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Montag, 6. April 2020

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Das Auge macht das Bild, nicht die Kamera
72 Von Eckhard Krumpholz

Gute Fotokompositionen entstehen im Kopf des Fotografen. Auch der tauchende Fotograf sollte sich schon beim Beobachten und Wahrnehmen überlegen, auf welche Weise er etwas abbildet. Regeln zur Bildgestaltung helfen, um das pralle, dreidimensionale Unterwasserleben gelungen in nur zwei Dimensionen umzusetzen.

Blickwinkel
Die wichtigste Gestaltungsmöglichkeit beim Fotografieren liegt in der Wahl des Blickwinkels. Was banal klingt, wird von vielen Fotografen in seiner Dimension nicht erkannt oder angewendet. Ein und dasselbe Objekt hat unterschiedliche Bildwirkungen, wenn es aus verschiedenen Aufnahmerichtungen oder Winkeln aufgenommen wird. Je mehr Perspektiven Sie ausprobieren, um so eher finden Sie den besten Blick auf die Dinge. So gut wie alle Kameras verfügen über unterschiedliche Brennweiten in Form eines Zoom-Objektivs oder verschiedener Festbrennweiten. Bilder, die mit Weitwinkelobjektiven aufgenommen werden, betonen unübersehbar den Vordergrund und lassen den Hintergrund weiter weg erscheinen, als das bloße Auge dies sieht. Im Gegensatz dazu verdichten Teleobjektive die Perspektive deutlich und rücken Gegenstände näher aneinander, als dies tatsächlich der Fall ist. Je mehr die Objektive in die Extreme gehen, um so größer wird der Effekt. Im Unterwasserbereich macht man sich dies speziell bei Superweitwinkel- und Fisheye-Bildern zu Nutze. Schöne Dinge werden dicht vor der Kameralinse positioniert, damit sie bildbestimmend im Vor-dergrund abgebildet werden. Teleobjektive verwenden UW-Fotografen außer im Makrobereich kaum. Hier eingesetzt helfen sie vor allem, um kleine Dinge vor dem Hintergrund freizustellen, also die Schärfe auf sie zu beschränken. Zusätzlich erzielen Sie durch einen möglichst tiefen Kamerastandpunkt eine weitere Betonung des Vordergrundes. Tiere sollten grundsätzlich nie von hinten nie von oben fotografiert werden (es sei denn es ist ein Walhai oder ein Manta). Besser sind Standpunkte von unten oder in Augenhöhe der Tiere. Die Sicht von unten nach oben bring Dynamik ins Bild und erlaubt außerdem die Sonne oder sogar die Wasseroberfläche mit in die Komposition einzubeziehen.

Goldener Schnitt

Die bekannteste Regel der Bildgestaltung ist einfach umzusetzen aber mit Worten schwierig zu beschreiben. Bekannt aus der Malerei und der Architekturtheorie beschreibt das Prinzip, dass das Hauptmotiv sich in einem bestimmten Punkt innerhalb des Bildes befinden soll, um eine reizvolle Komposition zu erhalten. Diese Punkte entstehen, wenn das Aufnahmeformat gedanklich jeweils in Länge und Breite in etwa drei gleichlange Felder geteilt wird. Dort wo sich die Linien schneiden, befindet sich der Goldene Schnitt. Genauer beschrieben, definiert sich der Schnittpunkt wie folgt: Ein Punkt muss eine Strecke so teilen, dass sich das längere Stück zum Ganzen verhält wie das kürzere Stück zum längeren. Bei einigen Digitalkameras lässt sich das entsprechende Gitternetzfeld sogar einblenden, so dass Fische oder Taucher als Hauptmotiv leicht an der richtigen Stelle positioniert werden können.

