.
Kommunikation    VHF, Satellitentelefon (an: 2 9/Min., ab: 5 9/Min.)
Sicherheit    2 Rettungsinseln, Rettungswesten, Leuchtsignale
Erste Hilfe    Notfallkoffer und Sauerstoff
Tauchausrüstung    25 x 12l, 10 x 15l (Stahl), 21x12l (Alu), DIN/INT,  2 Bauer Kompressoren
Tech Tauchen    Nitrox
Kabinen    10 Doppel-, jeweils DU, WC, Aircon, MinibarSalons    2, DVD, Video, Stereoanlage, Bibliothek, Teak-Ausstattung, Jacuzzi,    Kameratisch, 2 Spültanks
Maximal 20 Gäste

 
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