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Samstag, 27. Mai 2017

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Der Portofino Marinepark PDF Drucken E-Mail
55Die Rückkehr der Roten Koralle
Von Cristian Umili

Bis weit in die 60er Jahre hinein döste etwas südöstlich von Genua unentdeckt und unbelästigt von Fremden ein wahres Juwel vor sich hin: Der kleine Fischerort Portofino. Malerisch schmiegen sich die hohen, schmalen Häuser an den engen Naturhafen – pastellfarben. Nur eine schmale Straße führt von der Autobahn und vom Hinterland in den kleinen Ort, der liegt sozusagen mit dem Rücken zum Nachbardorf. Portofinos Seele aber öffnet sich zum Meer hin.
Der Ort ist schnell erkundet. Ein gemütlicher Spaziergang am Sonntagnachmittag reicht, um sich die Schönheiten des Fischerdorfes und seiner Umgebung zu erschließen. Portofino liegt, dicht gedrängt Haus an Haus, um einen schmalen Meeresarm herum, der vom Festland und einer schmalen hohen Landzunge umklammert wird. Von der Ortsmitte weg führt ein ausgetretener Pfad hinauf auf den Grat der Landzunge. Vorbei an Palmen und Rosmarinbüschen, ausladenden Hibiskussträuchern und Zistrosen gelangt man zur Kirche San Giorgio. Rechts öffnet sich das Mittelmeer, links duckt sich Portofino an die Küste. Das Braune Kastell liegt auf dem Weg zur Spitze der Landzunge, dort steht der Leuchtturm, leider geschlossen für Besucher. Aber trotzdem ein Magnet für Romantiker – besonders abends vorm Sonnenuntergang. Zurück in der Ortsmitte fällt auf, dass der Meeresarm sanft Richtung Ufer ausläuft und dort sorgfältig betoniert ist. Eine Rampe wird so gebildet, die früher dazu diente, die Fischerboote an Land zu ziehen. Heute arbeiten die Fischer mit schwerem Gerät: großen Schiffen, langen Netzen, mächtigen Kränen. Man braucht jetzt Hightech-Häfen wie den in Genua oder den in Rapallo. Trotzdem ist der kleine Naturhafen mit der Betonrampe nicht unnötig geworden. Touristenboote nutzen ihn jetzt und noch einige alte Fischer.

Wanderwege für Genießer58_1
Szenenwechsel. Der Sonntag ist vergangen, die Spaziergänger, die den Ort erkundet haben, sind verschwunden. Gehen in Mailand, Genua oder Livorno ihrem Broterwerb nach. Auf dem Zentralplatz in Portofino hat sich eine kleine Gruppe junger Leute eingefunden. Sie tragen Stirnbänder, funktionale T-Shirts, kurze Hosen. Auffällig sind die technisch hoch gerüsteten klobig aussehenden und doch leichten Trekkingschuhe. Diese Gruppe von Freizeitsportlern wird auch wandern. Zunächst den selben Pfad von der Ortsmitte aus Richtung Braunem Kastell und Leuchtturm, dann jedoch wird der Weg schier unpassierbar, führt schmal und steil und steinig an der Küste entlang nach San Fruttuoso und Santa Margherita. Fünf bis sechs Stunden werden die so schön neudeutsch genannten Hiker unterwegs sein. Unvergessliche Ausblicke auf die ligurische Küste und das Mittelmeer entlohnen sie für die Mühe. Und vielleicht begegnen die jungen Leute ja auch der typischen Fauna des Landstrichs: Füchsen, Wildziegen, Luchsen und den verschiedensten Arten von See- und Singvögeln. Der Küstenverlauf ist nicht nur landschaftlich voller Schönheit sondern durchaus abwechslungsreich. Hier fallen Klippen steil und schroff ins Blau der Ligure, dort bildet der Fels eine ausladende, flache Bucht aus. Wobei die Steilwände den größeren Anteil ausmachen. Und die Steilwände setzen sich auch unter Wasser fort: Erst nach 45 bis 80 Meter Wassertiefe treffen sie auf den hier typischen Sandgrund.

