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Montag, 18. November 2019

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Fluss-Safari in Norwegen PDF Drucken E-Mail
Lachsen auf der Spur

Von Arnd Petry
00.2116_LachsBjørn Moe hatte vor acht Jahren eine ebenso einfache wie einträgliche Idee: Er führt Touristen schnorchelnd zu den Laichplätzen von Wildlachsen in einem reißenden Fluss – ein rasantes aber harmloses Abenteuer.



Einer Truppe Teletubbies gleich watschelt eine Handvoll Touristen zum nahen Fluss. Die roten XXL-Überlebensanzüge lassen die Touristen zu geschlechtslosen Wesen mit kurzen Beinen und Megafalten werden. Einzig Bjørn Moe macht eine gute Figur. Kein Wunder – schließlich verdient der Norweger rund 75 Euro pro Person, wenn er Urlauber in die unsinkbaren Anzüge steckt und mit ihnen auf Lachs-Safari geht. Die Idee dazu sei ihm 1999 gekommen, erzählt Moe. Damals habe er zusammen mit Biologen versucht, hier im Suldalslågen, einem der wichtigsten Lachsflüsse Südwestnorwegens, die Fische bei ihrer jährlichen Laichwanderung stromauf zu zählen. Mit Taucherbrille und Schnorchel legten sie sich im Neoprenanzug bäuchlings aufs Wasser und trieben mit der Strömung den Fischen entgegen.
Genau das steht heute auch auf dem Programm. „Don't panic!“, beruhigt Moe, rechtzeitig vor dem Wasserfall sei Schluss. Lachse zählen neben der spektakulären Fjordlandschaft zu den Hauptattraktionen hier in Ryfylke, der Küstenregion nördlich der Hafenstadt Stavanger, die ihr Auskommen damals wie heute vor allem aus dem Meer bezieht. Früher ließen Fischerei und Walfang die Menschen überleben, heute sorgen Lachszucht und vor allem Öl für Wohlstand.
Die Edelfische des Flusses bildeten schon früh die Grundlage für den Tourismus im Suldal. Das Tal das Suldalslågen oberhalb des Küstenortes Sand lockte bereits vor mehr als hundert Jahren Fremde an: Der englische Lord Archer pachtete Ende des 19. Jahrhunderts die Fischrechte am gesamten Flusslauf gleich auf Jahrzehnte. Ihm folgten weitere Lachslords als Unterpächter und bauten prächtige Villen.
Urlauber können heute davon profitieren, denn eins der Anwesen ist mittlerweile ein Hotel. Das „Lakseslottet Lindum“, 1884 erbaut. Typisch norwegisch weinrot mit weißen Fenstern entführt das Lachsschloss den Gast dank seiner musealen Ausstattung in jene Zeit, als der Hausherr noch aus England stammte und Montagu Richard Waldo Sibthorp hieß. Sein Portrait hängt im Flur. Mit gütigem Blick begrüßt er die Gäste. Norwegen - Lachssafari - Su
Das Wasser des Suldalslågen ist auch im Sommer kalt. Das Gesicht der schnorchelnden Lachssucher schmerzt anfangs, bevor die Kälte jedes Gefühl aus der Kopfhaut treibt. Vergessen sind die tief über dem Tal hängenden grauen Regenwolken, welche die Gegend auch im Spätsommer in eine Waschküche verwandeln. Hier in dieser strömenden Welt wechselt der Betrachter die Perspektive, er wird zum Vogel, der mit rasantem Tempo über Kugeln und Eier aus Granit fegt. Helle Steine wechseln sich mit dunkelgrauen ab, alle sind rundgeschliffen von der immerwährenden Strömung. Hellgrüne Unterwasserpflanzen schmiegen sich mit ihren fädrigen Blättern an das Flussbett. Die langen Blätter zittern in der Strömung. Der Fluss ist kaum tiefer als einen halben Meter. Kurz hinter einer alten Eisenbahnbrücke ändert sich das Bild. Eine Felswand fällt steil ins Wasser. Der Fluss beruhigt sich. Hier ist er 15 Meter tief. Doch die bis zu anderthalb Meter langen Wildlachse sind nicht zu sehen.
Die Angelsaison im Suldalslågen währt nur kurz. Der Fluss gilt als später Lachsfluss, erst zwischen August und September sammeln sich die Wildlachse im Meer vor seiner Mündung, um gegen die Strömung zu ihren Paarungsplätzen zu wandern. Wildlachs von mehr als 75 Zentimeter Länge ist allerdings geschützt und muss wieder ausgesetzt werden. Einzig das Fliegenfischen ist erlaubt, das Angeln mit künstlichen Ködern, die an der Oberfläche treiben.
Für die Schnorchler kommt die nächste Düse: Der Fluss wird wieder flach und er wird schnell. Bloß nicht den Kopf zu tief ins Wasser stecken, sonst zieht die Nase eine Spur. Einem langgezogenen Schatten gleich kommt plötzlich ein Lachs heran. Er steht auf der Stelle, schlägt dann scheinbar mühelos mit der Schwanzflosse und driftet in weitem Bogen gegen die Strömung vorbei. Das war’s.
Vor der nächsten Biegung steht Bjørn Moe am Ufer. Seine Zeichen sind eindeutig: Raus hier! Noch weiter zu treiben wäre lebensgefährlich: Der Suldalslågen wird dort zu einer engen tosenden Schlucht, die Wassermassen stürzen am Sandfossen gut fünf Meter in die Tiefe. Dort am Wasserfall gibt es Lachse in Massen – endlich!
Unterhalb der Stromschnellen sammeln die Fische ihre Kräfte. Während die starken Wildlachse in der Regel den kürzesten Weg nehmen und über die Felsen der Stromschnellen springen, müssen die verhätschelten Zuchtformen die eingebaute Fischtreppe nehmen, eine Kaskade kleiner, miteinander verbundener Becken. Diesen Umstand macht sich die Fischereiverwaltung zu Nutze, die verhindern will, dass sich aus Fischfarmen entkommene Zuchtlachse mit den Wildlachsen kreuzen. Mit der Fischtreppe wurde eine Falle in den Fluss eingebaut: Bis die Tiere merken, dass ihnen ein Gitter die Weiterreise gegen die Strömung verwehrt, ist es zu spät, ein Rückwärtsgang fehlt in ihrem genetischen Verhaltensprogramm.

Reiseinfo:

Währung
Für einen Euro gibt es derzeit 8.03 Norwegische Kronen (NOK) (Stand: Feb./2007). Mit der EC- oder einer Kreditkarte kann an den meisten Bankautomaten Geld ab-gehoben werden. Norwegen ist sehr teuer.

Unterkunft
Das Angebot in Stavanger und Ryfylke reicht vom Fünf-Sterne-Hotel über einfache Motel-Zimmer bis zu Bed-&-Breakfast-Unterkünften. Dem Jedermannsrecht zufolge dürfen Personen (keine Gruppen) außerhalb der Sichtweite von Häusern überall für eine Nacht wild campen.

Informationen
Norwegisches Fremdenverkehrsamt, www.visitnorway.com Mo Laksegard, Bjørn Moe,
www.lachssafari.de

Deutsche Vertretung
Reiseagentur M. Bär, Norderstraße 88, 24939 Flensburg, Tel.: 0461/50 90 627, Fax 0461/49 35 870, www.norwegen-baer.de

Hoteltipp
Lakseslottet Lindum, www.lakseslottet.no

 
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