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Freitag, 7. August 2020

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schaetzingFrank Schätzing im Interview:
„Mir reicht es nicht zu wissen, ich möchte verstehen“

Sein Roman „Der Schwarm“ fesselt jeden, der in irgendeiner Weise mit dem Meer verbandelt ist. Der Thriller stand monatelang auf Platz eins der Bestsellerlisten. Mit dem Sachbuch „Nachrichten aus einem unbekannten
Universum“ legte er jetzt nach: Frank Schätzing sprach mit ATLANTIS über das Tauchen, seine bevorzugten Reiseziele und über den Meeresschutz.
Herr Schätzing, wie kamen Sie zum Tauchen?

Ganz bewusst. Ich bin auf die Malediven geflogen und habe dort einen Tauchkurs absolviert. Das war 1988 oder 1989, ich weiß nicht mehr so genau.

War das gleich Liebe auf den ersten Blick oder haben Sie sich Ihren Sport erst erarbeiten müssen?

Zunächst einmal war es spannend für mich. Wir sind mit dem Dhoni zum Tauchplatz gefahren und ich sah eine schwarze Wasseroberfläche vor mir. Im Kopf lief ein ganzer Spielfilm ab; aber als ich hineingesprungen war, war alles ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich bewegte mich in einem lichtdurchfluteten, eigentlich leeren Universum aus dem sich dann das eine oder andere herausschälte. Und von diesem ersten Moment an hatte es mich gepackt.

Seither reisen Sie regelmäßig, tauchen an den schönsten Tropenriffen dieser Welt – oder steigen Sie auch bei uns ins Süßwasser?

Im europäischen Süßwasser habe ich noch nie getaucht. Was ich gemacht habe, waren Tauchgänge in den Cenotes von Yukatan. Das war auch sehr schön. Ich habe das aber nach einigen Erlebnissen wieder aufgegeben. Ich habe vieles gesehen und bin jedes Mal unbeschadet wieder hinausgekommen. Aber herausfordern wollte ich mein Schicksal nicht, denn es ist extrem gefährlich in diesen Höhlen. Doch so einen kristallklaren Bergsee hier – den werde ich sicher einmal betauchen.

Ein schönes Stichwort zu unserer nächsten Frage. Welcher Typ Taucher sind Sie? Lockerer Urlaubstaucher, distanzierter Forscher
oder gar Kamikaze?

Kamikaze auf keinen Fall. Für mich ist das Entspannung, tauchen soll Spaß machen. Aber ich bin schon jemand, der da unten Gefahr läuft, sich zu verlieren. Einfach so, weil mich das fasziniert. Einmal beispielsweise bin ich einem Hai hinterhergeschwommen und hatte plötzlich das Gefühl, mit dem den ganzen Tag da unten verbringen zu können. Aber irgendwann holte mich mein Gehirn zurück: Hallo, hallo! Sieh mal zu, dass du schnell wieder hoch kommst. – Also, für solche Dinge bin ich sehr empfänglich. Für Situationen, die durch starke Emotionen hervorgerufen werden. Aber ich begebe mich nicht bewusst in Gefahr.

Haben Sie Ihre Erlebnisse unter Wasser dann zu den Themen im „Schwarm“ oder in den „Nachrichten“ verarbeitet?

Nein, umgekehrt. Zum Tauchen bin ich gekommen durch mein Interesse fürs Meer und für die Naturwissenschaften. Sehen Sie, in der Schule war ich gut in den Fächern Kunst, Musik, Deutsch und Philosophie. Das waren meine Fächer! Dabei liegen in den Naturwissenschaften die spannendsten Themen überhaupt verborgen. Aber wir hatten keine Lehrer, die das richtig vermitteln konnten. Das führte dann dazu, dass ich nach dem Abitur da stand und nichts über die Welt wusste. Als großer Science-Fiction-Fan hatte ich zwar jedes erdenkliche Szenario gelesen, aber ich konnte keinerlei Aussage darüber treffen, welches Szenario nun möglich wäre und welches nicht. Und dafür sollte ich so lange zur Schule gegangen sein?

Wie haben Sie‘s schließlich gerichtet?

Ich habe mir Stephen Hawkings „Geschichte der Zeit“ gekauft und das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Danach war ich infiziert. Seither bin ich richtig süchtig nach naturwissenschaftlichen Zusammenhängen. Mir reicht es nicht mehr zu wissen, ich möchte verstehen wie das eine das andere beeinflusst.