Linien und Strukturen 73

Waagerechte und senkrechte Linien, die parallel zu den Bildrändern verlaufen, erwecken den Eindruck von Ruhe. Eine starke Diagonale erzeugt Spannung und Dynamik. Die ausgeprägte Linie kann den Betrachter auf bildwichtige Gegenstände lenken und ihn durch das Bild führen. Speziell Fische können häufig entlang der Bilddiagonale fotografiert werden.
Weil der Horizont unter Wasser fehlt, darf dabei sogar gemogelt werden: wenn die Diagonale nicht 100prozentig stimmt, kann die Kamera etwas geneigt werden, um den Fisch in die Diagonale zu setzen.
Sinnvoll ist es auch, bei Motiven nach grafischen Strukturen zu suchen. Konturen, Muster und Oberflächen sind Formen, die z.B. in Gorgonien, Hirnkorallen und Schwämmen leicht auszumachen sind. Die Muster hier wirken ordentlich und gleichmäßig – nichts liebt das menschliche Auge mehr. Doch Muster können auch schnell langweilig sein, da sie innerhalb kürzester Zeit vom Auge abgetastet sind. Deshalb steigt oft die Würze im Bild, wenn Sie eine Unregelmäßigkeit einbauen, die aus dem Gleichklang ausbricht – erst das macht die Aufnahme vollkommen.

Schärfe/Unschärfe

Die Schärfe im Bild muss stimmen. Unscharfe oder verwackelte Bilder gehören in den Papierkorb. Wo und in welcher Ausdehnung ein Bild scharf ist, legt der Fotograf fest. Durch die Fokussierung des Objektivs kann Schärfe bewusst im Bild bzw. auf dem Motiv verteilt werden, um andere Bereiche unscharf verschwinden zu lassen. Der Gegensatz dieser selektiven Schärfe wäre eine durchgängig scharfe Abbildung sowohl im Vorder- wie auch im Hintergrund. Je weiter die Blende dann geschlossen wird, umso größer wird der Schärfentiefenbereich.
Was früher trivial war, weil jedes Bild von Hand scharf eingestellt wurde, hat sich durch die modernen Digitalkameras zu einem folgenreichen Problem entwickelt. Häufig entscheidet nicht mehr der Fotograf sondern die Technik, genauer die Messfelder des Autofokus, was vom Motiv scharf abgebildet wird.
Meist legen Einsteiger ihr Hauptelement automatisch in die Bildmitte, da es dort einfach per Autofokus scharf gestellt wird. Hier hilft nur, den Autofokus abzuschalten und manuell zu fokussieren oder den Schärfepunkt zu speichern, beispielsweise über Funktionen wie Autofokus-Lock.
Letzteres bedeutet, den Auslöser oder eine speziell dafür vorgesehene Kamerataste gedrückt halten, das Hauptelement im Sucher aus der Mitte nehmen und erst dann vollständig auslösen.

Formatwahl

Weil UW-Kameras, besonders mit angesetzten externen Blitzgeräten, das Querformat als normal ansehen, machen viele Anfänger oft nur Querformatbilder. Dabei funktionieren, ja verlangen, manche Motive das Hochformat. Querformate wirken im Allgemeinen ruhiger und statischer, während Hochformate dynamischer wirken. Oft sind gerade die Bilder am eindrucksvollsten, die unseren Erwartungen widersprechen. Probieren Sie aus, von jedem Bild sowohl eine Hoch- wie eine Queraufnahme zu machen. Was interessanter wirkt, können Sie dann später auf dem fertigen Foto beurteilen.

Farbe

Egal ob das Wasser grün oder blau ist: Besonders intensiv wirkt unter Wasser die Farbe Rot. Erfahrene UW-Fotografen suchen deshalb die Landschaft gezielt nach roten Elementen ab wie Gorgonien oder Peitschenkorallen. Denn Rot ist immer ein Hingucker, kann aber ungewollt im Hintergrund auch als störendes Element empfunden werden.
Prüfen Sie vor jedem Auslösen, was der Blickfang eines Motivs ist und durch welches Detail Sie auf das Motiv aufmerksam wurden. Wie sollte etwas angeordnet und dargestellt sein, damit sich eine ausgewogene Komposition ergibt oder das Bild insgesamt wirkungsvoller wird. Denn nur durch Bildgestaltung wird aus dem Schnappschuss mit privatem Erinnerungswert eine (kunstvolle) Fotografie, die auch gerne von anderen betrachtet und bestaunt wird. Eine Garantie für beste Bilder sind sie jedoch nicht – denn auch das Motiv selbst muss selbstverständlich stimmen.

 
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