Bestnote für Portofino
57Zweifellos ist Portofino eines der besten Tauchreviere in Norditalien. Und, was kaum einer weiß, die Wiege des italienischen Sporttauchens. Während alle Welt von Hans Hass (30er Jahre) und Jacques Cousteau (40er Jahre) redet, haben hier schon zwischen den Weltkriegen in den 20er Jahren Ludovico Mares, Dario Gonzetti und Egidio Cressi technische Versuche gemacht. Bereits zehn Jahre später, um 1935, hatte Tauchen in Italien den Nimbus des Militärischen verloren und eine breite Bevölkerungsschicht frönte dem Hobby des Schnorchelns.
Und heute? Das Meer rund um Portofino ist zwischenzeitlich zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Sehr zum Leidwesen des handelsüblichen italienischen Tauchers, der sich auch heute noch gerne mit ABC-Ausrüstung samt Harpune zeigt. Das ist seit dem Jahr 2000 nicht mehr möglich – und wird strengstens bestraft. Eine vollständige Übersicht über alle rund um Portofino liegenden Tauchplätze würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wir geben Ihnen nachfolgend deshalb eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Plätze.

Isuela
Eine Felsnadel, die direkt vor Punta Chiappa aus dem Meer aufsteigt, die Spitze endet 15 Meter unter der Wasseroberfläche. Rundum fällt der Felsen auf 60 Meter Tiefe ab. Hier herrscht immer Strömung, oft sogar stark. Wegen der schwierigen Bedingungen kann der Platz nur als Tauchziel für fortgeschrittene Taucher deklariert werden.
Im oberen Bereich der Felsnadel haben sich gelbe Gorgonien angesiedelt, weiter unten gedeihen große rote Gorgonienfächer. Rund um den Felsen kreisen Brassen, Tunfischschwärme, Gelbschwanzmakrelen und kleine Barrakudas. In den Nischen, die der Fels ausgebildet hat, wohnen Conger, Muränen und Tintenfische.
An diesem Platz lohnt sich immer wieder der Blick ins Freiwasser, denn hier ziehen auch ab und zu Hochseefische vorbei.
Die beste Zeit zum Tauchen ist der frühe Morgen, gleich nach Sonnenaufgang.
Dann haben sich die meisten Fische hier versammelt.

Dario Gonzetti
58_2Einer der besten Tauchplätze der Gegend. Die Felsnadel ist leicht zu finden, sie liegt nahe an der Steilküste und ragt bis sechs Meter unter die Wasseroberfläche empor. In etwa 18 Meter Tiefe ist sie mit dem Festland durch eine Art Felssattel verbunden – eine der interessantesten Stellen an diesem Platz. Es gibt hier jede Menge Tintenfische, Hummer und Langusten. Der Sattel ist auch von Seegras bedeckt, in dem Steckmuscheln und Seepferdchen ihre Wohnung gefunden haben. Dazu trifft man die typischen Mittelmeerbewohner wie Große Rote Drachenköpfe, Meerjunker und Mönchsfische. Die Nadel endet in 45 Meter Tiefe und geht in einen weiterhin sanft abfallenden Sandgrund über, auf dem große Felsbrocken liegen. Hier unten in der Tiefe gedeihen die ausladenden Gorgonienfächer der roten Art besonders gut. Tauchtechnisch ist der Platz wegen der nur leichten bis oft ganz fehlenden Strömung auch für mittelgut ausgebildete Taucher geeignet.

