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Montag, 3. August 2020

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Peking und Washington streiten um das Südchinesische Meer PDF Drucken E-Mail

Text: Heinz Käsinger

China erkundet mit einem Wissenschaftsschiff in aller Ruhe das Südchinesische Meer. Ziel der Mission dürfte die Vermessung des Meeresbodens sein, um später die dort lagernden Bodenschätze auszuheben. Heftiger Protest kam derweil aus den USA. Die Vereinigten Staaten nennen die chinesische Aktion „einen erschreckenden Versuch, die durch die Coronavirus-Pandemie verursachte Verwirrung auszunutzen.“

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(Foto: China Geological Survey; Mannschaft vollständig angetreten: Das wissenschaftliche Team der „Haiyang Dizhi 8“ posiert vor dem chinesischen Forschungsschiff )

Ein Schiff der chinesischen Regierung, die „Haiyang Dizhi 8“, ist nach der Vermessung des Meeresbodens vor Vietnam an die Küste Borneos weiter gereist. Amerika behauptet, dass China versucht, seine umstrittenen Ansprüche auf „die strategischen Gewässer“ zu konsolidieren. Der Vorfall ereignete sich nach dem Untergang eines vietnamesischen Fischerbootes, der durch ein Schiff der chinesischen Küstenwache in der Nähe der Paracel-Inseln verschuldet worden sein soll. Die Paracel-Inseln gehören zu einer Inselgruppe im Südchinesischen Meer, die von China umstrittener weise beansprucht wird. Der Untergang des Fischerbootes löste eine wütende Reaktion aus Washington aus, das China beschuldigte, die Pandemie auszunutzen. „Es ist erschreckend, dass China in aller Heimlichkeit die Bekämpfung dieser globalen Pandemie ausnutzt, um seine unrechtmäßigen Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer durchzusetzen", sagte Morgan Ortagus, die Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums. „Dieser Vorfall ist nur der jüngste in einer langen Reihe von chinesischen Aktionen zur Durchsetzung unrechtmäßiger Gebietsforderungen zum Nachteil seiner südostasiatischen Nachbarn“, sagte Morgan Ortagus.

Internationale Waren und Rohstoffe im Wert von fünf Billionen US-Dollar werden jedes Jahr über das Südchinesische Meer transportiert. Dazu gehört auch das Öl, das die Wirtschaft Chinas, Japans und Südkoreas antreibt. Die Hunderte von Riffen und kleinen Inseln in der Region werden auch von den Philippinen, Vietnam, Malaysia, Brunei und Taiwan beansprucht. Seit 2014 hat Peking jedoch seinen Anspruch auf praktisch das gesamte Meer geltend gemacht, indem es Riffe zubetoniert hat, um Militärflughäfen zu bauen, die mit Radar, Raketen und Flugzeugen ausgestattet sind. Im Jahr 2016 hat der ständige Schiedsgerichtshof in Den Haag die Ansprüche Chinas auf Felsen und Riffe in der Nähe der Philippinen niedergeschlagen. Umgekehrt lehnt Peking empört jede Anfechtung seiner Souveränität ab.

Während der Coronavirus-Pandemie hat China neue Forschungsstationen auf dem Fiery Cross Riff und dem Subi Riff angekündigt, winzige Eilande, die es in stationäre Flugzeugträger umgewandelt hat. Satellitenfotos zeigen, dass die chinesische Volksbefreiungsarmee Landebahnen und Radaranlagen gebaut hat. Sie kann von dort aus nun Offensivwaffen wie Kampfflugzeuge und mobile Raketenwerfer einsetzen.

(Foto: US State Department; „Pekings Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer sind ungerechtfertigt“, sagt Morgan Ortagus, Sprecherin des US-Außenministeriums  )

morgan-ortagusDie „Haiyang Dizhi 8“ verbrachte im vergangenen Jahr Monate damit, in Begleitung bewaffneter Schiffeder Küstenwache Teile des von Vietnam beanspruchten Meeres zu erkunden. Es wird allgemein angenommen, dass die wissenschaftlichen Untersuchungen darauf abzielen, Chinas Ansprüche als rechtmäßiger Eigentümer praktisch des gesamten Südchinesischen Meeres zu festigen und Daten über die potentiellen Energieressourcen unter dem Meeresboden zu sammeln. Die Möglichkeit, dass China den Schiffsverkehr durch das Südchinesische Meer unterbinden könnte, ist für viele Regierungen alarmierend. Ohne den Einsatz militärischer Gewalt kann jedoch wenig getan werden, um Chinas Erfolge rückgängig zu machen. „Was ziemlich offensichtlich ist, ist, dass China nicht aufhören wird“, sagte Gregory Poling von der Asia Maritime Transparency Initiative, einem Washingtoner Think Tank. „Wenn eine globale Pandemie China nicht veranlasst, die Dinge im Südchinesischen Meer zu beruhigen, dann wird sich auch nicht viel ändern“.

 

Der Kommentar

Muskelspiele der Giganten

Wem gehört der Pazifik? Vier Ernst zu nehmende Staaten strecken den Finger: China, Japan, Russland und die USA. Japan wurde von Amerika schon vor 75 Jahren erfolgreich und nachhaltig aus dem Rennen gebombt, indem man zwei Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki geworfen hat. Russland wurde im Kalten Krieg erfolgreich finanziell ruiniert, das ist zu größeren Muskelspielen auch nicht mehr fähig. Es bleiben China und die USA. Natürlich geht es nicht um die Inseln, diese Kleinst-Eilande, die irgendwo im Nirgendwo zwischen dem südostasiatischen Festland und den Philippinen liegen. Und es geht schon gar nicht um Sicherheitsinteressen der USA. Auch wenn Frau Ortagus das so behauptet. Ob China nun von seinem Festland aus einen Marschflugkörper auf die Amis losschickt, oder von einer Felsnadel im Meer ist doch so ziemlich Wurscht.

Es geht um Bodenschätze. Unterseeische Bodenschätze, die China sich anschickt unter den Nagel zu reißen. Und das stinkt den Amis, wie ihnen so ziemlich jedes Spiel stinkt, das Gewinne verheißt, in dem sie aber schlechte oder gar keine Karten haben. Deshalb wird jetzt gehetzt und gezetert und mit dem Finger auf das böse China gezeigt. In der Tat hat der Internationale Gerichtshof in Den Haag geurteilt, dass die Gebietsansprüche Chinas nicht gerechtfertigt seien. Aber leider, sorry Amis, Euch gehören die Felsenspitzen halt auch nicht. Trotzdem (oder deshalb) kommt es wie zwischen zwei pubertierenden Halbstarken halt jetzt erst mal zum verbalen Schlagabtausch.

Politisches Geplänkel hin oder her, es wird in diesem Spiel einen Verlierer geben und dieser Verlierer ist wie immer die Natur. Der Abbau von Erzen und Mineralien in großer Wassertiefe wir das Meer noch mehr schädigen als der Klimawandel, da sind sich die Experten einig. Denn die Tiefsee spielt eine ganz entscheidende Rolle im globalen Ökosystem des Planeten. Ziehen wir uns also – trotz Klimawandels – schon mal warm an. Lang macht’s die Blaue Kugel nicht mehr... H.K.

 
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