Was beeinflusst unsere Meere Ihrer Meinung nach mehr, die Einleitung von Schadstoffen über die Atmosphäre und die Flüsse oder die Überfischung?

Beides. Wobei ich relativieren muss. Unsere Flora und Fauna ist sehr anpassungsfähig. Als vor Millionen vor Jahren unsere Welt die Photosynthese entdeckte, wurde die ganze damalige Atmosphäre mit Sauerstoff verpestet und 80, 90 Prozent der Lebewesen ging verloren. Zum Glück für uns, denn anderenfalls hätte sich keine Menschheit entwickelt. Und bei der Fischerei glaube ich nicht, dass wir in der Lage sind, ganze Fischbestände auszurotten. Unterhalb einer gewissen Ergiebigkeit lohnt es sich einfach wirtschaftlich nicht mehr, den Schiffsmotor für die verbliebenen Fische anzuwerfen, diese bleiben unbehelligt und die Bestände erholen sich wieder.

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach hier die Politik?

Dass die Politik versagt hat, sehen wir ja schon an den heute schrottreifen, überdimensionierten Flotten. Die wurden jahrelang subventioniert. Man hat dabei dem verständlichen Wunsch des Fischers Rechnung getragen, seine Familie ernähren zu wollen. Der aber hat den Ast abgesägt, auf dem er selber saß, es gibt jetzt eben nichts mehr herauszufischen. Und an dem Punkt müssten wir nun wirklich sagen, wir lassen die Natur in Ruhe.

Hätten Sie einen Lösungsvorschlag für das Dilemma?

Wir richten Schutzzonen ein, in denen nicht gefischt werden darf, sich Arten erholen können. Sobald der Bestand erholt ist und über die Ränder der Schutzzone hinausschwappt, dürfen wir die Ränder abfischen. So stellen wir sicher, dass im Zentrum der Schutzzone immer genügend Fische vorhanden sind, um den Bestand zu garantieren.

Nun waren Sie als Schriftsteller aber nicht immer nur mit dem Ozean und der Umwelt beschäftigt. Ich habe, außer dem „Schwarm“ und den „Nachrichten“, auch einen historischen Roman von Ihnen gelesen und einen Politthriller.

Ja, mit „Tod und Teufel“ fing es an. Damals interessierte ich mich sehr für Geschichte und fürs Mittelalter, ich lebte sozusagen, bis das Buch endlich geschrieben war, im Mittelalter. Es folgte „Dunkle Seite“, ein Buch, das sich mit der Arbeit der Profiler beim FBI beschäftigt. Und dann folgte 1999 „Lautlos“, ein Politthriller um den Kosovokonflikt. Sehen Sie, ich bin ein schriftstellerischer Überzeugungstäter. Wenn mich ein Thema packt, mich interessiert, dann fange ich an zu recherchieren und irgendwann kommt ein Buch dabei heraus. Obwohl ich selbst tauche und mit „Der Schwarm“ gepunktet habe, lasse ich mich jetzt keinesfalls auf das Genre Meer festlegen. Ich arbeite übrigens schon an einem neuen Stoff.

Ein neuer Stoff? Das interessiert uns!

Der wird aber nicht verraten. Nein, nein, nein, darüber red‘ ich vorher nie. Das habe ich mir zum Prinzip gemacht, als ich angefangen habe. Eigentlich weiß das nur meine Frau. Aber irgendwann ist das Ding fertig und dann kommt es raus.

Und dann sehen wir weiter. Sie waren also auf den Malediven und in Mexiko, haben wir erfahren.
Was haben Sie noch gesehen, was reizt Sie noch?

Da muss ich Ihnen sagen, dass ich seit fünf Jahren nicht mehr getaucht habe. Die meisten attraktiven Tauchreiseziele erreichen Sie leider nur per Flugzeug und ich habe vor etwa fünf Jahren eine immense Flugangst entwickelt – und seither kein Flugzeug mehr bestiegen. Aber ich bin begeisterter Autofahrer und meine Frau und ich sind England- und Schottlandfans. Und ich weiß, dass es in Schottland sehr gute Tauchplätze und auch Wale zu beobachten gibt. Und das alles zu erleben habe ich mir vorgenommen, wenn wir das nächste Mal oben sind. Trotzdem überlege ich mir zurzeit Möglichkeiten, mich mit der Fliegerei zu versöhnen.

Wir bedanken uns für das Gespräch. Und selbstverständlich sind Sie eingeladen, mit uns einen glasklaren Süßwassertauchgang hier in Deutschland zu erleben.

 
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