Leuchtturm
Dem Kap, auf dem der Leuchtturm steht, ist ein hervorragender Tauchplatz vorgelagert. Es handelt sich um eine Wand, die auf rund 60 Meter abfällt. Dort erreicht sie den Boden, der vorwiegend aus Schlamm besteht. Hier herrscht eigentlich keine Strömung, wobei die Betonung auf dem harmlosen Wörtchen eigentlich liegt. Denn es kann vorkommen, dass plötzlich ein ganz tückischer Zug auftritt. Die Wand hier ist für das Vorkommen vieler Kleinlebewesen bekannt. Es gibt Würmer, Nacktschnecken, viele Garnelen, Schleimfische und Seegurken. Die Wand ist außerdem sehr zerklüftet, sodass zahlreiche Spalten und Löcher entstanden sind – mit den üblichen Verdächtigen wie Krake und Muräne, Languste und Conger. Achtung: Die Ankerboje für Tauchboote ist in 60 Meter Tiefe befestigt. Viele unerfahrene Taucher an diesem Platz versuchen nun der Ankerleine zu folgen, merken dann bei 30, 40 Meter, dass das die falsche Strategie ist, haben aber schon zu viel Luft verbraucht. Besser, man schnorchelt vom Boot aus Richtung Land und beginnt seinen Abstieg in der Nähe der Küste. Oder man lässt sich vom Skipper gleich dort absetzen.

Agnelli, Berlusconi und Co.
Schließlich noch ein Wort zu dem wohl bekanntesten Tauchplatz der Gegend, der Christusstatue in der Bucht von San Fruttuoso. Dort herrscht zwar das weitaus höchste Taucheraufkommen, doch der Platz ist zweite Wahl. Die bronzene Statue wird von den Tauchbasen und Tauchern einfach wegen ihres Symbolcharakters besucht oder dient als Orientierungspunkt nach einem Prüfungstauchgang.
Der Christus von San Fruttuoso wurde 1954 von Duilio Marcante gestiftet und aufgestellt. Als Cristo degli Abbisi kennen ihn die einheimischen Taucher, nur unzureichend übersetzt mit Gott der Tiefe. Seine Basis steht in 18 Meter auf dem Felsgrund, die zum Himmel (der Wasseroberfläche) gereckten Hände befinden sich in zwölf Metern, die Statue ist also exakt sechs Meter hoch. Sie wird von Meerjunkern und Mönchsfischen umschwärmt.
Wie gesagt, ein Tauchgang mit Symbolcharakter, mehr nicht. ATLANTIS verrät nun, wie Sie doch noch etwas draus machen können: Der Kenner der Szenerie hält sich nach einem kurzen Innehalten an der Statue landauswärts. Nach einigen zehn Metern trifft er auf einen Steilabfall, der bis in eine Tiefe von rund 35 Meter führt. So tief braucht man aber gar nicht zu gehen. In etwa 20 Meter stößt man auf eine Höhle mit einem engen Eingang aber einem geräumigen Innern. Die Wände sind dicht mit leuchtend gelben Krustenanemonen bewachsen und bieten Hunderten von Fischen und Garnelen Schutz. Der Tauchgang wird beendet im Flachwasser, wo es ebenfalls viele Lebewesen zu beobachten gilt. Die Umwidmung der Gegend rund um Portofino zum Naturschutzpark hat der Region sichtlich gut getan. Nicht nur die typischen Küstenbewohner des Mittelmeers wie Zackenbarsch und Muräne sind zurück gekommen, sondern auch die großen, pelagisch lebenden Schwarmfische – Barrakuda, Tun, Makrele. Sogar der besondere Schatz der Riviera gedeiht wieder, zaghaft zwar noch aber immerhin: Die Rote Edelkoralle treibt an vielen Stellen ihre blutroten Ärmchen ins Blau des Wassers.
Wer durch Portofinos Gassen streift, in einer Bar unten am Hafen einen Campari schlürft oder einen Espresso, der braucht sich nicht zu wundern, wenn plötzlich Claudia Cardinale neben ihm sitzt oder ihm ein Spross der Famiglia Agnelli begegnet. Auch Signore Berlusconi wird oft im malerischen Örtchen gesichtet. Portofino ist halt Promiland. Wer in Italiens Society was gilt, hat hier Wochenendbleibe oder Yacht oder beides. Die Liegeplätze rund um die Landzunge jedenfalls kosten ein Vermögen und die Immobilienpreise sind die höchsten in Europa; höher sogar als in London-City oder ufer- und stadtnah am Zürichsee. Der erfahrene Reisende genehmigt sich also ein entsprechendes Reisebudget.
 
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